So kann es gehen: Ein Lehrer wagt es, in einem Interview mit seinem vollen Namen auf Missstände an unseren Schulen hinzuweisen und bekommt nicht etwa Anerkennung, sondern einen Maulkorb!
Das Besondere: Vor einigen Jahren war Thomas Walch noch ein ranghoher SPÖ-Mitarbeiter. Er kommt demnach nicht aus der „rechten Ecke“. Die Bildungsdirektion Wien kritisierte, das Interview sei nicht mit ihr abgesprochen gewesen. Seither geht es nicht mehr darum, was Herr Walach von seiner Schule erzählte, sondern vielmehr, ob er dies überhaupt darf? Laut dem Verfassungsjuristen Dr. Bußjäger darf er es.
Als Lehrerin, die sich seit Jahren äußert – nicht zuletzt in dieser Kolumne – hatte ich ebenfalls Termine in der Bildungsdirektion. Danach fragte ich mich jedes Mal: „Besteht Interesse, die Lebensumstände von Kindern und Jugendlichen zu verbessern? Oder soll möglichst wenig davon nach außen dringen?“
Anstatt Lehrern mit einem Maulkorb zu drohen, könnte es doch auch folgende Reaktion geben: Kollege Walach hat unter anderem auf das Problem der Zwangsverheiratung von Mädchen aufmerksam gemacht. Wir müssen uns ab nun intensiver darum kümmern. Leider passiert das nicht. Umso wichtiger, dass es Lehrer wie Thomas Walach gibt.
Als Kollegin bedanke ich mich jedenfalls und wünsche ihm gute Nerven. Er wird sie brauchen. Denn der interne Gegenwind geht jetzt erst richtig los.
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