Wer gab den Befehl?
Streit um „Timmy“-Freilassung: Tierärztin sauer
Nach einer tagelangen Reise entlang der dänischen Ostküste hat Buckelwal „Timmy“ am Samstagmorgen die Barge verlassen und schwimmt seither im offenen Meer Richtung Atlantik. Sein Peilsender meldet Lebenszeichen. Unterdessen herrscht zwischen den Rettern und der Schiffscrew ein riesiger Streit. Nun meldet sich auch die Tierärztin mit scharfen Aussagen zu Wort ...
„Unfassbare Frechheit, was hier abgeht“, schreibt Tierärztin Kirsten Tönnies auf Facebook. Ihr zufolge erfolgte die Befreiung des Meeressäugers zu früh.
„Absprachen sind nicht eingehalten worden“
In einem Video-Statement beklagt sie, dass Samstagfrüh nur die Schlepper-Crew zur Barge fuhr. Bis auf den Amerikaner Jeffrey Foster, Teil der sogenannten „Free-Willy-Crew“ und ehemaliger Wal-Jäger, durften Helfer und Tierärzte nicht mit. Tönnies und ihre Kollegin Anne Herrschaft seien entgegen anderer Absprachen auf einen späteren Transport zur Barge vertröstet worden – der fand allerdings nie statt.
Video-Statement von Tierärztin Kirsten Tönnies:
Die Schlepper-Crew hätte ihr mitgeteilt, man wolle nur nachschauen, ob der Wal noch da sei – dann sei man allerdings eine Dreiviertelstunde mit einem Schlauchboot am Heck der Barge gewesen, was großen Stress für den Wal bedeutet hätte. „Sie geben keine Informationen. Es ist dort kein Tierarzt vor Ort“, so Tönnies in Ton-Aufnahmen, die während der Ereignisse am Samstagmorgen aufgezeichnet wurden.
Ich bin so wütend. Die machen mit „Timmy“, was sie wollen.
Tierärztin Kirsten Tönnies
Wie kam „Timmy“ aus der Barge in die Freiheit?
Auch die Begründung der Crew zweifelt Tönnies an: „Alles vor dem Geschwafel-Hintergrund, dass sie Angst vorm Filmen haben.“ Video-Aufzeichnungen von dem Weg des Tieres aus der Barge heraus gibt es tatsächlich nicht. Wie genau der Wal aus der Barge in die Freiheit gelangt ist, wissen demnach nur die am besagten Zeitpunkt anwesende Schiffs-Crew und Helfer Jeffrey Foster. „Ich bin so wütend. Die machen mit ,Timmy‘, was sie wollen“, so Tönnies weiter.
Auch Retter gehen auf Schiffs-Crews los
Die Initiatoren der Rettungsinitiative für den Wal, Karin Walter-Mommert und Walter Gunz, distanzieren sich ausdrücklich von den Geschehnissen rund um die Freilassung. „Wir konstatieren hiermit, dass wir an der Entlassungsaktion des Wales weder beteiligt waren noch diese aktiv begleitet haben“, heißt es darin.
Es ist noch immer unklar, wer das Kommando zur Freilassung gegeben hat. Es ist mir ein Rätsel.
Karin Walter-Mommert, Mitinitiatorin der Rettungsaktion
Drohte Crew Handy ins Meer zu werfen?
Gleichzeitig erheben auch sie Vorwürfe gegen die Crews der Schiffe. „Etwaige Konsequenzen für nicht abgestimmte Handlungen am und um den Wal haben der Eigner, die Betreiber und uns bekannte Personen der Crew der Schiffe Fortuna B und Robin Hood zu tragen.“ Foster, der um Konsultation der Ärztinnen seines Teams gebeten hatte, wurde wohl sogar untersagt, sein Handy zu nutzen – es würde sonst ins Meer geworfen. Am Ende heißt es: „Weitere Details folgen nach Auswertung.“
Wer gab den Befehl zur Freilassung?
Laut „Bild“ soll der Kapitän der Fortuna B den Befehl zur Wal-Freilassung gegeben haben. Geplant war das aber offenbar nicht. Ebenso wenig die Stelle im Meer, an der „Timmy“ schließlich in die Freiheit schwamm. „Es ist noch immer unklar, wer das Kommando zur Freilassung gegeben hat. Es ist mir ein Rätsel“, betont Walter-Mommert.
Reederei äußert sich nach Wal-Freisetzung
Inzwischen teilte die Bereederungsgesellschaft des Begleitschiffs Robin Hood in einem Schreiben mit, die Freisetzung sei erfolgreich und in Abstimmung mit Jeffrey Foster vom Whale Sanctuary Project erfolgt, unter Berücksichtigung insbesondere der Schiffssicherheit und des Wohls des Wals. Das Tier sei zuvor durch den Seegang wiederholt gegen die Wände der Barge gestoßen. Auch von „vielen riskanten Manövern“ während des Transports ist die Rede.
Peilsender sendet keine GPS-Daten, aber Vitalwerte
Laut „Bild“ -Zeitung sendet der Peilsender aktuell zwar keine GPS-Daten, wohl aber Vitalwerte – und diesen zufolge lebt „Timmy“. Bei der Freilassung des Wals sei der Sender beschädigt worden, bestätigt Walter-Mommert. Deswegen sende er keinen Standort. Wo der Wal sich befindet, ist deshalb unbekannt. Um das Problem zu lösen, habe das Team bereits Techniker engagiert. Immer wenn das Säugetier zum Atmen an die Oberfläche komme, sende der Tracker die Vitalwerte an die Initiative. Laut diesen sei „alles im grünen Bereich“. Wenn das die nächsten 14 Tage „so weitergeht, sind wir glücklich“, so die 62-Jährige.









Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.