Für Aufschwung

Industrie fordert eine „Superabschreibung“

Wirtschaft
21.07.2026 17:00

Die österreichischen Industriebetriebe sehen erste Anzeichen einer Stabilisierung der Konjunktur. Der Aufschwung der Branche sei aber noch sehr fragil. Daher brauche es dringend „mehr industrie- und wirtschaftspolitische Impulse“, betont IV-Generalsekretär Christoph Neumayer. Man fordert konkret eine „Superabschreibung“.

Die jüngste Präsentation der Konjunkturprognose der Industriellenvereinigung (IV) brachte ein Novum: Erstmals kam in den Prognosen von Generalsekretär Christoph Neumayer und Chef-Ökonom Christian Helmenstein das Wort „Krise“ praktisch nicht mehr vor. Das war in den vergangenen Jahren deutlich anders.

Dennoch ist die Branche nach wie vor nicht ganz über dem Berg. Doch immerhin mehren sich die Anzeichen einer Stabilisierung. „Die Konjunkturumfrage zeigt eine vorsichtige, verwundbare Erholung“, betont IV-Generalsekretär Christoph Neumayer. Positiv sei beispielsweise zu bewerten, dass die Auftragsbestände der Industrie nicht weiter zurückgehen. „Das Risiko, dass österreichische Standorte in besonderer Weise von Schließungsrisiken betroffen sein könnten, ist dadurch in den letzten Monaten gesunken“, erklärt IV-Chefökonom Christian Helmenstein. Auch bei den Auslandsaufträgen erwartet die IV derzeit keinen weiteren Einbruch.

Zitat Icon

Die Konjunkturumfrage zeigt eine vorsichtige, verwundbare Erholung

IV-Generalsekretär Christoph Neumayer

Nur jeder zwölfte Betrieb plant Personal aufzustocken
Sorgen bereitet hingegen der Arbeitsmarkt. So hat sich die Beschäftigungserwartung weiter verschlechtert. Nur noch jedes zwölfte Unternehmen plant aktuell Personal aufzubauen. Gleichzeitig würden auch die Arbeitslosenzahlen bei Akademikern laut AMS steigen. Das deute auf eine strukturelle Veränderung – etwa durch künstliche Intelligenz – hin.

„Müssen selbst Aufschwung initiieren“
Auch wenn es im Schnitt leicht nach oben geht – eine spürbare Verbesserung der Situation sei erst bei einer Entspannung der geopolitischen Lage (Nahostkonflikt usw.) zu erwarten. Darauf könne Österreich aber nicht warten, betonen die Industrievertreter. „Wir können nicht auf einen exportgetragenen Aufschwung warten, sondern müssen einen österreichischen und europäischen investitionsgetragenen Aufschwung initiieren“, forderte Helmenstein. Dafür brauche es mehr Investitionen und einen ganz „erheblichen Bürokratieabbau“.

„Superabschreibung“ für Unternehmen gefordert
Neumayer spricht sich unter anderem für bessere Rahmenbedingungen für die (weltweit boomende) Sicherheits- und Verteidigungsindustrie aus. Österreichs Unternehmen können von den steigenden Ausgaben in diesem Bereich profitieren, würden jedoch durch regulatorische Hürden gebremst, heißt es.

Außerdem bräuchte es dringend Investitionsanreize, beispielsweise eine „Superabschreibung“. Diese soll Unternehmen erlauben, bei Investitionen teilweise mehr absetzen zu dürfen, als sie tatsächlich ausgegeben haben. Vorbild sei hier Italien, wo dieses System erfolgreich funktioniert hat. „Das wäre ein starkes, unmittelbares Signal“, betont Neumayer.

Darüber hinaus sei aber auch eine rasche Umsetzung der Industriestrategie, eine Reform der Rot-Weiß-Rot-Karte, der Ausbau des Star-up-Scale-up-Fonds sowie weiterer EU-Handels- und Investitionsschutzabkommen notwendig. Österreich verfügt über eine starke industrielle Basis, Forschungsstärke und gut ausgebildete Fachkräfte. Diese stehen aber massiv unter Druck. „Wir brauchen jetzt Maßnahmen, die gleichzeitig helfen, die Konjunktur zu stabilisieren und aus einer Erholung wieder einen echten Aufschwung zu machen“, so Neumayer.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Hinweis in eigener Sache: Das krone.at-Forum präsentiert sich ab sofort in neuem Design! Wir freuen uns über konstruktives Feedback. Damit die Diskussionen in den Kommentarbereichen beim jeweiligen Thema bleiben, können Sie uns Rückmeldungen hier hinterlassen.

krone.tv

Top 3
Top Gutscheine
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung