Nach vier gemeinsamen Jahren sagen der Eisenstädter Diözesanbischof Ägidius Zsifkovics und sein Wirtschaftsmanager Johannes Stipsits „Adieu!“ zueinander. Die „Krone“ kennt die Hintergründe.
„Ich habe den besten Arbeitgeber der Welt!“, jubelte Johannes Stipsits, der Wirtschaftliche Generaldirektor der Diözese Eisenstadt, noch vor einem Jahr. Damit meinte der 55-jährige Stinatzer allerdings nicht seinen irdischen Vorgesetzten, Bischof Ägidius Zsifkovics, sondern „Gott“. Sein Weg schien für ihn klar.
In seinem letzten beruflichen Lebensabschnitt wolle er, Stipsits, sich in der Diözese „voll einbringen“ und „meine Ideen verwirklichen“, erklärte er damals gegenüber der „Kirchenzeitung“: „Wenn Projekte gut laufen, gibt mir das jede Menge Genugtuung und Freude.“ Nun kommt es offenbar anders.
Überraschende Wende
Der knallharte Manager, der als Alpha-Persönlichkeit gilt und früher u.a. für die Weltbank, die Europäische Kommission als Berater für Finanzprojekte und in leitender Funktion bei der innereuropäischen Organisation der Steuerverwaltung (IOTA) tätig war, plant Gerüchten zufolge nämlich seinen Abgang.
Nach seinem jetzigen Urlaub soll er nicht mehr in seine Position zurückkehren, heißt es aus seinem Umfeld. Er selbst war für eine persönliche Stellungnahme bis Redaktionsschuss nicht erreichbar. Und auch die Diözese hüllt sich in Schweigen. Schließlich wurde Stipsits‘ bevorstehendes Ausscheiden noch nicht offiziell kommunziert.
Das „Unternehmen“ Kirche
Stipsits hatte in den vergangenen vier Jahren versucht, die Kirche in einen „zukunftsfitten Wirtschaftsbetrieb umzubauen“ – durch Strukturreformen und einen Sparkurs einerseits – Stichwort Pfründe. Und durch große Investitionen andererseits. So gründete die Diözese unter seiner Ägide eine Energiegemeinschaft und erwarb Wälder und ein Weingut, um die land- und forstwirtschaftlichen Ressourcen zu erweitern. Denselben Weg ging man in der Immobilienentwicklung. Das kam letztlich nicht bei allen gut an.
Der Spagat zwischen ökonomischen Interessen und Pastoral ist eben kein einfacher. Stipsits sah die katholische Kirche als „Unternehmen“, das er „modernisieren und auf sichere, finanzielle Beine stellen“ wollte. Doch im System Kirche, wo die Mühlen tendenziell langsam mahlen, sei ihm bei manch zähem Entscheidungsprozess zu Vorhaben, die er realisieren wollte, der Geduldsfaden gerissen.
Top-Job bereits in Aussicht?
Dem Vernehmen nach könnte Stipsits schon bald in die Landesholding wechseln, als Geschäftsführer der Wirtschaftsagentur Burgenland. „Landeshauptmann Hans Peter Doskozil und ich sind gut bekannt, weil wir gemeinsam am Gymnasium Oberschützen die Schulbank gedrückt haben. Dass ich seine Jobangebote ausgeschlagen habe, lag daran, dass die Rahmenbedingungen in der Kirche reizvoller waren, weil ich hier vieles langfristig verändern kann“, erklärte Stipsits vor zwei Jahren im „Krone“-Interview. Nun, da sich das Blatt gewendet hat, sieht die Sache anders aus. Und der vakante Spitzenjob wäre wie maßgeschneidert für ihn.
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