So tickt Bulgarien
Dara holt ESC-Gold für das Armenhaus Europas
Aus Geldmangel hat Bulgarien drei Jahre lang auf die Teilnahme am Song Contest verzichtet. Nun kehrt das unbekannte Land als Sieger zurück. Das ESC-Gold ist für das Armenhaus Europas eine Riesenchance. Nicht nur für den Tourismus, auch für die gedemütigte bulgarische Seele ist dieser Sieg ein Segen.
Zu Zeiten des Kommunismus waren die Bulgaren mit ihrer Schwarzmeer-Küste der Meinung, es besser erwischt zu haben als andere. Das Land ist allerdings im Zuge der Transformation zur Demokratie und der EU-Osterweiterung auf den letzten Platz zurückgefallen, und das in vielerlei Hinsicht.
Abstieg im Ranking seit Zusammenbruch des Kommunismus
Die Bevölkerung ist seit 1990 von neun auf sieben Millionen geschrumpft. Das Land ist von Korruption und Armut geplagt. Die politischen Verhältnisse sind instabil. In fünf Jahren fanden acht Parlamentswahlen statt. Das ist nicht zuletzt dem Einfluss Russlands zu verdanken. Ende April haben die Bulgaren den früheren Staatschef Rumen Radew zum neuen Regierungschef gewählt. Der Ex-General gilt als Russland-freundlich, hat aber der „Korruption und Oligarchie“ den Kampf angesagt.
Die Bulgaren sehnen sich nach Anerkennung und Anschluss an Europa. Nachdem heuer erstmals drei Etappen des Giro d’Italia zwischen dem Schwarzen Meer und Sofia ausgetragen wurden, bringt der ESC-Sieg ein weiteres Erfolgserlebnis nach einer langen Durststrecke.
Bulgaren hoffen auf Aufschwung
Das flotte Lied von Dara, mit dem seltsamen Titel „Bangaranga“ wurde im Vorfeld in Bulgarien kritisch als „sinnbefreit“ diskutiert. Das ist aber nach dem Sieg vergessen. Die Freude ist übergroß. Die Bulgaren erwarten sich Werbung für ihr Land und einen ordentlichen Schub.
„Bangaranga“ kommt aus dem jamaikanischen Kreolisch und bedeutet „Chaos“ oder „Durcheinander“. Das passt wunderbar zu einem Land, das zutiefst melancholisch ist und gleichzeitig als eine Art Überlebensmethode von Witzen lebt.











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