Die bittere Wahrheit

Experten warnen jetzt vor Fruchtzucker-Falle

Wissen
16.03.2026 09:57
Porträt von krone.at
Von krone.at

Was viele als harmlos oder sogar „gesünder“ ansehen, könnte für die Nieren zur Belastung werden: Ein hoher Konsum von Fruktose – vor allem aus Softdrinks, Energy-Drinks und zahlreichen Fertigprodukten – kann laut Experten das Risiko für chronische Nierenerkrankungen erhöhen.

Darauf weisen Fachleute der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) hin. Sie empfehlen, den Konsum fruktosehaltiger Getränke möglichst zu reduzieren. Besonders problematisch sei, dass Fruktose in flüssiger Form schnell und in großen Mengen aufgenommen werde. In Kombination mit Hitze oder Flüssigkeitsmangel – etwa im Sommer oder bei körperlicher Anstrengung – könne dies die Nieren zusätzlich belasten.

Folgen sind fatal
Fruktose wird im Körper vor allem in der Leber, aber auch in der Niere verstoffwechselt. Das unterscheidet sich vom Stoffwechsel von Glukose (Traubenzucker). Ein hoher Konsum von Fruktose kann laut Experten Übergewicht, Fettleber und Insulinresistenz begünstigen. Diese wiederum gelten als wichtige Treiber für Bluthochdruck und Typ-2-Diabetes – zwei der größten Risikofaktoren für chronische Nierenerkrankungen.

„Fruktose ist kein ,gesünderer‘ Zucker – im Gegenteil: In großen Mengen kann sie über verschiedene Stoffwechselwege die Nieren massiv beeinträchtigen“, betonte die Fachgesellschaft.

Auch der Harnsäurespiegel kann durch hohe Fruktosemengen steigen. „Erhöhte Harnsäure steht im Zusammenhang mit Bluthochdruck, Gicht, Nierensteinen und Entzündungsprozessen in der Niere“, erklärte Sylvia Stracke, Leiterin des Bereichs Nephrologie und Hypertensiologie an der Universitätsmedizin Greifswald und Pressesprecherin der DGfN.

Problem vor allem bei zugesetztem Fruchtzucker
Die Expertin betonte, dass nicht Fruktose aus frischem Obst das Problem sei, sondern vor allem zugesetzter Fruchtzucker in industriell hergestellten Lebensmitteln. Besonders häufig findet sich dieser in Soft- und Energy-Drinks, Limonaden, „Sportdrinks“, Eistees und aromatisierten Mineralwässern.

Auch Fruchtjoghurts, Frühstückszerealien, Müsliriegel und Desserts enthalten oft zugesetzte Fruktose. Zudem wird sie bei der Herstellung von Fertigsaucen, Ketchup, Dressings sowie Backwaren und Snacks eingesetzt.

Viele Verbraucher unterschätzen laut Stracke, wie viel Zucker sie allein über Getränke aufnehmen. „Ein halber Liter Softdrink oder Energydrink kann bereits mehr Zucker enthalten, als für Erwachsene pro Tag empfohlen wird“, warnte sie.

Mechanismen wissenschaftlich belegt
Die möglichen schädlichen Wirkungen auf die Nieren seien wissenschaftlich gut untersucht. Fruktose ist laut der Fachgesellschaft der einzige Zucker, dessen Abbau mit einer verstärkten Bildung von Harnsäure verbunden ist. Ein dauerhaft erhöhter Harnsäurespiegel gilt als wichtiger Faktor für Nierenschäden, Nierensteine und Entzündungen.

Zudem verbraucht der Abbau von Fruktose in der Niere viel Energie. Das könne zu Energiemangel in den Zellen führen und entzündliche Prozesse, oxidativen Stress sowie Funktionsstörungen der Gefäßinnenwand auslösen. Dadurch könne es zu einer Verengung der Blutgefäße kommen.

Indirekt fördert ein hoher Fruktosekonsum laut den Experten auch Erkrankungen wie Insulinresistenz, Bluthochdruck und Fettleber – Faktoren, die die Nierenfunktion zusätzlich verschlechtern können.

Empfehlung: Weniger süße Getränke
Die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie rät daher, zuckergesüßte Getränke im Alltag möglichst zu vermeiden und stattdessen Wasser sowie ungesüßten Tee oder Kaffee zu trinken.

Darüber hinaus spricht sich die Fachgesellschaft für klarere Nährwertkennzeichnungen und verbindliche Reduktionsziele für den Fruktosegehalt in Getränken und Fertigprodukten aus. Auch eine mögliche Zuckersteuer auf entsprechende Produkte wird unterstützt.

Chronische Nierenerkrankungen sind weit verbreitet: In Ländern wie Deutschland oder Österreich könnten rund zehn Prozent der Bevölkerung betroffen sein. Für Österreich nennt die Österreichische Ärztezeitung etwa 900.000 Menschen mit einer chronischen Nierenerkrankung. Ein Problem dabei: Die Erkrankungen verlaufen oft lange unbemerkt.

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