Mehr als 19 Millionen Menschen leben im Großraum von Mexiko-Stadt. Daten eines Radarsatelliten zeigen nun, dass die Hauptstadt Mexikos dramatisch absinkt, in manchen Stadtteilen senkt sich der Boden bis zu mehr als zwei Zentimeter – im Monat!
Im Rahmen der Mission NISAR (die Abkürzung steht für NASA-ISRO Synthetic Aperture Radar) – eines gemeinsamen Projektes der US-Raumfahrtbehörde NASA und der indischen Weltraumforschungsorganisation ISRO – können Land- und Eisflächen genau wie nie zuvor beobachtet und Veränderungen von Bruchteilen von Zentimetern gemessen werden.
Daten, die der Radarsatellit, der in einer Umlaufbahn in 747 Kilometern Höhe um die Erde kreist, zeigen jetzt, wo Mexiko-Stadt zwischen dem 25. Oktober 2025 und dem 17. Jänner dieses Jahres um bis zu mehr als zwei Zentimeter pro Monat abgesunken sind (im Bild oben blau dargestellt).
Schäden an Infrastruktur durch Absenkung
Über die Jahre haben sich die ungleichmäßigen und scheinbar geringfügige Höhenänderungen über die Jahrzehnte summiert und Straßen, Gebäude und Wasserleitungen beschädigt, berichtete das Jet Propulsion Laboratory der NASA kürzlich auf seiner Website.
Dass die Absenkungen derartige Ausmasse haben, liegt am Umstand, dass Mexiko-Stadt auf einem sogenannten Grundwasserleiter (auch als Aquifer bezeichnet; Anm.) – einer unterirdischen Gesteins- oder Sedimentschicht, die Grundwasser speichert und leitet – liegt.
Exzessive Wasserentnahme führt zur Absenkung
Die umfangreiche Entnahme dieses Grundwassers in Verbindung mit dem Gewicht der städtischen Bebauung hat seit mehr als einem Jahrhundert zu einer Verdichtung des alten Seebetts unter der Stadt geführt. Ein Ingenieur dokumentierte das Problem bereits erstmals vor 100 Jahren – anno 1925.
Schon in den 1990er- und 2000er-Jahren sanken Teile des Ballungsraums um rund 35 Zentimeter pro Jahr, was unter anderem zu nicht unerheblichen Schäden an der Infrastruktur führte – darunter auch an der Metro der Stadt, einem der größten U-Bahn-Systeme Amerikas.
Teile der Region, in denen eine Bodensenkung von mehr als einem halben Zoll (mehr als zwei Zentimeter) pro Monat festgestellt wurde, sind dunkelblau dargestellt. Das Bauwerk in der Bildmitte ist der internationale Flughafen Benito Juárez, während der See Nabor Carrillo als dunkelgrünes, längliches Gebilde im Nordosten zu erkennen ist.
Boden um Wahrzeichen sinkt ab
Ein Wahrzeichen der Metropole – der „El Ángel de la Independencia“, ein Denkmal am Paseo de la Reforma in der Innenstadt – ist ein besonders sichtbarer Indikator für die Bodensenkung. Das 1910 zum Gedenken an 100 Jahre mexikanische Unabhängigkeit errichtete, hoch aufragende Denkmal ist 36 Meter hoch und wurde seither an seinem Sockel um 14 Stufen erhöht, da de Boden um die Säule herum allmählich absinkt.
Der NISAR-Satellit ist mit zwei Radarinstrumenten ausgestattet, die mit langen Wellenlängen arbeiten und unabhängig vom Wetter sowie bei Tag und Nacht Messdaten erheben können, weil sie durch Wolken (welche die Sicht optischer Geräte behindern, Anm.) quasi hindurchsehen.
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