Das Wiener Aktionismus Museum in der Weihburggasse eröffnet nach umfangreicher Erweiterung unter neuer Leitung mit der Ausstellung „Hermann Nitsch 1960-1965“. Eine intensive Schau, die seltene Einblicke in die frühen Arbeiten des Aktionisten gibt.
Manche Künstler entwickeln ihren Stil nach und nach. Und es gibt solche wie Hermann Nitsch, bei denen schon im Frühwerk alles da ist, was sie später ausmachen wird – in einer kraftvollen, puren und archaisch rohen Form.
Das Wiener Aktionismus Museum widmet seine erste Ausstellung nach der umfassenden Erweiterung unter der Leitung von Klaus Albrecht Schröder dem Frühwerk des 2022 verstorbenen Aktionisten. „Wir leisten uns den Luxus, eine Schau nur einem Jahrfünft zu widmen“, so Schröder zur Eröffnung, „einem Jahrfünft, das die Kunstgeschichte verändert hat.“
Der erste Raum ist der „Blutorgel“-Aktion gewidmet, bei der sich Nitsch mit Adolf Frohner und Otto Muehl 1962 für drei Tage in einen Keller einmauern ließ. Hier entstand das erste Schüttbild mit Tierblut – mit beeindruckenden zweimal neun Metern das einzig vollständig erhaltene Kunstwerk der Aktion und damit „Geburtsurkunde des Wiener Aktionismus“.
Langsamkeit und Dynamik
Rund um das monumentale Werk versammelt die Schau frühe Arbeiten, in denen Nitsch bereits Farbe schüttet und rinnen lässt. Schon hier dominiert ab 1960 Rot als zentrale Farbe. Spannend ist der Kontrast dieser Rinnbilder, die ihre Kraft aus einer zähen Langsamkeit gewinnen, zu den Schüttbildern, die dynamisch in Farbe gegossene Bewegungsenergie einfangen. Kunst wird schon hier Handlung und Ereignis.
Die zweite Werkgruppe sind Reliktmontagen, bei denen Nitsch wiederkehrende Gegenstände auf meist unbehandelte Jute aufbringt – Pflaster, Taschentücher und Menstruationsbinden. Schon in diesen Arbeiten greift der knapp 25-Jährige seine ewigen Themen Wunde, Opfer und Heilung auf, verarbeitet religiöse Symbole, bricht mit gesellschaftlichen Tabus.
Kraftvolles Manifest
Dazu gibt es frühe übermalte Radierungen, Wachsbilder und Fotoarbeiten erster Körperaktionen. Es ist eine Schau, die nicht einfach einen zögerlichen Anfang nachzeichnet. Sie zeigt die kraftvolle erste Manifeststation eines unbeirrbaren künstlerischen Weges.
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