Verbraucherrecht

Das ändert sich ab Freitag beim Online-Shopping

Web
11.06.2014 13:56
Für viele Online-Shopper ist es alltägliche Praxis: Sie bestellen bei Zalando und Co. Schuhe, Blusen oder Hemden in gleich mehreren Größen oder Farben, um zu Hause in Ruhe auszusuchen, was am besten gefällt. Der Rest wird zurückgeschickt. Bislang kein Problem, denn die Kosten für die Retouren übernahmen die Online-Anbieter. Doch ab diesem Freitag sollten Verbraucher beim Online-Shoppingbummel etwas genauer hinschauen, bevor sie auf den Kaufbutton drücken.

Schon bisher konnten Online-Händler ihren Kunden beim Umtausch Rücksendekosten in Rechnung stellen - allerdings nur bei Waren mit einm Wert von weniger als 40 Euro. Nun gilt diese Grenze nicht mehr, Händler können generell Rücksendekosten verrechnen. "Die Verbraucher sollten deshalb vor der Bestellung prüfen, ob der Absender die Rücksendekosten künftig noch übernimmt oder nicht", rät Thomas Bradler, Jurist der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Praktisch dürfte sich bei vielen Anbietern kaum etwas ändern. Die großen deutschen Internethändler wie Amazon, Otto oder Zalando haben bereits angekündigt, an den bisherigen kundenfreundlichen Reglungen festzuhalten. "Retouren bleiben bei uns kostenlos. Auf diese Serviceleistungen zu verzichten, ist schlichtweg keine Option für Otto", sagt Firmensprecher Alexander Birken.

Auch Zalando will weiter am kostenfreien Versand festhalten. "Wir verlegen damit die Umkleidekabine ins Wohnzimmer", sagt eine Firmensprecherin. Der kostenlose Rückversand sei ein zentraler Bestandteil der Geschäftsidee. Und auch bei Amazon sind nach Unternehmensangaben derzeit keine Änderungen der Versandbedingungen geplant.

Kleine Anbieter haben das Nachsehen
Das einheitliche Vorgehen der Platzhirsche dürfte die Marschrichtung für die gesamte Branche vorgeben. "Die vielen kleinen Anbieter haben kaum eine andere Wahl, als auch mitzuziehen. Wenn sie plötzlich Rücksendekosten erheben würden, dann gingen die Kunden erst recht zu Amazon und Co.", meint Gerrit Heinemann, der Leiter des eWeb Research Centers der Hochschule Niederrhein.

Nach einer Studie des Branchenverbandes Bitkom will fast ein Drittel der Verbraucher künftig ausschließlich bei Online-Shops einkaufen, die einen kostenfreien Rückversand anbieten. Und auch die meisten anderen Online-Shopper sagen, sie würden es sich zweimal überlegen, bei einem Anbieter zu bestellen, der keine kostenlose Rückgabe offeriert.

Ob die scheinbar so kundenfreundlichen Retouren-Regelungen allerdings auf Dauer wirklich im Interesse der Verbraucher sind, daran hat der Handelsexperte Heinemann Zweifel. "Längerfristig unterstützt der Verzicht auf Rücksendegebühren eher die Monopolbildung im Online-Handel. Die großen Anbieter wie Amazon oder Zalando werden dadurch weiter gestärkt, denn sie können die Mehrkosten dank ihrer besseren Einkaufskonditionen und der effizienteren Abwicklung verkraften", meint er. Den kleineren Wettbewerbern, die eigentlich eine Alternative für die Konsumenten darstellen könnten, falle es dagegen schwer, damit zurechtzukommen.

Rücksendegebühren als erzieherische Maßnahme?
Dass die Neuregelung allerdings gar keine Auswirkungen hat, ist auch noch nicht ausgemacht. Kai Hudetz, der Geschäftsführer des auf den Online-Handel spezialisierten Kölner Forschungsinstituts ECC, könnte sich vorstellen, dass die Anbieter zumindest in Einzelfällen die neuen Möglichkeiten nutzen. "Vielleicht werden künftig selektiv Rücksendegebühren bei Konsumenten erhoben, die in der Vergangenheit als besonders retourenfreundlich aufgefallen sind - quasi als erzieherische Maßnahme", glaubt er.

Formeller Wiederruf nötig
Eher lästig als teuer ist außerdem eine weitere Veränderung, die am 13. Juni in Kraft tritt. "Der Widerruf des Kaufvertrages kann künftig nicht mehr durch das kommentarlose Zurückschicken des Produkts ausgesprochen werden", sagt Verbraucherschützer Bradler. Notwendig sei ein formeller Widerruf. "Am besten legt man der Rücksendung einfach einen Zettel bei, auf dem man den Kaufvertrag widerruft", rät der Experte. Auf diesem sollten auch Kundennummer, Bestellnummer und Datum angegeben werden. Bei höheren Bestellsummen sei es ratsam, den Widerruf per Einschreiben zu schicken. Einen Grund für die Rücksendung müsse man nicht angeben.

Was sich außerdem ändert
Statt wie bisher sieben Werktage beträgt die Rücktrittsfrist dafür nun EU-weit 14 Tage - inklusive Samstagen, Sonn- und Feiertagen, wie der Internet-Ombudsmann in einer Informationsbroschüre zur neuen EU-Verbraucherrichtlinie mitteilt. Die Frist beginnt mit dem Tag, an dem der Kunde die Ware in Empfang nimmt. Hat ein Verkäufer den Kunden nicht eindeutig auf das Widerrufsrecht hingewiesen, beträgt die Frist nicht 14 Tage, sondern ein Jahr.

Der "Bestellknopf" eines Online-Shops muss zudem künftig mit den Worten "zahlungspflichtig bestellen" oder einer gleichartigen, eindeutigen Formulierung gekennzeichnet sein. Sonst ist der Käufer oder die Käuferin nicht an den Vertrag gebunden. Sollte dort bloß "Anmelden", "Weiter" oder "Jetzt testen" stehen, wird dadurch keine Zahlungspflicht ausgelöst!

Vereinbarungen über kostenpflichtige Zusatzleistungen wie Reise- oder Stornoversicherungen bei Flugbuchungen bedürfen darüber hinaus künftig der ausdrücklichen Zustimmung des Käufers. Ein verstecktes Hakerl irgendwo auf der Bestellseite gilt nicht mehr. Und sollte bestellte Ware beim Versand beschädigt werden oder verloren gehen, geht dies zu Lasten des Verkäufers, wenn der Käufer eine Versandmöglichkeit gewählt hat, die vom Verkäufer angeboten wurde - was meist der Fall ist.

Anders als bisher müssen sich Verbraucher also nicht mit dem Versandunternehmen auseinandersetzen, sondern können direkt vom Verkäufer Umtausch oder Ersatz verlangen.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Web
11.06.2014 13:56
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung