Die Betreiber der geschlossenen Abbaustätten im Burgenland melden sich erstmals zu Wort und werfen Greenpeace „billige Polemik“ vor. Sie sehen keine akute Gefährlichkeit ihrer Produkte. Juristische Schritte könnten folgen.
Seit mehr als vier Monaten sind vier Steinbrüche im Burgenland aufgrund einer Asbestbelastung, bei der eine „Gefährdung der Gesundheit von Personen nicht ausgeschlossen“ werden kann, behördlich gesperrt. In dieser Zeit hat Greenpeace bereits mehrfach auf belastetes Material in verschiedensten Gemeinden aufmerksam gemacht. Die Steinbruch-Betreiber haben sich bisher in Schweigen gehüllt.
„Vollkommen unbedenklich“
Jetzt wehren sie sich aber als „Arge Naturgestein“ gegen die mögliche Gefahr, die von ihren Produkten ausgeht: „Faktum ist, dass in zahlreichen Hartgesteinen der natürliche Stoff Asbest in gebundener Form vorkommt und als solcher vollkommen unbedenklich ist“, heißt es per Aussendung. Asbest sei nur potenziell gefährlich als mikroskopisch kleine Faser, die eingeatmet werden kann. Das entstehe etwa beim Schleifen oder Fräsen. Das bloße Vorhandensein von Asbest – wie in den Proben von Greenpeace – sage noch nichts über die Gefährlichkeit aus, wird betont.
Untersuchungsmethode wird angezweifelt
Unterstützung erhalten die Steinbruch-Betreiber vom Wirtschafts- und Rohstoffingenieur der RWTH Aachen, Professor Martin Kirschbaum, der Greenpeace fehlende Professionalität vorwirft: Die Organisation stütze sich auf „eigene, nicht transparent geplante Probenahmen sowie Analysen in einem externen Labor.“ Das von der NGO nominierte Labor sei aber nicht ausreichend zertifiziert, um tatsächliche Referenzmessungen durchzuführen. Zudem sei die angewandte Untersuchungsmethode ungeeignet. Eine zweifelsfrei belegte Gefährdungslage sieht der Experte daher nicht gegeben, die Forderungen nach Betriebsstilllegungen und Gesteinsverboten seien somit nicht begründet.
„Schreckensmeldungen“ und „Theater“
DI Frank Eichhorn, Betriebsleiter im Steinbruch Pilgersdorf, wirft den Umweltschützern weiters vor, Schreckensmeldungen zu verbreiten: „Meine Mitarbeiter haben Angst um ihren Job und sagen mir: ,Wir atmen Luft, nicht Steine! Was soll dieses Theater?’ Sie glauben, das alles dient nur der eigenen Publicity einer NGO.“ Aus der Sicht von Frank Iszovics, zuständig für den Bernsteiner Steinbruch, steht auch die behördliche Schließung auf „tönernen Füßen“.
Mehr Lkw-Fahrten
Zudem müssten seit der Sperre die Rohstoffe per Lkw angeliefert werden. „Dabei fallen mehr als drei Millionen Lkw-Kilometer pro Jahr zusätzlich an. Ginge es Greenpeace tatsächlich um die Menschen, würden sie auch dieses Faktum berücksichtigen“, so Iszovics.
Juristische Schritte gegen Greenpeace überlegt
Die Arge will nun eigene Daten vorlegen und „die Wahrheit über geogenes Asbest kommunizieren“. Das alles soll in Abstimmung mit Experten und der Taskforce des Landes geschehen. Gegen Greenpeace will man rechtlich vorgehen: „Wir prüfen aktuell alle juristischen Wege und analysieren die Kampagne gegen unsere Betriebe“, sagt DDipl. Ing. Christoph Lainer-Findeis, Vertreter der Eigentümer (Esterhazy) des Bruchgeländes in Pilgersdorf.
„Asbest ist Asbest“
Die Umweltschützer weisen die Kritik hingegen zurück: „Asbest ist Asbest“. Die Proben würden mit der gleichen Analysemethode (VDI 3866) untersucht wie bei behördlichen Untersuchungen. Zudem würden sich die Messergebnisse mit jenen der Behörden decken. Mit den Analysen habe man das deutsche Fachlabor Biolab Umweltanalysen beauftragt, das seit Jahrzehnten anerkannt sei. Das Freisetzungspotenzial durch Steinbruchmaterial sei durch Luftmessungen belegt. Ein Inverkehrbringen von krebserregendem Material wie Asbest sei illegal, betont Greenpeace.
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