Viele Theorien Unfug

Was das Hantavirus von Corona unterscheidet

Wissen
13.05.2026 11:26
Porträt von krone.at
Von krone.at

Der tödliche Ausbruch des Hantavirus auf einem Kreuzfahrtschiff hat weltweit für Besorgnis gesorgt: Auch wenn die Bilder von Helfern in Schutzanzügen und Atemmasken viele an die Corona-Pandemie erinnert, unterscheiden sich die beiden Erreger dennoch, was Übertragbarkeit und Risiko betrifft. 

In sozialen Netzwerken wird behauptet, das Hantavirus „könnte eine Pandemie auslösen, die viel tödlicher ist als Covid“. Fachleute teilen diese Sorge nicht. Das Virus sei nicht mit dem Covid-Erreger Sars-CoV-2 oder mit Influenza vergleichbar, erklärt Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg.

Übertragbarkeit ist geringer bei Hantavirus
Zwar gelten bestimmte Hantavirus-Erkrankungen als vergleichsweise schwer und potenziell lebensbedrohlich, doch eine hohe Sterblichkeit allein führt nicht zu einer Pandemie. Entscheidend ist, wie leicht sich ein Erreger verbreitet – und die Übertragbarkeit ist hier wesentlich geringer als bei Sars-CoV-2. Das auf dem Kreuzfahrtschiff zirkulierende Andesvirus ist nach Angaben der europäischen Gesundheitsbehörde ECDC der einzige bekannte Vertreter der Hantaviren, der überhaupt zwischen Menschen übertragbar ist.

Die Erklärgrafik stellt die Übertragung des Hantavirus dar. Das Virus wird meist durch Kontakt mit Ausscheidungen von infizierten Nagetieren auf den Menschen übertragen. Eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung ist selten. Symptome sind zunächst grippeähnlich, anschließend oft schwere Atemwegserkrankung. Die Sterblichkeit liegt zwischen 25 und 40 Prozent der Fälle. Quelle: APA/Ages.

Keine asymptomatischen Infektionen
Doch anders als beim Coronavirus gebe es keine schnelle und breite Weitergabe durch viele asymptomatisch Infizierte, betont der Virologe Schmidt-Chanasit. Die ECDC stuft das Risiko für die allgemeine Bevölkerung deshalb als „sehr gering“ ein. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt Entwarnung.

Andesvirus-Infektionen von Mensch zu Mensch sind laut ECDC „selten und erfordern meist längeren engen Kontakt, oft in geschlossenen Räumen“. Das bedeutet auch: Selbst, wenn mehrere Fälle auftreten, entsteht daraus keine Dynamik wie bei Covid-19.

Der tödliche Ausbruch des Hantavirus auf dem Kreuzfahrtschiff hat auf der ganzen Welt für viel ...
Der tödliche Ausbruch des Hantavirus auf dem Kreuzfahrtschiff hat auf der ganzen Welt für viel Aufsehen gesorgt.(Bild: EPA/RAMON DE LA ROCHA)

Ausbruch von Hantavirus leichter kontrollierbar
Darauf deutet auch der sogenannte R-Wert hin – also die durchschnittliche Anzahl der Menschen, die ein Infizierter ansteckt. Eine Studie im renommierten „New England Journal of Medicine“ zu einem Hantavirus-Ausbruch in Argentinien Ende 2018 zeigt, dass der damalige – ohnehin niedrige – Wert nach einfachen Isolationsmaßnahmen schnell sank. Der Ausbruch mit insgesamt 34 bestätigten Infektionen wurde schnell eingedämmt. Auch Schmidt-Chanasit betont, man habe „bisher jeden Andesvirus-Ausbruch unter Kontrolle gebracht“.

Die Corona-Pandemie zeigte dagegen eine völlig andere Dynamik: In Deutschland registrierte das Robert Koch-Institut (RKI) allein in den Jahren 2020 bis 2022 mehr als 37 Millionen bestätigte Sars-CoV-2-Infektionen.

Die Karte zeigt nachgewiesene Hantavirus-Infektionen in Europa im Jahr 2023. Finnland hat mit 806 Fällen die höchste Zahl, gefolgt von Deutschland mit 335 und Schweden mit 157 Fällen. In Österreich wurden 97 Fälle gemeldet. Die Infektion erfolgt meist durch Kontakt mit infizierten Nagetieren oder deren Ausscheidungen. Quelle: ECDC.

Ist das Hantavirus eine Nebenwirkung der Covid-Impfung?
In sozialen Netzwerken kursieren Behauptungen, es gebe einen Zusammenhang der Andesvirus-Fälle mit der Covid-Impfung von Pfizer und Biontech. Diese könne angeblich Hantavirus-Lungeninfektionen auslösen oder enthalte sogar den Erreger selbst, wird behauptet.

Als vermeintlicher Hinweis wird ein Dokument angeführt, das Pfizer 2021 im Zulassungsverfahren bei der US-Arzneimittelbehörde FDA eingereicht hatte. Darin taucht auf einer langen Liste der Begriff „Hantavirus pulmonary infection“ auf, also Hantavirus-Lungeninfektion.

Pfizer erklärte, in der Liste seien lediglich medizinische Ereignisse gesammelt worden, die nach einer Impfung gemeldet worden waren – völlig unabhängig davon, ob sie mit der Impfung in Verbindung standen. Zudem enthält der Impfstoff nach Herstellerangaben keine Hantaviren.

Wieso kursieren wieder Verschwörungserzählungen?
Josef Holnburger findet die Vergleiche mit der Corona-Pandemie nicht überraschend. Der Geschäftsführer des Centers für Monitoring, Analyse und Strategie (Cemas), das Radikalisierung und Verschwörungserzählungen im Internet untersucht, verweist auf die Sorge von Menschen, dass so etwas erneut passieren könnte.

Im Netz verbreiten sich auch Verschwörungserzählungen. Manche Nutzer vermuten hinter dem Hantavirus einen angeblich geheimen Plan. Ähnliche Muster habe es während der Corona-Pandemie gegeben, erklärt Holnburger. Auch damals glaubten manche Menschen, hinter der Entwicklung stünden verborgene Gruppen mit Einfluss auf Medien und Öffentlichkeit, die gezielt Schaden anrichten wollten.

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