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Lokalaugenschein

Wie geht‘s unserem Bundesheer wirklich?

Österreich
17.05.2026 11:30

Mehr Geld, neue Aufgaben: Österreichs Streitkräfte durchleben den größten Umbau ihrer jüngeren Geschichte. Die „Krone“ begab sich in Österreichs Kasernen, auf die Flugfelder, in Stellungen im Wald und in Blauhelm-Bunker im Libanon.

In einem wilden Bärlauchfeld zwischen den trockenen Fichten des Leithagebirges liegen sieben Männer tief in den weichen Waldboden gedrückt. Feine Spinnennetze spannen sich zwischen den Blättern des Krauts. Den verschlungenen Karrenweg, der vor den Soldaten liegt, beobachten sie schon lange. So lange, dass ihre Uniformen den knoblauchartigen Geruch des Bärlauchs angenommen haben. Nur mit Handzeichen verständigen sie sich untereinander. Anspannung liegt in der Luft.

Plötzlich brechen Schüsse. Die verborgene Jägergruppe eröffnet fast gleichzeitig das Feuer mit Knallmunition. Ein Maschinengewehr rattert in das Unterholz, in dessen Dickicht ein Schatten von Baum zu Baum hastet. Kommandos werden geschrien, es wird hektisch. Auf die fein gewobenen Spinnennetze achtet niemand mehr. Minutenlanger Explosionslärm, bevor das erlösende Kommando zum Abbruch kommt. Waffen werden entladen. Die Männer nehmen einen Schluck Wasser aus ihren Trinkflaschen, das einige von ihnen mit intensiv schmeckendem Koffeinpulver versetzt haben. Dann beginnt der Drill von vorn.

Ein Soldat des Jägerbataillons Niederösterreich bei der Übung im April
Ein Soldat des Jägerbataillons Niederösterreich bei der Übung im April(Bild: ÖBH /JgB NÖ)

Zivilisten in Uniform
Es sind Statiker, Kellner und ein Bauingenieur, die hier üben. Ein Pfandleiher, ein Arbeitssuchender und ein Wachmann, der in seinem zivilen Leben jüdische Einrichtungen in Wien beschützt. Doch heute sind sie Infanteristen, Angehörige des 3. Zuges, 2. Kompanie des Jägerbataillons Niederösterreich. Einer jener Milizverbände, die das Herzstück der österreichischen Streitkräfte bilden. Rund 40.000 Milizsoldaten stehen im Bundesheer 15.000 Berufssoldaten gegenüber. Landesverteidigung ist in Österreich nicht ausgelagert an eine kleine Kriegerkaste, sie ist allgemeine Bürgerpflicht.

Das hat auch Nachteile. Milizsoldaten üben selten. Alle zwei Jahre eine größere Ausbildung, bei der es bislang vorrangig um polizeiliche Unterstützungstätigkeiten ging. Grenzeinsatz, Covid-Einsatz, Ordnerdienste bei der Airpower, Wache schieben an kritischer Infrastruktur. „Doch die Bedrohungslage, das wissen sie alle, hat sich massiv geändert“, sagt Brigadier Christian Habersatter, Kommandant der übergeordneten 3. Jägerbrigade und später Militärkommandant von Wien, vor den Männern.

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