Auch Eltern belastet

Zu wenig Therapieplätze für Kinder in Österreich

Leben
18.03.2026 08:47
Porträt von krone.at
Von krone.at

30 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Österreich haben psychische Probleme wie Depressionen oder Angststörungen. Nur die Hälfte ist auch in Behandlung. Die oft lange Wartezeit auf einen Therapieplatz bedeutet für wartende, sich oft hilflos fühlende Eltern ebenfalls eine Belastung.

Monatelange Wartezeiten sind keine Seltenheit, vor allem bei Kinder- und Jugendpsychotherapie als Kassenleistung. Das ist auch für Eltern nicht leicht.

Doch was tun?  Psychologin und Familienberaterin Michèle Liuss rät Eltern psychisch belasteter Kinder, sich Unterstützung im Umfeld zu holen, um Kraft tanken zu können. Weiters bringen verlässliche Routinen Stabilität und Vorhersehbarkeit in den Familienalltag, was in dieser Phase des gefühlten Stillstands helfen kann. Ebenso wertvoll sind 1:1-Betreuungszeiten, in denen sich das Kind vielleicht öffnet und einem Elternteil anvertraut.

Viele Belastungen im Kindesalter
Kinder erleben viele Belastungen, etwa den Umstieg vom Kindergarten in die Schule. Meist würde dieser gut bewältigt, doch weil die Ursachen für psychische Belastungen immer multifaktoriell sind, können sich gleichzeitige Schwierigkeiten negativ auswirken – etwa Trennungen in der Familie, Trauer oder psychische Gewalt durch Mobbing.

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Wir merken Kindern an, wenn sie belastet sind. Wenn sie sich zurückziehen und eher irritierbar sind als sonst.

Michèle Liuss

Wann als Elternteil reagieren?
Betroffene Kinder seien anfälliger für Frust, sie würden weniger essen und weniger schlafen. Ein sehr deutliches Zeichen für psychische Belastungen seien auch Rückschritte in der Entwicklung. Das alles sei phasenweise normal, doch wenn keine Anpassung an die neue Situation stattfinde bzw. wenn körperliche Beschwerden wie etwa morgendliche Bauchschmerzen dazukommen, sollten Eltern aufmerksam werden und in einem ersten Schritt einen Termin beim Kinder- oder Hausarzt vereinbaren.

Auch Eltern leiden mit, wenn es dem Nachwuchs nicht gut geht.
Auch Eltern leiden mit, wenn es dem Nachwuchs nicht gut geht.(Bild: altanaka - stock.adobe.com)

Viele andere Fördermethoden
Therapiemöglichkeiten seien nämlich breit gestaffelt und die richtige Form der Therapie hänge stark von der Diagnose ab, betont Liussi. Zur Kinder- und Jugendpsychotherapie können Kinder entweder alleine gehen oder im Rahmen einer systemischen Therapie mit der ganzen Familie. Es gibt aber auch viele andere Fördermethoden – zum Beispiel Ergotherapie, sozial- oder erlebnispädagogische Angebote oder Gruppentherapie. „Es gibt viele gute Angebote“, nur die Kapazitäten würden einfach nicht ausreichen.

Vor allem bei leistbarer Kinder- und Jugendpsychotherapie sieht Liussi großen Bedarf. Es gäbe gute Projekte, zum Beispiel „Gesund aus der Krise“, aber auch hier herrschten lange Wartezeiten vor, weil die Nachfrage groß ist. „Niederschwellig schaut definitiv anders aus“.

Missstände aufzeigen
Missstände müssten laut Liussi unbedingt aufgezeigt werden. Sollten Eltern mit ihren Kindern wegen fehlender Kapazitäten sogar in Kliniken abgewiesen werden, müsse das auf jeden Fall bei der zuständigen Behörde rückgemeldet werden – sofern die Eltern noch die notwendige Kraft dafür haben. „Manchmal muss man laut werden“, empfiehlt die Psychologin. „Wir dürfen da nicht still sein, sonst kann sich auch nichts ändern.“

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