Wiener Kammeroper

„Medea“ als Operncollage, die Stückwerk bleibt

Kultur
23.03.2026 15:00

Die Wiener Kammeroper hat sich selbst eine Barockoper gestrickt. Corinna von Rad deutet die mythologische Figur der „Medea“ aus feministischer Perspektive neu – und lässt sie in reiner Unschuld verblassen. 

Medea gilt in der Kulturgeschichte des Abendlandes als unerbittliche Kindesmörderin und blutige Rächerin. Aus der Heimat verbannt, verlässt ihr Gatte Jason sie für eine andere. Medea tötet daraufhin die eigenen Kinder – soweit die Vorlage. Gerade diese Ambivalenz aus Opfer- und Täterschaft macht die Spannung dieser Figur aus.

Das jüngste – und einstweilen vorletzte – Opernprojekt in der Wiener Kammeroper setzt zu Medeas Rehabilitierung an und zeigt sie als bloßes Opfer eines brutalen patriarchalen Systems. Selbst der Tod der Kinder wird hier zum Unfall. Auch wenn die Mittäterschaft der mächtigen Männerwelt unumstritten ist, die archaische Figur der von allen verstoßenen Medea schwächt dieser reine Opfermythos.

Selbst gezimmerte Barockoper
Rund um die antiken Figuren haben Regisseurin Corinna von Rad und Dirigent Benjamin Bayl aus Musiken von Marc-Antoine Charpentier, Händel, Bach, Lully oder Rameau einen neuen, assoziativen Barockopernabend gezimmert. Dramaturgisch schlüssig ist das nicht. Durchzogen sind die Arien und Ensemble-Stücke von den eindringlichen Texten einer Christa Wolf.

Ein junges Ensemble singt die lose Stückabfolge tadellos – Counter Alois Mühlbacher lässt als Amme aufhorchen, Johanna Rosa Falkinger als lyrische Kreusa, Johannes Bamberger singt einen schlanken Jason und der junge Bass Felix Pacher überzeugt als König Kreon.

Dramaturgisch wenig überzeugend
Als Kontrast zu diesem Quartett, ist die Titelpartie mit einer Schauspielerin besetzt: Lisa-Katrina Mayer ist eine präsente Medea, die sich mit ihrer Chanson-Stimme auch unter die Sänger mischt – und sich stimmlich an ihrem Schönklang reibt. Das Bach Consort Wien spielt dazu beschwingt. Doch der Abend, der munter zwischen fünf Sprachen hin und her springt, bleibt – trotz manch eindringlicher Szene – dramaturgisch wenig überzeugendes Stückwerk.

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