„Glaubt an Unschuld“

Marius Høiby legt Berufung gegen das Urteil ein

Royals
15.06.2026 14:05
Porträt von krone.at
Von krone.at

Während das norwegische Königshaus das Urteil nicht kommentieren will, haben die Anwälte von Marius Borg Høiby ihren Mandanten im Hochsicherheitsgefängnis Ila besucht und anschließend angekündigt, Berufung gegen die Verurteilung einzulegen. „Er glaubt, unschuldig zu sein“, erklärte Verteidiger Petar Sekulic.

Marius Borg Høiby wird das Urteil des Bezirksgerichts Oslo nicht akzeptieren. Wie seine Verteidigung am Montag nach einem Treffen im Gefängnis von Ila mitteilte, legt der Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit Berufung ein. Diese betrifft die Schuldsprüche wegen Missbrauchs in engen Beziehungen sowie wegen zweifacher Vergewaltigung. Zudem fordert Høiby seine sofortige Haftentlassung bis zur Entscheidung der nächsten Instanz. Laut seinem Anwalt Petar Sekulic beteuere Høiby weiterhin seine Unschuld. „Er hält sich für unschuldig“, so Sekulic.

Staatsanwalt Sturla Henriksbö bezeichnete das Urteil hingegen als „lang und ernst“, aber „der Schwere der Vergehen angemessen“. Das Urteil sei „ein Sieg für unser Rechtssystem, das zeigt, dass niemand über dem Gesetz steht, egal wer man ist und zu welcher Familie man gehört“, sagte der Staatsanwalt.

Die Anwälte von Marius nach dem Besuch bei ihrem Mandanten im Ila-Gefängnis
Die Anwälte von Marius nach dem Besuch bei ihrem Mandanten im Ila-Gefängnis(Bild: AFP/JAVAD PARSA)

Schwerwiegende Vorwürfe
Das Gericht hatte den 29-Jährigen zuvor zu vier Jahren Haft verurteilt. Die Richter befanden ihn unter anderem wegen zweier Vergewaltigungen, Gewalt in engen Beziehungen, Bedrohungen sowie weiterer Straftaten für schuldig. Von zwei weiteren Vergewaltigungsvorwürfen wurde Høiby freigesprochen.

Høiby hatte vom 3. Februar bis zum 19. März wegen 40 Anklagepunkten vor Gericht gestanden, unter anderem wegen der Vergewaltigung von vier Frauen in den Jahren 2018 bis 2024, die zum Tatzeitpunkt schliefen oder bewusstlos waren. Vor den Vergewaltigungen hatte Høiby Alkohol und Drogen konsumiert. Den Taten waren jeweils einvernehmliche sexuelle Kontakte vorausgegangen.

Eine der Vergewaltigungen, derentwegen Høiby nun verurteilt wurde, hatte er nach Angaben des Gerichts 2018 in Skaugum, der Residenz des norwegischen Kronprinzenpaars, begangen. Zudem wurde dem 29-Jährigen zur Last gelegt, mehrere Ex-Freundinnen körperlich und psychisch misshandelt zu haben.

Die Verteidiger von Marius Borg Høiby (dem Sohn der norwegischen Kronprinzessin Mette-Marit), ...
Die Verteidiger von Marius Borg Høiby (dem Sohn der norwegischen Kronprinzessin Mette-Marit), Ellen Holager Andenæs (2. von rechts) und Petar Sekulic (Mitte), sprechen beim Verlassen der Justizvollzugsanstalt Ila in Eiksmarka (Gemeinde Bærum, außerhalb von Oslo) mit Journalisten.(Bild: Krone-Collage/AFP/JAVAD PARSA, APA-Images / dana press / dana)

Eine Influencerin schilderte vor Gericht, Høiby habe in seiner früheren Beziehung zu ihr eine „Schreckensherrschaft“ mit körperlicher und psychischer Gewalt ausgeübt. Høiby räumte in dem Prozess ein, dass er aus Eifersucht manchmal den Kopf verliere.

Die Staatsanwaltschaft hatte eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren und sieben Monaten gefordert. Die Verteidigung plädierte dagegen, insbesondere bei den schwerwiegendsten Vorwürfen auf Freispruch. Høiby selbst hatte mehrere weniger schwere Straftaten eingeräumt, die zentralen Anschuldigungen jedoch stets bestritten.

Nicht persönlich im Gericht
Bei der Urteilsverkündung war der 29-Jährige nicht persönlich im Gerichtssaal erschienen. Wegen nicht näher erklärter gesundheitlicher Beschwerden, die vergangene auch in einer Klinik behandelt wurden, wurde er per Video aus dem Gefängnis zugeschaltet.

Ein Antrag seiner Anwälte auf Entlassung aus der Untersuchungshaft war zuvor abgewiesen worden.

Sorge um Kronprinzessin Mette-Marit: Während ihr Sohn Marius seit Februar in Untersuchungshaft ...
Sorge um Kronprinzessin Mette-Marit: Während ihr Sohn Marius seit Februar in Untersuchungshaft sitzt, hat sich der Gesundheitszustand der norwegischen Kronprinzessin drastisch verschlechtert. Sie steht mittlerweile auf der Warteliste für eine Lungentransplantation.(Bild: Krone-Collage/Viennareport)

Besonders belastend ist die Situation auch für seine Mutter. Kronprinzessin Mette-Marit kämpft seit Jahren mit einer seltenen Form der Lungenfibrose. Zuletzt hatte sich ihr Gesundheitszustand deutlich verschlechtert, dem Königshaus zufolge wartet die 52-Jährige derzeit auf eine Spenderlunge. 

Marius an seinem ersten Schultag mit seinem leiblichen Vater Morten Borg, seinem Stiefvater ...
Marius an seinem ersten Schultag mit seinem leiblichen Vater Morten Borg, seinem Stiefvater Kronprinz Haakon und seiner Mutter Kronprinzessin Mette-Marit(Bild: Viennareport)

Gehört nicht dem Königshaus an
Høiby ist Mette-Marits Sohn aus einer früheren Beziehung vor ihrer Ehe mit Kronprinz Haakon im Jahr 2001. Er war bei der Hochzeit vier Jahre alt. Dem Königshaus gehört Høiby nicht formell an. Einem geregelten Beruf geht der 29-Jährige nicht nach. Norwegischen Medien zufolge fiel er hingegen wiederholt durch Kontakte zu kriminellen Kreisen auf.

„Ich bin hauptsächlich als der Sohn meiner Mutter bekannt, für nichts anderes“, hatte Høiby am zweiten Tag seines Prozesses gesagt. „Deshalb hatte ich ein extrem großes Bedürfnis nach Anerkennung. Mein ganzes Leben lang. Und das hat sich in viel Sex, viel Drogen und viel Alkohol niedergeschlagen.“

Høiby ist Mette-Marits Sohn aus einer früheren Beziehung vor ihrer Ehe mit Kronprinz Haakon im ...
Høiby ist Mette-Marits Sohn aus einer früheren Beziehung vor ihrer Ehe mit Kronprinz Haakon im Jahr 2001.(Bild: AFP/LISE ASERUD)

Mette-Marit geriet in den vergangenen Monaten nicht nur wegen ihres ältesten Sohnes und ihrer Krankheit in die Schlagzeilen, sondern auch wegen ihrer jahrelangen Freundschaft mit dem inzwischen verstorbenen US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein. Dies brachte auch das norwegische Königshaus unter Druck.

Mit der angekündigten Berufung dürfte eines der größten Justizverfahren in der jüngeren Geschichte Norwegens nun in die nächste Runde gehen.

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