Einer der Wegbereiter des europäischen Rechtspopulismus ist tot: Der Gründer der italienischen Regierungspartei Lega, Umberto Bossi, ist am Donnerstag im Alter von 84 Jahren in einem Spital in Varese (Region Lombardei) gestorben.
Bossis Tod löste Bestürzung aus. Politiker aus allen Lagern kondolierten Bossis Frau Emanuela Marrone und seinen drei Söhnen. „Umberto Bossi hat mit seiner politischen Leidenschaft eine wichtige Phase der italienischen Geschichte geprägt und einen grundlegenden Beitrag zur Entstehung des ersten Mitte-rechts-Bündnisses geleistet. In diesem Moment großen Schmerzes bin ich seiner Familie und seiner politischen Gemeinschaft nahe“, kommentierte Ministerpräsidentin Meloni auf X. Lega-Chef Matteo Salvini sagte alle für Freitag vorgesehenen Termine ab.
Mit Bossi verliert Italien eine der prägendsten und zugleich umstrittensten Figuren der Nachkriegspolitik. Der aus der norditalienischen Region Lombardei stammende Politiker gründete Anfang der 1990er-Jahre zunächst die Lega Lombarda. Später erfolgte die Umbenennung in Lega Nord. Bossi machte die Partei zur Stimme eines selbstbewussten Nordens, der mehr Autonomie und finanzielle Eigenständigkeit forderte. Mit markigen Worten, provokanten Auftritten und einem unerschütterlichen politischen Instinkt prägte er über Jahrzehnte die politische Landschaft Italiens.
Durchbruch im Frühjahr 1992, Juniorpartner Berlusconis
Bei den Parlamentswahlen im Frühjahr 1992 erfolgte der große Durchbruch, die Lega Nord eroberte insgesamt 80 Sitze in den beiden Parlamentskammern, zwei Jahre später schaffte sie es als eine der ersten rechtspopulistischen Parteien in Europa in die Regierung. Bossi wurde Juniorpartner im kurzlebigen ersten Kabinett des mehrmaligen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi.
Bossis Forderungen nach Föderalismus, Steuerreformen und einer stärkeren Abgrenzung gegenüber dem Süden Italiens spalteten die Gesellschaft – und mobilisierten zugleich Millionen Wähler. Trotz gesundheitlicher Rückschläge – Schlaganfall und Herzinfarkt im Jahr 2004 und schwerer Sturz mit Schulterbruch im Jahr 2011 – blieb Bossi lange Zeit das Gesicht seiner Bewegung und ein Symbol für politischen Widerstand gegen das Establishment.
Skandal um veruntreute Parteigelder
Bossis separatistisches Vorhaben – er wollte einen Staat namens „Padanien“ gründen – blieb freilich pure Theorie. Infolge eines Skandals um veruntreute Parteigelder musste er die Lega-Führung im Jahr 2011 abgeben. Er wurde zu einem Jahr und zehn Monaten Haft verurteilt. 2013 übernahm Matteo Salvini die Führung der Partei, die unter ihm zu einer landesweit agierenden Kraft wurde. Vor allem infolge der Migrationskrise der Jahre 2015/16 konnte die Lega auch in Süditalien punkten und wurde bei der Parlamentswahl 2018 zur stärksten Kraft im rechten Lager, ehe ihr fünf Jahre später die Partei „Brüder Italiens“ (Fratelli d‘Italia) der aktuellen Regierungschefin Giorgia Meloni den Rang ablief.
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