Seit einem Monat ist im berüchtigten Wiener Jedmayer-Grätzel die neue Schutzzone in Kraft, und am Westbahnhof gilt ein striktes Alkoholverbot. Doch haben die Maßnahmen auch gehalten, was sie versprochen haben? Die „Krone“ hörte sich vor Ort um.
Genau vor einem Monat zog die Stadt die Reißleine: Alkoholverbot am Westbahnhof, Schutzzone rund um den Fritz-Imhoff-Park. Die Botschaft war klar: weniger Trinkgelage, weniger Drogenhandel, mehr Sicherheit. Doch wie fällt die Bilanz nach den ersten vier Wochen aus?
Schon in den ersten Tagen nach Inkrafttreten der Maßnahmen war die Polizei mit einem Großaufgebot vor Ort. Beamte kontrollierten regelmäßig, sprachen Anzeigen aus und nahmen mutmaßliche Dealer fest. Wer trotz Verbots zur Bierdose griff, musste mit Konsequenzen rechnen.
Beim „Krone“-Lokalaugenschein ist es an diesem Freitagnachmittag erstaunlich ruhig. Verstöße gegen das Alkoholverbot gibt es rund um den hoch frequentierten Bahnhof an diesem Tag keine. Ortswechsel in das Jedmayer-Grätzel.
Polizei Wien spricht von „ersten sichtbaren Effekten“
Der Fritz-Imhoff-Park im 6. Bezirk ist menschenleer. Was womöglich auch an dem regnerischen Wetter liegt. Die Anrainer Elisabeth W. (78) und Peter W. (74) haben gerade ihre Wochenendeinkäufe erledigt. Sie zeigen sich erleichtert: „Es ist schon viel ruhiger geworden, vor allem nachts. Die Probleme hier in den Griff zu bekommen, ist aber schwer.“ Laut den Rentnern wäre der Lärm zuletzt schon sehr schlimm gewesen. „Wenn ich den Müll hinausbringe, habe ich allerdings immer noch Angst“, gibt die 78-Jährige zu.
Eine erste positive Bilanz zieht man indes bereits in der Bezirksvorstehung Mariahilf. Es werde allerdings noch dauern, bis die Schutzzone ihre volle Wirkung entfalte und eine seriöse Bilanz gezogen werden kann, so Bezirkschefin Julia Lessacher (SPÖ) zur „Krone“. Das Alkoholverbot am Westbahnhof habe für den Christian-Broda-Platz indes eine spürbare Verbesserung der Situation hervorgebracht.
Die Rückmeldungen der Anrainer zeigen, dass die Ruhestörungen und der Suchtgifthandel im Fritz-Imhoff-Park deutlich zurückgegangen sind.

Mariahilfs Bezirkvorsteherin Julia Lessacher (SPÖ)
Bild: Martin A. Jöchl
Bis zum 31. Mai 2025 gab es in der neuen Schutzzone laut Polizei Wien 150 verwaltungsrechtliche Anzeigen. „Insgesamt ist festzuhalten, dass die Maßnahmen erste sichtbare Effekte zeigen und der Polizei zusätzliche Handlungsmöglichkeiten verschaffen. Für eine belastbare Bewertung ihres Erfolgs wird jedoch eine längerfristige Evaluierung erforderlich sein“, so die Landespolizeidirektion Wien.
Doch die positive Bilanz hat jetzt eine Kehrseite. Denn während sich die Situation rund um die U6-Station Gumpendorfer Straße offenbar entschärft hat, tritt nun ein Effekt ein, vor dem Kritiker von Beginn an gewarnt hatten: die Verdrängung der Szene in angrenzende Bezirke, etwa in Neubau. Das würden Rückmeldungen aus der Bevölkerung zeigen, so Neubaus Bezirkschef Markus Reiter (Grüne). „Anrainer berichten nicht nur von Alkohol- und Drogenmissbrauch im öffentlichen Raum, sondern auch in Hauseingängen, Stiegenhäusern und Durchgängen. Besonders besorgniserregend ist die Situation im Umfeld eines Kindergartens. Hier braucht es rasch wirksame Maßnahmen der zuständigen Stellen, um Kinder und Familien zu schützen“, sorgt sich Reiter.
Neuer Drogenhotspot in Margareten
Auch aus Rudolfsheim-Fünfhaus wird jetzt Ähnliches berichtet. In Margareten hat sich die Gegend rund um ein Hochhaus am Matzleinsdorfer Platz zu einem neuen Drogenhotspot entwickelt. Erste Rufe nach mehr Polizei werden laut. „In Margareten zeigen sich diese Herausforderungen unter anderem entlang des Gürtels, rund um den Matzleinsdorfer Platz sowie im Bereich einzelner U-Strab-Stationen. Dort kommt es immer wieder zu großstadttypischen Problemen im Zusammenhang mit Drogenhandel und Drogenkonsum sowie zu damit einhergehender Verunsicherung bei Anwohnern“, so Margaretens Bezirksvorsteher Michael Luxenberger (Grüne).
Zurück in das Jedmayer-Grätzel. Zum Schluss herrscht bei Herrn und Frau W. dann noch so etwas wie Zweckoptimismus: „Wir wohnen schon seit über 50 Jahren hier, aber so schlimm wie in den letzten Monaten war es noch nie. Es kann jetzt also nur noch besser werden.
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