„Gut hingenommen“

Tierärztin fand keine Vene bei Wal „Timmy“

Ausland
24.04.2026 22:05
Porträt von krone.at
Von krone.at

25 Tage sind vergangen, seit sich der Buckelwal „Timmy“ in die Wismarer Bucht vor der Ostsee-Insel Poel verirrt hat. Am Freitag lag er weiterhin ruhig im Wasser. Geldgeber Walter Gunz will den Rettungsversuch trotz aller Schwierigkeiten bis zum Schluss begleiten und weiter finanzieren. Eine Untersuchung von „Timmy“ ist unterdessen gescheitert.

„Der einzige Fehler, den wir gemacht haben, war, dass wir der Mannschaft nicht angeordnet haben, sich auf den Wal zu konzentrieren, und sich nicht durch persönliche Streitigkeiten in der Öffentlichkeit ablenken zu lassen“, sagte Gunz zur deutschen „Bild“. Es sei zu wenig Zeit gewesen, sich vor der Rettungsaktion abzustimmen. Grundsätzlich müsse man bei solchen Projekten immer positiv denken, sagte Gunz weiter. „Ich hoffe, dass die Lebendbergung von Timmy am Sonntag endlich beginnt.“

Mit den Streitigkeiten dürfte Gunz die kontroversielle Diskussion um den Buckelwal und seine Rettung meinen. Die Tierärztin Jenna Wallace, die extra von Hawaii eingeflogen worden war, meinte etwa, dass chaotische Zustände im Team herrschen würden und einzelne Beteiligte keine ausreichende Kompetenz hätten. Es gebe interne Konflikte, Eigeninteressen würden teils über das Tierwohl gestellt. Beim Verwaltungsgericht in Schwerin sind bisher 19 Eilanträge eingegangen. Die eine Seite fordert das Ministerium dazu auf, Rettungsversuche einzuleiten, die andere will die sofortige Beendigung der Initiative. Doch alle wurden abgewiesen.

Immer wieder nähern sich Helferinnen und Helfer.
Immer wieder nähern sich Helferinnen und Helfer.(Bild: AFP/FRANK MOLTER)

Tierärztin Kirsten Tönnis wollte „Timmy“ am Freitag untersuchen und ihm dafür Blut abnehmen. Sie habe aber keine Vene gefunden. „Wir haben es versucht, ein paar Mal gestochen. Bei einem Pferd, das wäre sofort weg gewesen. Timmy hat es gut hingenommen“, sagte sie zur „Bild“. Der Buckelwal sei wieder mit einem Schlauch getränkt worden.

Minister will „Wal bis zum Ende begleiten“
Einige Kritikerinnen und Kritiker sprechen sich grundsätzlich gegen die Rettung aus. Der Wal solle in Würde gehen dürfen, auch wenn es schwerfalle, das mitanzusehen, sagte etwa Meeresbiologe Fabian Ritter. Immer wieder ist zu hören, dass „Timmy“ schwer krank und kaum mehr überlebensfähig sei. Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus lässt sich von diesen Einschätzungen nicht abhalten. „Wir prüfen derzeit das neue Konzept, das beinhaltet, dass der Wal in eine Barge soll und dann in die Nordsee gebracht wird. Der Wal macht einen kranken, aber sehr aufmerksamen Eindruck. Ich werde den Wal bis zum Ende begleiten“,  kündigte der Politiker am Freitagnachmittag an.

Umweltminister Till Backhaus spricht mit einem Mitglied des Rettungsteams.
Umweltminister Till Backhaus spricht mit einem Mitglied des Rettungsteams.(Bild: AFP/FRANK MOLTER)
Buckelwal „Timmy“ lag am Freitag ruhig im Wasser.
Buckelwal „Timmy“ lag am Freitag ruhig im Wasser.(Bild: AFP/FRANK MOLTER)
Ein Lastkahn soll dabei helfen, das Tier in den Atlantik zu bringen.
Ein Lastkahn soll dabei helfen, das Tier in den Atlantik zu bringen.(Bild: AFP/FRANK MOLTER)

Das ist der aktuelle Plan
Aktuell liegt das Tier in einer künstlich geschaffenen Kuhle. Das wurde nötig, weil der Wasserstand in den vergangenen Tagen gesunken ist und „Timmy“ von seinem eigenen Gewicht erdrückt zu werden drohte. Von dort soll er mit einem Netz angehoben werden, bis er in einer Rinne ist. Mit einer sogenannten Barge soll es dann in den Atlantik gehen. Dabei handelt es sich um einen etwa 15 Meter breiten, absenkbaren Lastkahn, der nicht selbstständig fährt, sondern von Schleppern gezogen wird.

„Das System ist so, dass von hinten eine Klappe von dem etwa 50 Meter langen und 30 Meter breiten System geöffnet werden kann. Und da schwimmt Timmy dann wie in ein unter Wasser geöffnetes Aquarium rein“, sagte die Tierärztin des Helferteams Tönnies. Im Unterwasseraquarium soll er dann transportiert werden.

40 Sandsäcke sollen derzeit verhindern, dass sich der Buckelwal von allein auf den Weg macht. Ohne Barriere könne es etwa passieren, dass er noch weiter in flaches Gewässer komme, sagte Taucher Fred Babbel. Das würde den Plan zunichtemachen.

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