Biodiversitätsbericht

Klimawandel bringt mehr Vielfalt in unsere Wälder

Klima
22.05.2026 11:16
Porträt von krone.at
Von krone.at

Österreichs Wälder werden vielfältiger: Der Anteil der Fichte sinkt, Laub- und Mischwälder nehmen zu. Gleichzeitig breiten sich invasive Arten stärker aus. Der neue Waldbiodiversitätsbericht sieht Fortschritte bei der Klimaanpassung, aber weiteren Handlungsbedarf beim Schutz der Wälder.

Österreichs Wälder verändern sich zunehmend unter dem Einfluss des Klimawandels und neuer Arten. Der aktuelle Waldbiodiversitätsbericht des Bundesforschungszentrums für Wald (BFW) und der Universität für Bodenkultur (Boku) Wien zeigt, dass die Baumartenvielfalt in vielen Bereichen zunimmt. Während der Anteil der Fichte zurückgeht, breiten sich invasive Arten wie die Robinie stärker aus. Geschützte Waldflächen wurden dagegen nur geringfügig erweitert.

Die Ausbreitung invasiver Arten, wie die Robinie, bereitet den Experten Sorgen.
Die Ausbreitung invasiver Arten, wie die Robinie, bereitet den Experten Sorgen.(Bild: APA/ANNA ARMBRUST PIXABAY)

Die Fichte, die jahrzehntelang häufig in Monokulturen gepflanzt wurde, leidet zunehmend unter höheren Temperaturen, Trockenheit, Sturmschäden und Schädlingen wie dem Borkenkäfer. Laut Bericht sank ihr Anteil von 55,7 Prozent (zwischen den Jahren 1992 und 1996) auf 47,6 Prozent (zwischen den Jahren 2018 und 2023). Trotzdem bleibt sie die dominierende Nadelbaumart und macht rund 80 Prozent der Nadelbaumbestände im Ertragswald aus. Insgesamt ging der Anteil der Wälder, die von Nadelbäumen dominiert werden, seit den 1990er-Jahren von knapp 70 auf unter 60 Prozent zurück. Gleichzeitig stieg der Anteil von Laub- und Mischwäldern. Besonders Rotbuchen und Ahorn nahmen zu. Auch Flächen mit Sträuchern, Lücken und Blößen wurden größer und umfassen inzwischen rund 14 Prozent der Waldfläche.

Die Forschenden sehen darin eine schrittweise Entwicklung hin zu vielfältigeren und widerstandsfähigeren Wäldern. Immer häufiger setzt man bei der Verjüngung der Wälder auf natürliche Prozesse statt auf Pflanzungen. Artenreiche Mischwälder gewinnen dadurch an Bedeutung, während Reinbestände zurückgehen. Viele Wälder bestehen mittlerweile aus mehreren Baumarten statt nur einer dominierenden Sorte.

Das Balkendiagramm zeigt die Verteilung der Baumarten in Österreichs Wäldern im Vergleich zwischen 1992/96 und 2018/23. Der Anteil an Nadelholz ist von 69,2 % auf 59,8 % gesunken. Fichte hat den stärksten Rückgang von 55,7 % auf 47,6 %. Der Anteil an Buche und anderen Laubbäumen ist gestiegen. Quelle: BMLUK.

Die Waldfläche Österreichs beträgt derzeit rund 48 Prozent der Landesfläche und nimmt weiter leicht zu. Der Anteil geschützter Wälder stieg zwischen 2008 und 2024 von 17 auf 21 Prozent. Vor allem weniger streng geschützte Gebiete wie Natura-2000-Flächen wurden erweitert, während streng geschützte Waldflächen kaum zunahmen. Nach österreichischen Standards liegt etwa ein Drittel der Wälder in Schutzgebieten. Die Fachleute sehen dennoch weiteren Ausbaubedarf.

Invasive Arten breiten sich zunehmend aus
Positiv bewertet wird außerdem der steigende Anteil an Totholz in den Wäldern. Lag dieser Mitte der 1990er-Jahre noch bei durchschnittlich vier Kubikmetern pro Hektar, sind es heute knapp zehn Kubikmeter. Totholz gilt als wichtiger Lebensraum für zahlreiche Arten und spielt auch bei der Kohlenstoffspeicherung eine bedeutende Rolle. Zusätzlich bieten Mikrohabitate wie Baumhöhlen oder Rindentaschen wertvolle Lebensräume für viele Organismen. Sorge bereitet hingegen die Ausbreitung invasiver Arten. Die Fläche mit nicht heimischen Baumarten stieg von rund 36.000 Hektar im Jahr 1990 auf etwa 54.000 Hektar im Vorjahr. Besonders Robinie, Douglasie sowie Pflanzen wie Goldruten und Staudenknöterich breiten sich zunehmend aus.

Auch die Zahl gefährdeter heimischer Pflanzenarten im Wald nimmt zu. Während 1986 noch 200 Gefäßpflanzen, die den Wald bewohnen, als gefährdet galten, waren es 2022 bereits 286. Als vom Aussterben bedroht gilt etwa die Flaum-Mehlbeere. Stark gefährdet sind unter anderem der europäische Wildapfel, Schwarzpappel, Lorbeerweide und Speierling. Auch bekanntere Arten wie Edelkastanie und Donau-schmalblättrige Esche gelten als gefährdet und benötigen weiterhin gezielte Schutzmaßnahmen.

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