„Wal seine Ruhe geben“

Immer mehr Tierschützer für Tötung von „Timmy“

Ausland
26.04.2026 09:16
Porträt von krone.at
Von krone.at

Seit beinahe einem Monat steckt Buckelwal „Timmy“ im flachen Wasser vor der deutschen Ostseeinsel Poel in der Wismarbucht fest und kämpft um sein Leben. Eine private Initiative will den Buckelwal nun mit einem Lastkahn in dreieinhalb Tagen bis zur mehr als 400 Kilometer entfernten Nordsee bei Skagen bringen. Kurz vor Beginn der großen Rettungsaktion sprechen sich immer mehr Tierschützer für die Tötung des Meeressäugers aus.

Aktuell die einzig vertretbare Maßnahme sei, den Wal durch Euthanasie zu erlösen, erklärte die Whale and Dolphin Conservation. „Die Durchführung erfordert jedoch spezielle fachliche Expertise sowie Erfahrung mit der Euthanasie großer Wale und ist mit Risiken für die beteiligten Einsatzkräfte verbunden“, hieß es von der Organisation.

Gutachten: Rettungsversuch nicht Erfolg versprechend
Experten waren in einem wissenschaftlichen Gutachten schon Anfang April zu dem Ergebnis gekommen, dass ein Rettungsversuch nicht Erfolg versprechend sei und erhebliche Risiken für das Tier berge. Die Einschätzung sei schon damals gewesen, dem Wal die Ruhe zu geben, die er suche, sagte auch Greenpeace-Experte Thilo Maack. „Leider ist der aktuelle Rettungsversuch das genaue Gegenteil.“

Der Tierschutzorganisation WDC zufolge sind die wiederholten Strandungen des Buckelwals ein mögliches Zeichen für eine bewusste Handlung und für einen „grundlegend schlechten Gesundheitszustand und schwerwiegendere Faktoren, die den Wal dazu bewegen, nicht lange im tieferen Gewässer zu schwimmen“. Die Chancen für ein langfristiges Überleben des Tiers schätzt WDC auch aus diesem Grund als gering ein. Das gelte auch bei einem Transport bis zum Atlantik.

„Jedes Jahr haben 300.000 Wale und Delfine ähnlichen Leidensweg“
Im Fokus sollten immer die langfristigen Überlebenschancen stehen: Wie realistisch ist es, dass das Tier ohne langfristiges Leid und Schmerzen überlebt? Für den Wal vor Poel seien diese Chancen extrem gering. „Auch wenn der Fall dieses Buckelwals extrem traurig und tragisch ist – die Realität ist, dass jedes Jahr rund 300.000 Wale und Delfine weltweit einen ähnlich langen Leidens- beziehungsweise Sterbeweg haben, da sie sich in Fischereigeräten verstricken“, versuchen die Tierschützer den aktuellen im medialen Fokus stehenden Fall zu relativieren.

Experten übten auch scharfe Kritik an dem Trubel rund um den Buckelwal. Gut wäre ein kompetentes und erfahrenes Team an Ort und Stelle mit Tierarzt, Biologen, Bootsführer, dem die Verantwortung übertragen werde, sagte der Meeresbiologe Boris Culik, früher beim Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel. „Aktuell haben wir eine Kakofonie aus wechselnden vermeintlichen Experten, deren Befähigung und Erfahrungen niemand hinterfragt.“

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Kostenlose Spiele
Vorteilswelt