„Mussten reagieren“

Nach Hubschrauberabschuss Eskalation im Iran-Krieg

Außenpolitik
10.06.2026 00:00
Porträt von krone.at
Von krone.at

Neue Eskalation im Iran-Krieg: Nachdem eine iranische Drohne den Absturz eines US-Kampfhubschraubers verursacht hatte, kündigte Präsident Donald Trump „mächtige“ Vergeltung an. Die Antwort darauf ließ nicht lange auf sich warten: Kurz nachdem die USA ihre Angriffswelle gestartet hatten, nahm der Iran US-Ziele in der Region ins Visier.

Der hochmoderne Hubschrauber vom Typ Apache sei „während einer Patrouille“ über der Straße von Hormuz auf Patrouillenflug gewesen, bestätigte Trump am Dienstag. Die Piloten seien in Sicherheit und es gehe ihnen gut. Außerdem sei niemand verletzt worden, sagte der Staatschef. Trotzdem „müssen die Vereinigten Staaten gezwungenermaßen reagieren“, kündigte Trump Vergeltung an. Der „Selbstverteidigungsangriff gegen den Iran“, der daraufhin folgte, sei die „verhältnismäßige Antwort auf die ungerechtfertigte iranische Aggression“, hieß es im Onlinedienst X.

„Es ist sehr wichtig, dass wir antworten. Sie haben einen Helikopter abgeschossen“, so Trump gegenüber ABC News. Die Antwort müsse „sehr stark, sehr kraftvoll“ sein – „und das ist sie auch“. Vor allem im Süden des Iran nahe der Straße von Hormuz seien Explosionen zu hören gewesen.

Angriffe in Bahrain, Kuwait und Jordanien
Eine Quelle sagte zu CNN, die neue Angriffswelle sei lediglich ein Warnschuss – und würde die Verhandlungen zwischen dem Iran und den USA über ein Friedensabkommen nicht behindern. Angriffe gab es offenbar in Bahrain sowie im Golfstaat Kuwait. Die Luftabwehr sei im Einsatz, teilte das dortige Militär in den frühen Morgenstunden auf der Plattform X mit. Genauere Angaben gab es zunächst nicht. Auch ein US-Stützpunkt in Jordanien sei attackiert worden, hieß es. Bei den Angriffen seien Trümmerteile herabgefallen, es habe aber keine Opfer oder Schäden gegeben. Man werde keinerlei Verletzung des Luftraums zulassen, hieß es weiter. 

Das US-Militär erklärte die Angriffe noch in der Nacht für beendet. Wie das für den Nahen Osten zuständige Regionalkommando Centcom auf der Plattform X mitteilte, sind die „Verteidigungsschläge“ gegen den Iran abgeschlossen. Es seien iranische Luftabwehranlagen, Bodenkontrollstationen und Überwachungsradaranlagen im Bereich der Straße von Hormuz bombardiert worden, hieß es.

Ein iranisches Patrouillenboot vor einem Frachtschiff in der Straße von Hormuz
Ein iranisches Patrouillenboot vor einem Frachtschiff in der Straße von Hormuz(Bild: AP/AP ( via APA) Austria Presse Agentur)

US-Medien zufolge erfolgten die Angriffe in drei Wellen. Das Militär sprach von einer „verhältnismäßigen“ Antwort auf den iranischen Abschuss des Apache-Hubschraubers vor Omans Küste. Die US-Streitkräfte seien bereit, sich weiter gegen „ungerechtfertigte iranische Aggressionen“ zu verteidigen.

Auch Iran startete Angriffswelle
Irans Parlamentspräsident und Verhandlungsführer Mohammed Baqer Qalibaf wiederum hatte die USA gewarnt, ihre „Verpflichtungen“ zu brechen: „Wir bevorzugen die Sprache der Diplomatie, aber andere Sprachen beherrschen wir weitaus besser. Wenn ihr eure Verpflichtungen nicht einhaltet, werden wir zu der Sprache wechseln, die wir am besten beherrschen.“ In den frühen Morgenstunden des Mittwoch kam es daraufhin zu iranischen Angriffen auf US-Ziele in der Region.

Außenminister Abbas Araqchi hatte bereits zuvor ausländische Streitkräfte zum Verlassen der Straße von Hormuz und der umliegenden Gebiete aufgefordert. Bei einem Verbleib liefen sie ständig Gefahr, ins Kreuzfeuer zu geraten, erklärte Araqchi auf X. Denn keine Attacke oder Drohung der USA würde „unbeantwortet“ bleiben.

„Soldaten in stabilem Zustand“
Vor Trumps Erklärung am Dienstag hatte das US-Regionalkommando erklärt, dass zwei Soldaten eines Apache AH-64 nach dem Absturz ihres Hubschraubers nahe der Küste des Oman gerettet worden seien. „Die Soldaten wurden binnen etwa zwei Stunden sicher gerettet und befinden sich in einem stabilen Zustand“, so CENTCOM auf X (siehe Posting unten).

Bei dem Rettungseinsatz kam demnach eine See-Drohne zum Einsatz, laut zwei US-Offiziellen war der Helikopter von einer iranischen Drohne vom Himmel geholt worden. Es sei aber nicht gänzlich klar, ob der Abschuss beabsichtigt war.

Spektakuläre Rettungsaktion nach Kampfjet-Abschuss
Es handelt sich bereits um den zweiten Abschuss einer bemannten US-Militärmaschine durch den Iran, den die US-Regierung bestätigt hat. Im April war ein US-Kampfjet vom Typ F-15 abgeschossen worden. Auch hier wurden beide Piloten gerettet, davon einer in einer besonders spektakulären Rettungsaktion.

Nach dem Ausstieg aus der F-15E verbarg sich der Offizier zuletzt in einer Felsspalte, sein genauer Standort war anfangs unbekannt. Der Jet wurde in einer regierungsfeindlichen Region abgeschossen. Es entwickelte sich ein Wettlauf um die Zeit, denn auch iranische Soldaten suchten nach dem Mann. 

An der Mission waren Hunderte Spezialkräfte sowie Dutzende Kampfflugzeuge und Helikopter beteiligt. US-Jets bombardierten iranische Konvois, um sie vom Versteck fernzuhalten. Als die US-Kommandos sich näherten, hielten sie die Verfolger mit gezieltem Feuer auf Abstand. Kurz vor Schluss kam es noch zu einer Panne: Zwei Transportflugzeuge blieben nach der Bergung des US-Soldaten auf einem Stützpunkt im Iran stecken. Das Kommando ließ drei neue Maschinen einfliegen, um alle Beteiligten zu evakuieren, und sprengte die havarierten Flugzeuge, um sie nicht dem Iran zu überlassen.

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