Strenge Sicherheitsmaßnahmen sollen die massiv verschärfte Lage am Gumpendorfer Gürtel und im Jedmayer-Grätzel in Wien jetzt endlich wieder beruhigen. Aber kann das wirklich gelingen? Und: Ein erster Bezirk zittert bereits vor dem Verdrängungseffekt.
Mit der dritten Alkoholverbotszone Wiens am Westbahnhof soll die Situation am Brennpunkt der U6-Achse schon bald deutlich entschärft werden. „Diese Kombination von Alkoholismus und Aggression ist etwas, was wir nicht zulassen wollen“, erklärte dazu Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ). Bereits mit 8. Mai werden beide Verordnungen in Kraft gesetzt – wir berichteten. Ganz in der Nähe, im Fritz-Imhoff-Park, direkt im Jedmayer-Grätzel, entsteht aber auch eine Schutzzone. Sie gilt im Radius von 150 Metern rund um den Drogenhotspot in Mariahilf.
Der Nutzen des öffentlichen Raums für Drogenkonsum und der Handel mit Suchtmitteln soll damit spürbar eingeschränkt werden, betonte der Stadtchef. Mit 8. Mai werden beide Verordnungen in Kraft gesetzt – wir berichteten. Das heißt: Die Polizei bekommt dort mehr Handhabe. Auffällige Personen können aus dieser Zone dann leichter weggewiesen werden. Es kann auch ein Betretungsverbot verhängt werden. Kontrollen können in dem Park mit Spielplatz nicht nur anlassbezogen stattfinden.
„Kein Herumlungern in der Gegend mehr“
„Die Situation ist nicht nur für das Straßenbild unerfreulich, sondern auch gefährlich“, sagt Landespolizeipräsident Gerhard Pürstl. „Es soll dort kein Herumlungern in der Gegend mehr geben“, wünscht sich Wiens oberster Polizist. Auch am Karlsplatz sei es 2013 gelungen, die hartnäckige Drogenszene zu zerschlagen. Diese Taktik soll hier nun fortgesetzt werden. Nicht zu verwechseln ist die Schutzzone übrigens mit den Waffenverbotszonen, wie sie für den Bereich Yppenplatz in Ottakring und für den Praterstern in Leopoldstadt sowie Reumannplatz samt Keplerplatz in Favoriten gelten (siehe Grafik).
Ob sich die Situation verbessert, werden die nächsten Wochen und Monate zeigen. Die angekündigte Anrainerversammlung in dem Grätzel, mit der Polizei sowie der Sucht- und Drogenkoordination, soll es übrigens „noch vor dem Sommer“ geben, verspricht Mariahilfs Bezirkvorsteherin Julia Lessacher (SPÖ) im Gespräch mit der „Krone“. Unterdessen kommen aus einem Nachbarbezirk bereits jetzt Befürchtungen vor einem Verdrängungseffekt.
„Belastung der Bevölkerung kann sogar noch steigen“
„Es ist zu befürchten, dass die angekündigten Verbotszonen zu einer Verdrängung von Suchtkranken und Drogenhandel in das dicht besiedelte Gebiet der Bezirke Mariahilf, Neubau und Rudolfsheim-Fünfhaus führen. Es ist nicht ersichtlich, wie eine solche Verlagerung verhindert werden soll. Wir warnen davor, dass die Belastung der umliegenden Bevölkerung durch diese Maßnahmen sogar noch steigen kann“, so Grünen Wien-Chefin Judith Pühringer, und Neubaus-Bezirksvorsteher Markus Reiter (Grüne).
Besonders kritisch sei die Ankündigung vor dem Hintergrund neuer Wohn- und Lebensräume in unmittelbarer Umgebung. So ist zum Beispiel gegenüber vom Westbahnhof der neue Stadtteil „Sophie7“ mit Kindergarten, 220 neuen Wohnungen – darunter viele Familien mit Kindern – sowie einem öffentlich zugänglichen Park entstanden.
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