Magyar siegte klar

Götterdämmerung in Ungarn: Orbán ist Geschichte!

Außenpolitik
13.04.2026 06:04

Nach 16 Jahren an der Macht hat Ungarns Premierminister Viktor Orbán am Sonntag die Parlamentswahl deutlich verloren. Péter Magyar konnte das Volk überzeugen und holte mit seiner TISZA-Partei sogar die Zwei-Drittel-Mehrheit. Die historische Wahl können Sie im „Krone“-Liveticker nachlesen.

Die wichtigsten Meldungen in aller Kürze:

  • Nach Auszählung von 98% der Stimmen liegt Magyars TISZA bei 138 der 199 Mandate. Die seit 2010 regierende Fidesz von Orbán liegt bei 55 Sitzen, die rechtsextreme Partei Mi Hazánk bei sieben.

  • Die Wahlbeteiligung von knapp 80 Prozent ergibt einen neuen Rekord bei Parlamentswahlen in Ungarn.

Der Wahlticker zum Nachlesen:

Orbán gratulierte seinem Herausforderer noch am Wahlabend
Die Ära von Viktor Orbán, die 16 Jahre lang andauerte, ist an diesem Sonntagabend zu Ende gegangen. Péter Magyar, der Mann, der vor wenigen Monaten noch ein unbeschriebenes Blatt im Machtgefüge des Fidesz war, hat das schier Unmögliche geschafft: Er hat den Goliath der europäischen Rechtspopulisten gestürzt. Orbán gratulierte noch am Wahlabend dem Sieger.

Péter Magyar: Pro-europäisch und konservativ
Das Ergebnis ist ein politisches Erdbeben, dessen Erschütterungen weit über die Grenzen des Karpatenbeckens hinaus zu spüren sein werden. Magyar hat mit seiner TISZA-Partei nicht nur die Opposition geeint, sondern – was entscheidender ist – tief in die Stammwählerschaft des Fidesz hineingewirkt. Sein pro-europäischer Kurs, gepaart mit einem konservativen Wertekanon, bot vielen Ungarn jene Alternative, nach der sie sich jahrelang gesehnt hatten: Ein Ungarn, das stolz auf seine Traditionen ist, aber seinen Platz im Herzen Europas sucht und nicht an dessen Rändern.

Fotoserie vom Wahltag:

Der Schlüssel zum Erfolg lag in Magyars unermüdlicher Tour durch die Provinz. Dort, wo die staatliche Medienmaschine die Realität normalerweise fest im Griff hat, sprach er über die konkreten Sorgen: die geschlossenen Arztpraxen, die abgewanderten Jugendlichen, die Vetternwirtschaft in den Gemeinderäten.

Über allem stand die Frage, ob Magyar nicht nur einfach regieren, sondern das Land grundlegend umbauen kann. Hierfür war eine Zwei-Drittel-Mehrheit im Parlament vonnöten – jenes Instrument der absoluten Macht, das Viktor Orbán über Jahre hinweg zur Zementierung seines Systems nutzte. Um kurz vor 22 Uhr war auch klar, dass Magyar auch dieses Ziel erreicht hatte.

Die Wahl in Ungarn

  • Die 199 Sitze des Parlaments in Budapest werden für die nächsten vier Jahre in einer Kombination aus Mehrheits- und Verhältniswahlrecht vergeben.
  • 93 Sitze werden über Parteilisten verteilt wie etwa in Österreich, 106 in den Einzelwahlkreisen wie etwa in Großbritannien.
  • Es gilt eine Fünf-Prozent-Hürde für die Parteien für den Einzug ins Parlament. In den Einzelwahlkreisen gewinnt jener Kandidat, der die meisten Stimmen erhält. 

Getragen wurde dieser historische Umbruch von einer Wahlbeteiligung, die alle bisherigen Rekorde der ungarischen Demokratie in den Schatten stellt. Bereits am frühen Nachmittag zeichnete sich ab, dass die Ungarn in Scharen an die Urnen strömten. Am Ende waren es fast 78 Prozent.

Erste Hochrechnung sorgte kurz für Verwirrung
Für Verwirrung sorgte das komplizierte Wahlsystem, lag doch nach der ersten Hochrechnung plötzlich Fidesz deutlich vor TISZA. Da waren aber auch erst die ländlichen Gebiete ausgezählt, wo Orbán traditionell stärker ist. Erst im Laufe des Abends wendete sich dann das Blatt.

In Budapest überwiegt das Gefühl der Befreiung. Ungarn hat sich für den Wandel entschieden – und damit ein Signal gesendet, das bis nach Brüssel und Moskau hallt.

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