Ungeachtet der Waffenruhe greift Israel den Libanon weiter massiv an. Die Armee berichtete am Mittwochnachmittag vom „größten koordinierten Angriff“ seit Anfang März. Irans Führung reagierte prompt und droht damit, aus der Feuerpause auszusteigen.
Die Hisbollah im Libanon, die von Israel attackiert wird, gilt als wichtigster Verbündeter des Iran in der Region. Sie hatte vor dem jüngsten Angriff am Mittwochnachmittag mitgeteilt, ihre eigenen Angriffe auf Israel einzustellen. Darüber, ob die vorübergehende Waffenruhe auch im Libanon gilt, gab es zunächst widersprüchliche Angaben. Pakistans Regierungschef Shehbaz Sharif erklärte, eine zweiwöchige Feuerpause zwischen den USA und dem Iran schließe die Verbündeten der USA ein und gelte „überall, einschließlich des Libanons und anderswo“. Pakistan hatte die Waffenruhe zwischen Washington und Teheran vermittelt.
Zuvor hatte Israels Regierung gesagt, dass der Libanon nicht von der Vereinbarung umfasst sei. Laut ihr gehe es nur um den Iran und die USA. Zudem wirft Israel dem Iran vor, nach Inkrafttreten der Feuerpause seine Angriffe auf das Land fortgesetzt zu haben. In der Nacht auf Mittwoch wurden Einschläge aus den Städten Petah Tikva und Bnei Brak gemeldet. Die Regierung schreibt die Angriffe dem Iran zu.
Libanesische Armee warnte Bevölkerung
Am Mittwoch warnte die libanesische Armee die Bevölkerung davor, in den Süden des Landes zurückzukehren. Es bestehe die Gefahr weiterer Angriffe durch Israel, hieß es. Die Armee behielt recht. Bereits am Mittwochnachmittag griff Israels Militär erneut an. Mindestens 112 Tote und mehr als 800 Verletzte wurden gemeldet, darunter Mitglieder der Hisbollah, aber auch Zivilpersonen. Viele Menschen seien noch unter Trümmern verschüttet, teilte das libanesische Gesundheitsministerium mit.
Israels Verteidigungsminister Israel Katz sprach von einem „Überraschungsangriff“, der Hunderte Hisbollah-Mitglieder getroffen habe. Laut libanesischen Angaben gab es mehr als 150 Angriffe, viele davon in der Hauptstadt Beirut. Menschen rannten auf die Straßen, Kinder schrien. Krankenhäuser riefen die Bevölkerung dazu auf, Blut zu spenden. Israels Armee sagte, ein Großteil der angegriffenen Infrastruktur habe sich inmitten ziviler Wohngebiete befunden. Man habe aber Schritte unternommen, um unbeteiligte Zivilpersonen zu schützen. Die Angaben ließen sich alle nicht unabhängig prüfen.
Iran griff Golfstaaten an
Wie berichtet, hat auch die iranische Armee ungeachtet der Waffenruhe ihre Angriffe nicht eingestellt. Am Mittwoch meldeten die Golfstaaten Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) Beschuss aus dem Iran. Einige Drohnen hätten Ölanlagen und Kraftwerke getroffen. In Bahrain wurden laut dem dortigen Innenministerium einige Häuser beschädigt. Die iranischen Revolutionsgarden bestätigten die Attacken.
Aufgrund des jüngsten israelischen Angriffs drohen sie nun, aus der Feuerpause auszusteigen. Entweder habe das Weiße Haus keinen Einfluss auf die israelische Regierung oder das US-Zentralkommando dulde die Angriffe stillschweigend, sagte ein Militärvertreter aus dem Iran. Sollte die Offensive gegen die Hisbollah weitergehen, werde man Israel erneut attackieren.
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