Die belarussische Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja ist am Montag in die Ukraine gereist. Ihr Besuch sei ein Zeichen der Solidarität „in unserem gemeinsamen Kampf für Freiheit und Würde“, schrieb ihr Berater Dzianis Kuchynski. Tichanowskaja ist zum ersten Mal in der Ukraine.
Die Politikerin war 2020 bei der Präsidentschaftswahl in Belarus angetreten. Nach dem Urnengang, der von massiven Betrugsvorwürfen überschattet wurde, wurde der autoritär regierende Staatschef Alexander Lukaschenko zum Sieger erklärt. Es kam zu Massenprotesten. Zahlreiche Oppositionelle gingen ins Exil, darunter auch Tichanowskaja.
In der Ukraine besuchte Tichanowskaja zuerst das Grab der Belarussin Maria Saizewa, die sich an den Massenprotesten in ihrem Heimatland und als Freiwillige am Abwehrkampf gegen die russische Armee in der Ukraine beteiligt hatte. „Maria ist ein Symbol einer neuen Generation von Belarussen“, schrieb Tichanowskaja. Es handle sich um Menschen, „die verstehen, dass die Freiheit von Belarus und die Freiheit der Ukraine untrennbar miteinander verbunden sind“.
Hier sehen Sie Fotos von Tichanowskaja in der Ukraine:
Treffen mit Außenminister
Die Oppositionspolitikerin traf sich auch mit dem ukrainischen Außenminister Andrij Sybiha in Kiew. Es dürfe keine Illusionen geben, dass man Belarus durch Zugeständnisse aus dem russischen Einflussbereich lösen könne, sagte dieser aber. Die Nachrichtenagentur Bloomberg hatte zuvor berichtet, die USA hätten die Ukraine um die Wiederzulassung der Kali-Dünger-Importe gebeten, weil damit eine Ablösung von Belarus von Russland unterstützt werden könnte. Sybiha stellte jedoch klar, dass die Ukraine zwischen dem Volk und dem Regime unterscheide. Beiden Seiten vereinbarten, die Zusammenarbeit in Bereichen wie Informationspolitik und humanitären Projekten auszubauen.
Das russische Militär hatte zu Beginn des Kriegs im Februar 2022 das belarussische Territorium als einen seiner Ausgangspunkte für die Invasion in der Ukraine genutzt. Wenige Tage vor Tichanowskajas Besuch in Kiew hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj gewarnt, dass die russische Armee eine neue Offensive von belarussischem Staatsgebiet aus vorbereite. Selenskyj ordnete deshalb am Donnerstag die Entsendung zusätzlicher Kräfte an die Grenze zu Belarus an.
Am Sonntag warnte der französische Präsident Emmanuel Macron den belarussischen Machthaber Lukaschenko in einem Telefonat vor den Folgen einer weiteren Beteiligung. Lukaschenko hatte Selenskyj zuvor ein Treffen angeboten, Kiew lehnte jedoch ab.
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