Falsche „Bankmitarbeiter“, Phishing, digitaler Anlagebetrug, dubiose „Finanzsanierer“ – Fallen, die Betrüger im Internet stellen, kosten Konsumenten viel Geld. Die Arbeiterkammer fordert daher „strengere Regeln, mehr Verantwortung der Banken und eine bessere Zusammenarbeit der Behörden“ gegen Gefahren im Netz.
„Abzocke und Betrug werden immer schwerer zu erkennen“, sagte Gabriele Zgubic, Leiterin der AK-Wien-Konsumentenpolitik, am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Wien. Die Opfer blieben oft „über“, etwa wenn bei Online-Bankingbetrug die Verantwortung auf sie „abgeschoben“ werde.
Die digitale Finanzwelt ist zwar praktisch, aber die Stolperfallen sind zahlreich. Fast jede fünfte Person, besonders Jüngere, hatte laut AK-Daten bereits Probleme mit Online-Überweisungen, hochgerechnet rund 1,4 Millionen Betroffene in Österreich. Häufige Pannen seien Fehlüberweisungen, Betrug und Phishing. Drei Viertel verloren bis zu 600 Euro, 22 Prozent bekamen keinen Cent zurück.
„Treuhandkonto“ war Falle
Eine Phishing-Attacke kostete Kunden, die sich an die AK-Konsumentenberatung wandten, sogar Tausende Euro. Die Masche ist bekannt und immer noch erfolgreich: Auf einen vertrauenswürdig wirkenden Anruf eines vorgeblichen „Bankmitarbeiters“ hin transferierte der Kunde sein „bedrohtes“ Geld auf ein „Treuhandkonto“ – eine Falle. Die Bank ersetzte später ein Drittel des Schadens, der Rest war weg.
Die Haftung in solchen Fällen ist gesetzlich geregelt. „Oft verweigert aber die Bank mit dem Hinweis, der Kunde oder die Kundin hätten grob fahrlässig gehandelt“, schilderte Zgubic. Die AK fordert, dass die Geldinstitute bei Phishing „stärker in die Verantwortung genommen werden“. Sie sollten bei Online-Bankingbetrug das Geld unverzüglich erstatten. Der Vorwurf grob fahrlässigen Verhaltens oder der autorisierten Transaktion durch den oder die Betroffenen solle in einem gesonderten Verfahren nachgewiesen werden.
Bessere Transaktionsüberwachungssysteme gefordert
Vor allem seien strengere Vorschriften für die Transaktionsüberwachungssysteme nötig, die auffällige Abbuchungen entdeckten und verhindern sollen – was in der Praxis zu oft nicht funktioniere. „Die Banken müssen schon ihren gesetzlichen Verpflichtungen nachkommen“, forderte Zgubic.
Alle Alarmglocken sollten läuten, wenn über Social Media oder Dating-Apps Investments beworben werden. Via Facebook, TikTok, Instagram & Co. werde man in eine WhatsApp-Gruppe eingeladen – und landet oft in einem mehrschichtigen Betrugssystem, warnte AK-Fachmann Christian Prantner.
Schon seit vielen Jahren gibt es zudem Probleme mit „Finanzsanierungsunternehmen“, die mittlerweile ebenfalls digital operieren. Betroffene glauben meist, es gehe um Kreditvermittlung und zahlen Hunderte Euro. „Statt Hilfe gibt es zusätzliche Schulden“, sagte Prantner. „Wir sehen hier eine klare Abzocke und in manchen Fällen sogar Betrugsverdacht.“ Die AK fordert, dass Verträge mit dubiosen „Finanzsanierern“ künftig nichtig sein sollen. Das Regierungsprogramm sehe Maßnahmen gegen solche Praktiken vor.
Außerdem sollten Online-Plattformen betrügerische Inhalte viel schneller löschen und sogenannte Finfluencer – Finanzinfluencer – klaren Regeln unterworfen werden. Mit der EU-Kleinanlegerstrategie arbeite das EU-Parlament aktuell an strengeren Vorschriften.
Nichts unterschreiben, was man nicht versteht
Die AK-Tipps für Konsumentinnen und Konsumenten: Unterschreiben Sie nichts, was Sie nicht verstehen. Misstrauen Sie außergewöhnlich hohen Renditeversprechen. Geben Sie keine sensiblen Daten am Telefon weiter. Im Schadensfall stoppen Sie sofort weitere Überweisungen oder Abbuchungen, kontaktieren Sie Ihre Bank und die Polizei. Verweigert eine Bank bei Online-Bankingbetrug die Erstattung, wenden Sie sich an eine Konsumentenschutzeinrichtung.
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.