Mythos widerlegt

Geburt nicht nur beim Menschen schwierig

Wissen
12.05.2026 19:04
Porträt von krone.at
Von krone.at

Die menschliche Geburt ist „einzigartig schwierig“ und auch gefährlich – so lautet eine weitverbreitete Annahme. Eine neue Studie der Universität Wien kam jetzt allerdings zu dem Schluss, dass viele andere Säugetiere mit ähnlichen Komplikationen und Sterblichkeitsraten zu kämpfen haben.

So sei etwa die Sterblichkeitsrate von Nordamerikanischen Gabelböcken oder Nördlichen Seebären mit jener in menschlichen Gemeinschaften ohne medizinische Eingriffe vergleichbar, heißt es in der Studie der Evolutionsbiologin Nicole Grunstra. Beispiele für solche menschlichen Gemeinschaften sind etwa die Jäger-Sammler-Gruppen der Agta auf den Philippinen oder der Hadza in Tansania.

Bei den weiblichen Tüpfelhyänen komme es nicht selten vor, dass sie während einer langen und schwierigen Geburt an Sauerstoffmangel verenden. „Das liegt an einer einzigartigen Kombination von Merkmalen: Weibchen haben eine lange, einem Penis ähnliche Klitoris, die für die Festlegung von Dominanzhierarchien wichtig ist, doch sie müssen ihren Nachwuchs auch über diese Klitoris zur Welt bringen“, sagte die Grunstra von der Universität Wien. Kühe, Pferde und Hirsche müssen ihre Jungen mit Kopf und Vordergliedmaßen gleichzeitig durch ein relativ unflexibles Becken zur Welt bringen – und stehen somit auch vor eigenen Herausforderungen.

Größere Jungtiere haben bessere Überlebenschancen
Größere Jungtiere hätten nach der Geburt bessere Überlebenschancen, seien aber schwieriger zur Welt zu bringen, sagte die Forscherin zu der Frage, warum die Evolution solche tödlichen Komplikationen nicht aussortiere. Eine gängige Erklärung für die Schwierigkeiten beim Menschen ist das sogenannte obstetrische Dilemma. Das bedeutet, dass aufrechter Gang und großes Gehirn zu einem engen Verhältnis zwischen der Größe des Nachwuchses und des mütterlichen Beckens führen.

„Eine menschliche Geburt ist weder einfach noch risikofrei, doch offenbar birgt die Geburt bei plazentalen Säugetieren ein ständiges Risiko für Komplikationen und Todesfälle“, sagte die Evolutionsbiologin zu den Ergebnissen. Sie hatte mehr als 150 Artikel zu den Geburtsverläufen und den damit verbundenen Sterblichkeitsstatistiken von Säugetieren ausgewertet

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Eine menschliche Geburt ist weder einfach noch risikofrei, doch offenbar birgt die Geburt bei plazentalen Säugetieren ein ständiges Risiko für Komplikationen.

Evolutionsbiologin Nicole Grunstra

„Zunächst wollte ich mir einen Überblick darüber verschaffen, bei welchen Säugetierarten bekanntermaßen Geburtskomplikationen auftreten. Anschließend habe ich die quantitativen Daten zur Häufigkeit von Geburtskomplikationen und geburtsbedingter Sterblichkeit beim Menschen und anderen Säugetieren aus den Quellen extrahiert“, führte die Wissenschaftlerin aus. Die Analyse umfasste sowohl domestizierte als auch unter natürlichen Bedingungen lebende Tiere. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal „Biological Reviews“ veröffentlicht.

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