Immer mehr Frauen wollen in Österreich kinderlos bleiben. Ein Ende des Abwärtstrends ist nicht in Sicht.
„Seit 2016 stieg der Anteil der Frauen ohne Kinderwunsch deutlich an. Im Jahr 2021 plante fast jede fünfte Frau im Alter von 20 bis 40 Jahren, kinderlos zu bleiben“, heißt in Datenanalysen für eine neue Ausgabe des „Geburtenbarometer“ der Akademie der Wissenschaften (ÖAW). Mitte der 1980er-Jahre waren es noch in etwa sieben Prozent. Sorgen über den Klimawandel, die Covid-19-Pandemie und steigende Lebenshaltungskosten dürften laut den Forschenden zu dem Anstieg beigetragen haben. Nicht einberechnet ist hier jener Anteil der Frauen, die ungewollt kinderlos bleiben, etwa aus gesundheitlichen Gründen – damit könne die Kinderlosigkeit in Zukunft noch höher ausfallen, wird Demographin Caroline Berghammer in einer Mitteilung zitiert. Auch die Entwicklung, dass immer mehr junge Frauen kinderlos bleiben wollen, werde sich wohl noch verstärken, so ihre Annahme.
Droht „kein Aussterben“
Ein Geburtenrückgang sei in Ländern weltweit zu beobachten – ausgenommen sind grob skizziert einige afrikanische Staaten, Länder im Mittleren Osten und in Asien, erklärt der Forscher Kryštof Zeman. Bei der Kinderlosigkeit liege Österreich ähnlich wie Deutschland und die Schweiz. Unter den im Jahr 1980 geborenen Frauen waren im Jahr 2024 hierzulande fast 20 Prozent kinderlos. „Laut unserer Prognose wird dieser Anteil bei Frauen, die nach 1990 geboren wurden, über 25 Prozent steigen“, meint Zeman.
Mit Blick auf die zunehmende Kinderlosigkeit drohe aber keineswegs „ein Aussterben“: „Die Bevölkerung wird sich nur vermehrt in zwei Lager aufteilen – in jene, die Kinder haben und hier dominiert nach wie vor das Zwei-Kind-Modell, und in jene, die keine Kinder haben.“ Der gesellschaftliche Druck, Kinder haben zu müssen, sei auch schwächer geworden.
Keine Erholung nach Pandemie
Gerade beim Thema Geburtenrückgang gibt es bereits lange und auch monatliche Zeitreihen. Vor rund 20 Jahren setzten die ÖAW-Forschenden darauf auf und starteten ihr Geburtenbarometer. Die Analyse der nationalen Fertilität aus den vergangenen Jahren zeigte dabei auch Zusammenhänge mit einschneidenden Ereignissen.
In Österreich verwiesen die von der Statistik Austria bereits im Februar veröffentlichten vorläufigen Fertilitätszahlen für 2025 wiederum auf ein Minus – zum sechsten Mal in Folge. Der Wert sank auf rund 75.700 Lebendgeborene in Österreich, 2024 waren es noch 77.000. „Überraschenderweise führte die Pandemie zunächst nicht zu einem dauerhaften Rückgang der Geburtenraten“, so Zeman. Neun Monate nach Beginn der Covid-19-Pandemie sanken die Geburtenraten leicht und erholten sich dann im Jahr 2021 rasch wieder.
Doch zwischen 2022 und 2024 seien steigende Inflation und wirtschaftliche Belastungen, das Aufschieben von Schwangerschaften während der ersten Welle der Covid-19-Impfungen sowie der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine mit sinkenden Fertilitätsraten verbunden gewesen. „Nach der russischen Invasion in die Ukraine fielen die Geburtenraten stark; seither schwanken sie um einen niedrigen Trend“, heißt es in der Analyse.
Um die Fluktuationen bei Geburten und Fertilitätsraten, besonders nach der Covid-19-Pandemie, in den meisten europäischen Ländern besser analysieren zu können, starteten die Forschenden mit dem Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock (Deutschland) das Projekt „Short-Term Fertility Fluctuations“.
Fertilitätsrate auf historischem Tiefstand
Auch die Fertilitätsrate in Österreich spricht Bände: Die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau überschritt zwischen 2016 und 2017 den Wert von 1,5, ging jedoch anschließend zurück und erreichte mit 1,31 vor zwei Jahren einen historischen Tiefstand, wie es im Geburtenbarometer heißt. Hält das bereits bekannte vorläufige Ergebnis für 2025 von 1,29, ist dies die Fortsetzung des Trends.
Das Durchschnittsalter bei der ersten Geburt stieg zwischen 1984 und 2024 um sechs Jahre und liegt nun bei 30 Jahren. Das Gesamtdurchschnittsalter der Mütter bei der Geburt stabilisierte sich zuletzt bei 31,2 Jahren. Die Väter sind hingegen im Schnitt drei Jahre älter (34,2 Jahre). Doch hier zeigt sich mit zunehmendem Altersunterschied zwischen Müttern und Vätern eine – mit Blick auf biologische Möglichkeiten wohl auch nachvollziehbare – wachsende Kluft: „Während junge Eltern bis 30 meist ähnlich alt sind, wird die Alterslücke ab diesem Punkt größer: 40-jährige Väter haben im Schnitt Partnerinnen, die 35 Jahre alt sind“, so Zeman. 50-jährigen Väter stehen im Schnitt 38-jährige Mütter gegenüber.
Zwar sei die Datenlage zu Vätern bisher noch nicht vollständig, aber sie werde immer besser, sagte der Forscher. Früher habe die Statistik Austria nur Daten zu verheirateten Frauen beziehungsweise Paaren publiziert – „aber nachdem in unserer Zeit die Hälfte der Kinder außerhalb der Ehe geboren wird“, habe man mit 2015 die Datensammlung an aktuelle Realitäten angepasst.
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