„Pakistanische Mafia“

Mord an Erntehelfern erschüttert Italien

Ausland
03.06.2026 09:52
Porträt von krone.at
Von krone.at

Der grausame Mord an vier ausländischen Erntehelfern erschüttert Italien. Zwei pakistanische Staatsangehörige sind am Dienstag wegen des Verdachts festgenommen worden, die vier Feldarbeiter in der süditalienischen Region Kalabrien in einem Kleinbus eingeschlossen und anschließend bei lebendigem Leib verbrannt zu haben. Ein Mann überlebte. Seine Aussagen haben nun eine hitzige Debatte über sklavenähnliche Arbeitsverhältnisse in der Agrarbranche ausgelöst. Eine „große pakistanische Mafia“ soll hinter all dem stecken.

Bei den Opfern handelt es sich angeblich um drei Afghanen und um einen Pakistaner. Die beiden festgenommenen Tatverdächtigen hätten Geld für den Transport zu den Feldern verlangt, das die späteren Opfer nicht zahlen wollten. Daraufhin hätten die Männer zunächst Benzin in das Fahrzeug geschüttet und anschließend einen brennenden Gegenstand hineingeworfen. Die vier Migranten seien dadurch im Fahrzeug verbrannt, berichtete der einzige Überlebende.

Überlebender: „Unterkunft und Essen, aber kein Geld“
Der Überlebende berichtete zudem, dass seine Freunde die beiden Pakistaner mehrfach aufgefordert hätten, ihnen den Lohn für ihre Arbeit auf den Erdbeerfeldern zwischen Kalabrien und der Basilikata auszuzahlen. Geld hätten sie jedoch nie erhalten. „Sie gaben uns zu essen und eine Unterkunft, aber kein Geld“, sagte der junge Mann. Der Überlebende sprach außerdem von einer „großen pakistanischen Mafia“ im Bereich der Feldarbeit. Die beiden festgenommenen Verdächtigen hätten ihn und seine Freunde mit Messern und Pistolen bedroht, um sie zur Arbeit zu zwingen, sagte er.

Bischof: „Sie sterben wie Körper ohne Gesicht“
Der Bischof von Cassano allo Ionio in Kalabrien, Francesco Savino, verurteilte die Ausbeutung von Ausländern auf den süditalienischen Feldern. „Schluss mit der verhängnisvollen Gewohnheit, es als normal anzusehen, dass Menschen, die von weit her gekommen sind, ernten, arbeiten, hier leben und sterben wie Körper ohne Geschichte“, so der Bischof. Von einem „unsagbaren Horror“ sprachen auch die Gewerkschaften. Der stärkste italienische Gewerkschaftsverband CGIL forderte die Politik zu entschlosseneren Maßnahmen auf, „um den menschenunwürdigen Alltag zu bekämpfen, den viele Arbeiter, oft Migranten, auf unseren Feldern erleben“.

Aufnahmen von der Tankstelle und dem ausgebrannten Wrack:

Schätzungen der größten italienischen Gewerkschaft CGIL zufolge haben bis zu 230.000 Menschen keinen Arbeitsvertrag – mehr als ein Viertel der landwirtschaftlichen Saisonarbeiter des Landes. Immer wieder hat die Regierung in Rom unter verschiedenen Ministerpräsidenten versucht, die Missstände zu bekämpfen – ohne Erfolg. Vor allem in Süditalien ist die Lage schwierig. Hier floriert der „Caporalato“, eine illegale Form der Anwerbung von hauptsächlich ausländischen Arbeitskräften durch Vermittler. Die Angeworbenen bekommen ein Flugticket und eine Arbeitserlaubnis für eine Saison, die sie teuer bezahlen müssen. Auch für ihre Unterkünfte müssen sie mit ihrem Hungerlohn aufkommen.

Strenge Gesetze, aber lasche Kontrollen
Viele Ausländer, die in der süditalienischen Landwirtschaft arbeiten, wohnen in Hütten ohne Strom und Wasser. Hinter der Ausnutzung der Tagelöhner stecke meistens die Mafia, die sich an dem Menschenhandel bereichere, so Branchenkenner. Dabei wurde in Italien 2016 gesetzlich geregelt, dass bis zu sechs Jahre Haft für die Ausbeutung von Schwarzarbeitern auf den Feldern drohen. Neben den Haftstrafen sind auch Geldstrafen zwischen 500 und 1000 Euro pro Schwarzarbeiter vorgesehen. Dieser Betrag steigt auf 2000 Euro wenn der Arbeitnehmer Gewalt erlitten hat oder bedroht wurde. Auch Entschädigungen sind für die Opfer vorgesehen. Arbeitnehmerorganisationen fordern nun strengere und intensivere Kontrollen in den einzelnen Betrieben.

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