Veronika Savliepova ist eine von zwei weiblichen Sargträgerinnen bei der Bestattung Wien. Der Tod fasziniert die 32-Jährige. Wir haben die gebürtige Ukrainerin im Rahmen unserer Serie „Menschen von nebenan“ getroffen.
„Krone“: Frau Savliepova, wie kam es dazu, dass Sie Sargträgerin bei der Bestattung Wien wurden?
Veronika Savliepova: Ich kam 2022 aus der Ukraine nach Wien. Beim Kartenspielen kam das Thema Zentralfriedhof auf, ein Ort, an dem Beethoven und viele andere begraben sind. Das wollte ich mir unbedingt ansehen. Als ich das erste Mal dort war, habe ich mich wie in einem Film gefühlt.
Was hat Ihnen besonders daran gefallen?
Die Architektur, die Geschichte, die Bäume, die Gräber. Ich besuchte den Zentralfriedhof jede Woche und wusste: Hier will ich arbeiten. Jedoch wusste ich nicht, als was. Bei der Caritas habe ich zu der Zeit einen Deutschkurs gemacht und füllte auf einem Formular meinen Berufswunsch aus: Bestattung Wien. Kurz darauf kam bereits der Anruf, dass sie Sargträger suchen.
Der Beruf ist eine Männerdomäne. War das am Anfang schwierig?
Als ich zum ersten Mal den Übungssarg tragen musste, war es ein bisschen schwer. Aber das war nur in meinem Kopf so. Mittlerweile fällt es mir leicht. Neben mir gibt es nur eine weitere Frau, aber auch mit den männlichen Kollegen gibt es keine Probleme. Im Gegenteil. Wir haben sofort Gemeinsamkeiten gefunden. Hier arbeiten sehr viele interessante Personen.
Wie stehen Sie persönlich zum Thema Tod?
Das ist schwierig zu erklären. Ich habe mir vor dem Besuch am Zentralfriedhof nie Gedanken darüber gemacht. Das hat sich dann geändert. Der Tod fasziniert mich. Ich habe großen Respekt vor toten Menschen, aber keine Angst. Generell sollte das Thema mehr in den Vordergrund rücken, weil es uns alle betrifft.
Werden Sie selbst traurig, wenn Sie die Begräbnisse begleiten?
Begräbnisse sind nicht immer traurig. Wenn ein 98-Jähriger stirbt, ein gutes Leben hatte und viele Verwandte hier sind, kann man auch den letzten Tag mit einem Lächeln begehen. Wenn ein Mensch ein gutes Leben hatte, sollte man auch das Ende feiern.
In einer Großstadt gibt es aber auch Begräbnisse, an denen niemand teilnimmt. Macht Sie das traurig?
Nein, das ist Routine. Ich habe den Menschen ja nicht gekannt, vielleicht war er einsam oder ein schlechter Mensch. Aber im Tod sind alle gleich.
Haben Sie schon über Ihre eigene Trauerfeier nachgedacht?
Natürlich. Ich möchte zurück zur Natur. Ich will keinen Grabstein oder Platz einnehmen. Mit einem Pilzsarg kommt der Verstorbene wieder in den Kreislauf der Natur. Das möchte ich.
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