„Sänger des Amun“

22 Mumien: Sensationsfund in Theben lässt rätseln

Wissen
04.03.2026 16:51

Sie lagen dicht an dicht, ordentlich gestapelt in einer verborgenen Felsenkammer – 22 reich bemalte Sarkophage mit Mumien, mindestens 2600 Jahre alt. Wer die Toten sind, ist bis heute unklar. Eine immer wiederkehrende Inschrift liefert einen ersten Hinweis – und wirft zugleich neue Fragen auf.

Der spektakuläre Fund gelang Archäologen in der Nekropole von Theben-West am westlichen Nilufer nahe der Stadt Luxor. Dort, in el-Qurna, entdeckte ein Team um den Archäologen Zahi Hawass bei Ausgrabungen im Hof eines bereits bekannten Grabmals eine rechteckige, in den Fels gehauene Kammer.

Darin standen 22 reich bemalte Holzsarkophage, nebeneinander und übereinander gestapelt. Datierungen zufolge stammen sie aus der 21. bis 25. Dynastie und damit aus der sogenannten Dritten Zwischenzeit vor rund 3000 bis 2600 Jahren.

Einer der bunt bemalten Sarkophage – ganze 22 Exemplare davon fanden die Forschenden bei ...
Einer der bunt bemalten Sarkophage – ganze 22 Exemplare davon fanden die Forschenden bei Ausgrabungen; samt Mumien darin.(Bild: Ministry of Tourism and Antiquities)

Wer waren die „Sänger des Amun“?
Wie der „Spiegel“ berichtet, handelt es sich um einen „außergewöhnlichen“ Fund. Die Mumien seien unversehrt, ihre Identität jedoch bislang ungeklärt. Auffällig sei, dass die meisten Sarkophage keine Personennamen tragen. Stattdessen finden sich Funktionsbezeichnungen. 

„Die meisten dieser Sarkophage tragen Funktionsbezeichnungen anstelle von Personennamen“, zitierte das ägyptische Nachrichtenportal „See News“ den Generalsekretär des Obersten Rates für Altertümer, Hisham El-Leithy.

„Die am häufigsten gefundene Bezeichnung ist ,Sänger des Amun‘“, erklärte El-Leithy weiter. Demnach könnten die Verstorbenen einer Gruppe von Sängern angehört haben, die bei Zeremonien in Amun-Tempeln eingesetzt wurden.

In der Felsenkammer waren die Sarkophage übereinander gestapelt.
In der Felsenkammer waren die Sarkophage übereinander gestapelt.(Bild: Ministry of Tourism and Antiquities)

Raffinierte Stapelung und Mumienpflege
Bemerkenswert ist auch die Anordnung der Särge. Laut Hawass waren sie in zehn horizontalen Reihen organisiert, teils übereinandergestapelt, wobei die Deckel von den Korpussen getrennt wurden, um den Platz in der Kammer optimal zu nutzen. Neben den Sarkophagen entdeckten die Archäologen mehrere Keramikgefäße, die vermutlich Materialien aus dem Mumifizierungsprozess enthielten.

Ein Versteck für Grabräuber?
Offenbar handelt es sich bei der Felsenkammer jedoch nicht um den ursprünglichen Bestattungsort. Nach bisherigen Erkenntnissen wurden die Mumien mitsamt ihren Särgen aus anderen Gräbern entnommen und hier deponiert – möglicherweise, um sie vor Grabräubern zu schützen. Wo sich die ursprünglichen Grabstätten befanden, ist noch unbekannt.

Warum aber fehlen die Namen der Mumien – die gefundenen Papyrusrollen könnten Aufschluss darüber ...
Warum aber fehlen die Namen der Mumien – die gefundenen Papyrusrollen könnten Aufschluss darüber geben.(Bild: Ministry of Tourism and Antiquities)

Papyrusrollen als Schlüssel zur Vergangenheit
Zusätzliche Hinweise erhoffen sich die Forscher von acht Papyrusrollen, die in einem großen Tongefäß in derselben Kammer entdeckt wurden. Einige tragen noch das originale Tonsiegel. Die nähere Analyse dieser Schriftrollen werde jedoch Zeit in Anspruch nehmen. Die ägyptische Altertumsbehörde spricht von einem „Informationsschatz“, dessen Inhalte erst nach Präparation und Restaurierung vollständig enthüllt werden könnten.

Aufwendige Restaurierung der Sarkophage
Auch die Konservierung der Funde ist aufwendig. Aufgrund des fragilen Zustands des Holzes haben Restaurierungsexperten Maßnahmen eingeleitet: Verrottete Holzfasern werden behandelt, geschwächte Putzschichten verstärkt und die Oberflächen mechanisch gereinigt, um Ablagerungen zu entfernen, ohne die leuchtenden Farben der Bemalung zu beschädigen.

Fund eröffnet neue Einblicke in die Dritte Zwischenzeit
Theben-West zählt zu den größten Nekropolen des alten Ägypten. Neben zahlreichen Totentempeln und Gräbern von Pharaonen, Priestern und Beamten gehört auch das Tal der Könige zu diesem weitläufigen Areal. Genutzt wurde die Totenstadt von der Blütezeit Thebens vor rund 4100 Jahren bis zum Ende der Dritten Zwischenzeit vor etwa 2600 Jahren.

Wer die 22 Toten aus der verborgenen Felsenkammer tatsächlich waren, bleibt vorerst offen. Sicher ist nur: Ihr Fund eröffnet neue Einblicke in eine bislang wenig verstandene Epoche der altägyptischen Geschichte – und lässt zugleich Raum für weitere Entdeckungen.

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