Eine Zugstrecke entlang der alten Südbahn wird zur Zeitreise zwischen k. u. k. Geschichte, italienischer Leichtigkeit und kulinarischen Entdeckungen. Dank schneller Verbindung haben wir ein neues Ziel für ein verlängertes Wochenende.
„Eine Zugfahrt, die ist lustig. Eine Zugfahrt, die ist schön“, heißt es in einem Kinderlied und schnell ist es noch dazu, wie die Verbindung Wien-Triest beweist. Dank Koralmtunnel kann man in der Früh seinen Kaffee in der Donaumetropole genießen und 6 Stunden und 38 Minuten später Spaghetti und Tiramisu an der Adria speisen.
Dass die Meeresfrische eine willkommene Abwechslung zum turbulenten Stadtleben ist, wussten die Habsburger auch schon 1857. Denn da nahm die k. k. Südliche Staatsbahn die Strecke in ihr Repertoire auf. Schon damals ging die Route über Graz, führte aber über Marburg und Laibach in die Adriastadt. Einst dauerte es 13 Stunden und 4 Minuten und galt mit dieser Zeit als revolutionär.
Zugreise in die k. u. k. Vergangenheit
Doch zurück in die Gegenwart: Die Fahrt selbst ist mehr als bloße Fortbewegung. Sie ist Auftakt und Einstimmung zugleich. Im Bord-Restaurant wird perfekter Cappuccino serviert, dazu gibt es eine tolle Auswahl an Frühstücken und anderen Mahlzeiten. Während sich die Landschaft langsam vom Wiener Becken über die steirischen Hügel bis hin zum Karst verändert, wächst die Vorfreude mit jedem Tunnel, jeder Kurve.
Triest empfängt uns schließlich mit einer Mischung aus Grandezza und Gelassenheit, irgendwo zwischen k. u. k. Vergangenheit und italienischer Leichtigkeit.
Der erste Weg führt ins Caffè San Marco, wo schon Schriftsteller und Intellektuelle ihre Gedanken bei starkem Kaffee sortierten und man auch heute noch das Gefühl hat, dass die Zeit hier ein wenig langsamer vergeht. „Wer Glück hat, kann den Literaturnobelpreisträger László Krasznahorkai antreffen“, verrät Alexandros Delithanassis, Chef des Hauses.
Er hat es geschafft, dass sein Caffè zu einer Institution geworden ist, wo viele Kulturen und Religionen zusammenkommen. Im integrierten Buchshop gibt es regelmäßig Lesungen auf Deutsch.
Buffet zieht Touristen und Einheimische an
Wenige Gassen weiter wird es deftiger: Im traditionsreichen Buffet da Pepi dampfen die Töpfe. Hier werden üppige Fleischspezialitäten aufgetischt. Der Ort genießt seit Generationen Kultstatus. Sogar die „New York Times“ sieht das so und empfiehlt es ihren Lesern.
Übrigens: Die gelben Straßennamen auf den Häusern erinnern an die Bezeichnung während der Habsburger-Monarchie.
Doch Triest ist nur der Auftakt. Ein kurzer Abstecher führt hinaus nach Opicina, wo im jungen Lokal Spajs Zinzendorf die Küche der Region neu gedacht wird – ein Kontrast zur Tradition der Stadt. Der Name verrät bereits, dass hier auch die österreichische Tradition eine Rolle spielt. Spajs kommt vom deutschen Wort Speis(ekammer). Serviert werden unter anderem Schweine-Spezialitäten, Bolognese-Pasta und als Nachtisch: Apfelstrudel.
Nicht weit davon entfernt gibt es noch mehr österreichische Tradition: das Schloss Miramare. Hoch über dem Meer ließ Erzherzog Ferdinand Maximilian zwischen 1856 und 1860 seine strahlend weiße Residenz errichten, umgeben von einem weitläufigen Park, der bis heute zu den schönsten Anlagen an der Adria zählt. Von hier aus schweift der Blick über das tiefblaue Wasser. Weil der Royal auch in seinem Zuhause Schiffsfeeling wollte, sind seine Gemächer besonders nieder und holzvertäfelt. Was ihn glücklich machte, wirkt heute auf die Besucher eher erdrückend.
Wer noch mehr Entspannung und Entschleunigung will, verbringt eine Nacht in Grado. Auch dieser Ort gehörte mal zu „uns“. Enge Gassen, pastellfarbene Häuser und das Rauschen des Meeres geben den Ton an.
Tipp: Machen Sie eine Führung! Hier erfahren auch Gäste, die seit Jahrzehnten an den Küstenort fahren, noch Neues. Wussten Sie, dass es das Freilufttheater auf dem Campiello della Scala gibt? Die Schauspieler sprechen im Gradeser Dialekt.
Auch kulturell hat die Region einiges zu bieten: Ein Abstecher nach Aquileia entführt Sie in die Antike, zu römischen Ausgrabungen und beeindruckenden Mosaiken. „Sieben Jahre hat es gedauert, bis das große Mosaik in der Kirche fertig war. Heute dauert es so lange, bis man eine Baugenehmigung hat“, scherzt Touristen-Führer Robert Schuhmann.
Auf dem Rückweg lohnt sich ein Zwischenstopp in Udine. Mein Highlight: das Museum Casa Cavazzini. Die aktuelle Ausstellung „Impressionismus und Moderne“ (bis August) zeigt internationale Meisterwerke aus dem Kunst Museum Winterthur mit Werken von Künstlern wie Monet, van Gogh, Picasso oder Kandinsky. 150 Jahre Kunstgeschichte sind hier perfekt zusammengefasst.
Gewürzhändler sorgen für regionale Spezialität
Für alle, die beim Reisen auf besondere Kulinarik achten, ein Profi-Tipp: Bestellen Sie Cjalsons, das sind Kärntner Nudeln nach Friaul-Art. Früher haben im Norden Italiens Händler Gewürze in einem Art Holzrucksack mit Schubladen verkauft. Quasi ein wandernder Krämerladen. Wieder zu Hause, haben sie ihre Laden ausgeleert und mit dem Rest der Gewürze gefüllte Teigtaschen verkocht. Daher gibt es auch kein genaues Rezept, dafür immer eine pikant-süße Mischung.
ANREISE
Neue Railjet-Verbindung zwischen Wien und Triest in 6 Stunden und 38 Minuten – ganz ohne umzusteigen. Preis pro Richtung: mit der Sparschiene ab 23,30 Euro
www.oebb.at
ALLGEMEINE INFOS
www.turismofvg.it/de
www.italia.it/de
FÜHRUNGEN in Triest, Grado, Aquileia und Udine: www.nord-estguide.com
Für alle, die Städte gerne von oben betrachten, die sollten auf den Schlosshügel gehen. Wer sich den Fußmarsch ersparen will: Es gibt einen Lift mit angehängter Ausstellung. Legenden berichten, dass Attilas Soldaten um das Jahr 452 mit ihren Helmen die Erde herbeischafften und so der 30 Meter-Hügel – allein durch Menschenhand – aufgeschüttet wurde.
Und mit dem Ausblick über Udine endet auch das wunderbar verlängerte Wochenende. In diesem Sinne – buon viaggio!
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