Mit gefinkelter Taktik

Warum Iran-Regime trotz Tod von Führern noch hält

Außenpolitik
18.03.2026 16:37

Seit Kriegsbeginn wurden schon mehrere iranische Führer getötet, darunter der Oberste Führer Ali Khamanei und der einflussreiche Sicherheitsratschef Ali Larijani. Ein unmittelbarer Zusammenbruch des Regimes ist allerdings nicht in Sicht. Wie das System ohne seine Führungspersonen weiter bestehen kann.

„Die An- oder Abwesenheit einer einzelnen Person hat keinen Einfluss auf die Struktur“, sagt Irans Außenminister Abbas Araghtschi über das iranische Regime. Dabei zielt Israels Strategie genau darauf ab: Das Land will mit gezielten Angriffen auf einzelne Personen den iranischen Machtapparat ausschalten. Bisher dürfte diese Taktik allerdings nicht fruchten, das iranische Regime wirkt – zumindest von außen – noch überraschend stabil.

Einen Grund dafür liefert Araghtschi in einem Interview mit dem Sender Al Jazeera gleich selbst. Man habe bereits einen Ersatz für bestimmte Führungspositionen in der Hinterhand, falls sie ebenfalls getötet werden sollten, sagt der Minister. Das sei auch der Fall gewesen, als der Oberste Führer Ali Khamenei getötet worden war.

Irans Außenminister Abbas Araghtschi
Irans Außenminister Abbas Araghtschi(Bild: AFP/OZAN KOSE)

Die Mosaik-Taktik
Ein zweiter Grund, wieso das Iran-Regime noch steht, dürfte die sogenannte Mosaik-Taktik sein. Die Grundidee dieser Taktik ist ganz einfach: Die Befehlsgewalt liegt nicht nur bei einer Person, sondern sie wird auf dutzende Stellen aufgeteilt. Jede dieser einzelnen Einheiten – den „Mosaik-Steinen“ –  hat dann etwa eigene Waffen, Kommandostrukturen und ein eigenes Nachrichtensystem. Die einzelnen Einheiten warten nicht zwingend auf Befehle von oben. Wenn ein einzelner Führer getötet wird, bleibt Iran damit trotzdem handlungsfähig.

„Hatten zwei Jahrzehnte Zeit“
Irans Außenminister Abbas Araghtschi bestätigte Anfang März selbst, dass der Iran auf diese Strategie setzt. „Wir hatten zwei Jahrzehnte Zeit, die Niederlagen des US-Militärs unmittelbar östlich und westlich von uns zu analysieren“, schrieb der Minister auf der Plattform X. Daraus habe man gelernt. „Die dezentrale Mosaik-Verteidigung ermöglicht es uns, zu entscheiden, wann – und wie – der Krieg enden wird“, gab sich Araghtschi siegessicher.

Irans Außenminister bestätigte auf X, dass Iran die Mosaik-Taktik verfolgt:

Israels Kriegsstrategie „nicht üblich“
Der israelische Präsident Benjamin Netanjahu will die iranische Regierung destabilisieren und so die Voraussetzungen dafür schaffen, dass das iranische Volk gegen das Regime auf die Straße geht. Dafür wird gezielt die Führungsriege attackiert.

Üblich ist diese Strategie nicht, wie Marwan Bishara, politischer Analyst bei Al Jazeera erklärt. „Dieses Attentatsprogramm ist gangsterhaft, es ist Terrorismus, es entspricht nicht den Regeln der Kriegsführung“, kritisiert Bishara. Trotzdem räumt er ein, dass solche gezielten Tötungen Auswirkungen auf das Iran-Regime haben, weil „quantitative Veränderungen zu qualitativen Veränderungen führen.“

Erfolg von Israels Strategie unklar
Experten sind sich uneinig, welche Auswirkungen das genau sind, und ob Israels Strategie aufgehen wird. Mehrere frühere Angehörige des israelischen Militärs halten Netanjahus Plan für unrealistisch, wie die Zeitung „The New York Times“ berichtet. Die iranischen Sicherheitsdienste seien dafür zu mächtig, schätzen sie. Andere Experten sehen das anders. Sie glauben, dass Israel einen Führungswechsel im Iran anvisieren sollte. Allerdings werde das wohl ganz ohne Volksaufstand nicht gelingen, fürchten sie.

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