Minister, Landes-Chef

„Degeneriert?“ Oberösterreicher kontern Ruck

Innenpolitik
21.07.2026 12:16

Das Stelzen-Gate zieht bekanntlich immer weitere Kreise: Der machtbewusste Wiener Wirtschaftskammer-Präsident Walter Ruck soll laut dem geheimen Protokoll einer Gesprächsaufnahme über Oberösterreichs Industrie und sogar über Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer hergezogen, diesen als „Typ Sachbearbeiter“ bezeichnet haben. Jetzt kontert die Politprominenz mit deutlichen Worten. 

Es begann mit einer Stelze im Schweizerhaus, ärgerte dann die Opposition und könnte für die ÖVP letztlich in einem Scherbenhaufen enden. Der „Krone“ vorliegende Gesprächsprotokolle, in denen Wiens Wirtschaftskammer-Präsident Walter Ruck geschildert haben soll, wie er Spitzenposten in der Stadt eingefädelt habe, beschäftigen nun die Innenpolitik. Erst recht, seitdem neue Enthüllungen und Sager von Ruck zu ÖVP-Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer publik wurden. 

„Du, Hatti ...“
„Der Hattmannsdorfer ist so ein Typ, der ist Sachbearbeiter und Vorstandsassistent. Der kommt zu dir rein mit 300 Seiten, die er auswendig gestrebert hat, und will dir in zwei Minuten alle 300 Seiten erzählen. Und er war mal kurz bei uns Generalsekretär (in der Wirtschaftskammer Österreich, Anm.), und dann hab’ ich ihm gesagt: ,Du, Hatti, ich habe so einen Bienenschwarm im Schädel – was du da alles erzählst. Bringen wir’s aufs Wesentliche runter’“, soll Ruck laut Protokoll gesagt haben. 

Ein Sprecher Rucks teilte dazu am Montag zwar mit, dass es sich bei den angeblichen Zitaten um ein Transkript einer nicht verifizierbaren und potenziell illegal angefertigten Aufnahme handle – und dass man die Arbeit des Wirtschaftsministers im Übrigen sehr schätze.

Hattmannsdorfers kühler Konter
„Mit dem Vorwurf, ein hohes Arbeitstempo zu haben und inhaltlich gut vorbereitet zu sein, kann ich gut leben. Beides entspricht meinem Amtsverständnis als Bundesminister“, so Hattmannsdorfer gegenüber der „Krone“. Und der Minister weiter: „Deutlich befremdlicher finde ich das kolportierte Politikverständnis sowie das Bild über Frauen und Unternehmerinnen und Unternehmer. Eine solche Einstellung darf nicht dem Selbstverständnis eines Interessenvertreters entsprechen.“

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Das sind die Leute wie der Sigi Menz (ehemaliger Ottakringer-Vorstand, Anm.) und diese ganzen degenerierten Oberösterreicher ...

Ruck laut Protokoll

Zudem soll Ruck bekanntlich auch gegenüber Vertretern der Industrie derbe Worte gefunden haben. Es sei um die Kammerumlage 2 gegangen, so Ruck laut Protokoll: „Das sind die Leute wie der Sigi Menz (ehemaliger Ottakringer-Vorstand, Anm.) und diese ganzen degenerierten Oberösterreicher – die sind dort gesessen und haben gescheit dahergeredet, vom Kaviar-Frühstück kommend“, irgendwie in Richtung „Sekt-Brunch“ übergehend.

„Richtet sich von selbst“
Das will Oberösterreichs Landeshauptmann Thomas Stelzer nicht auf seinen Landsleuten sitzen lassen: „Wenn sich das alles als richtig herausstellt, ist eine solche Wortwahl klar abzulehnen. Sie richtet sich von selbst“, lässt der ÖVP-Politiker seinen Partei-„Freund“ Ruck wissen. „Wir halten es in Oberösterreich lieber mit Ergebnissen als mit Entgleisungen. Unsere Spitzenposition bei Exporten, unsere Innovationskraft und die Entwicklung am Arbeitsmarkt sprechen für sich. Alles Weitere bedarf keiner Kommentierung.“ Und auch Oberösterreichs Industrie fand klare Worte: „Es ist zum Fremdschämen. Es ist respektlos und geschmacklos“, so IV-Geschäftsführer Joachim Haindl-Grutsch. Einzig WKOÖ-Chefin Doris Hummer gab auf Anfrage keinen Kommentar ab.

Zu seinen Oberösterreich-Aussagen ließ Ruck ebenfalls ausrichten, er könne diese nicht bestätigen. Ein Gesprächsteilnehmer bestätigt jedoch sowohl das Treffen als auch die im Protokoll festgehaltenen Aussagen Rucks. Scheint so, als hätte sich der machtbewusste Wiener Kammer-Boss mehr als einmal im Ton vergriffen. In der Industrie dreht man dennoch am Rad.

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In diesem Zusammenhang ist das, ich würde fast sagen, respektlos.

Christoph Neumayer

Auch Industrielle schießen scharf zurück
„Wenn die Aussagen stimmen, muss ich sagen, dass insbesondere die Aussagen, die gegenüber der Industrie getätigt wurden – und es geht ja hier um Mitglieder der Wirtschaftskammer, es geht um Funktionäre der Wirtschaftskammer -, wir diese Aussagen schon als sehr erstaunlich, wenn nicht befremdlich empfunden haben. Insbesondere, weil das Aussagen sind, die getätigt werden gegenüber Wirtschaftskammermitgliedern. Und Sie wissen, dass die Industrie für einen erklecklichen Teil der Finanzierung der Wirtschaftskammer sorgt, auch der Wirtschaftskammer Wien. In diesem Zusammenhang ist das, ich würde fast sagen, respektlos“, erklärte Christoph Neumayer, Generalsekretär der Industriellen Vereinigung. 

Auf die Frage, ob Ruck zurücktreten sollte, meinte Neumayer: „Ich denke, das sind immer Entscheidungen, die muss eine Person selbst treffen. Die müssen natürlich auch die Gremien – und das betrifft in diesem Fall den Wirtschaftsbund Wien, aber auch die Wirtschaftskammer Wien – treffen. Was ich sagen kann, ist, dass das Vertrauen naturgemäß zutiefst erschüttert ist. Wie dieses Vertrauen wiederhergestellt werden kann, ist fraglich.“

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