Ein halbes Jahr nach der Festnahme des abgesetzten venezolanischen Staatschefs Nicolás Maduro hat ein Gericht den Prozessbeginn festgelegt. Der Termin wird am 1. Juni 2027 sein. Dem 63-Jährigen droht eine lebenslange Haftstrafe wegen „Drogenterrorismus“.
Die Staatsanwaltschaft wirft Maduro und seiner 69 Jahre alten Ehefrau Cilia Flores vor, sich an der Spitze Venezuelas mit Drogenkartellen verbündet und tonnenweise Kokain in die USA geschmuggelt zu haben. Er soll im Gegenzug persönliche Vorteile daraus gezogen haben. Maduro hatte Venezuela an der Spitze einer sozialistischen Regierung jahrelang autoritär geführt.
Bei einer Anhörung vor Gericht Anfang Jänner hatten Maduro und seine Ehefrau auf nicht schuldig plädiert. Sie warfen den USA vor, sie entführt zu haben. Die beiden sind seit der Festnahme in einem Gefängnis in New York untergebracht. US-Spezialkräfte hatten den ehemaligen venezolanischen Staatschef und seine Ehefrau im Jänner bei einem Militäreinsatz in Caracas gefasst und in die Vereinigten Staaten gebracht.
Sowohl das Weiße Haus als auch zahlreiche andere Staaten sahen Maduro spätestens seit der umstrittenen Präsidentschaftswahl im Juli 2024 nicht mehr als rechtmäßigen Staatschef Venezuelas an. Bereits Monate vor dem US-Militäreinsatz in Caracas hatte das US-Militär mehrfach Boote in der Karibik und im Pazifik angegriffen, die angeblich mit Drogen beladen waren.
Zivilprozess droht ebenfalls
Neben dem Strafverfahren droht Maduro noch ein Zivilprozess. Die Familien von fünf jungen Männern, die in Venezuela hingerichtet worden waren, reichten Anfang Juni Klage ein. Sie werfen ihm vor, willkürlich staatliche Gewalt ausgeübt zu haben.
In einer früheren Verhandlung ging es um die Frage, wer die Verteidigungskosten des Ehepaars trägt. Während die Anwältinnen und Anwälte Maduros venezolanische Staatsgelder einsetzen wollten, war die Staatsanwaltschaft dagegen. Das Gericht ließ die Entscheidung zunächst offen. Dem früheren Politiker droht eine lebenslange Haftstrafe. Nach Maduros Festnahme wurde dessen Stellvertreterin Delcy Rodríguez vom Obersten Gericht Venezuelas zur Übergangspräsidentin ernannt. Sie arbeitet mit den USA zusammen und hat dem Weißen Haus beispielsweise die Kontrolle über die Ölexporte ihres Landes ermöglicht.


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