700 Menschen verlegt

Syrien: Berüchtigtes Lager soll geschlossen werden

Ausland
18.02.2026 18:07

Das berüchtigte Al-Hol-Lager im Nordosten Syriens für Familienangehörige der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) soll geschlossen werden. Die Regierung hat nach eigenen Angaben damit begonnen, verbliebene Bewohner in ein anderes Lager in der Provinz Aleppo im Norden des Landes zu verlegen. Nach Angaben der zuständigen Nichtregierungsorganisation SSU wurden seit Dienstag rund 700 Menschen verlegt. 

SSU hatte bereits zuvor Familien bei der Umsiedlung geholfen und unterstützt die Regierung bei den aktuellen Verlegungen. Nach SSU-Angaben zielen die Verlegungen auf die Schließung des Lagers ab. Ziel sei es zudem, Entlassene in die Gesellschaft zu reintegrieren. Aus Regierungskreisen hieß es, die Verlegungen seien am Dienstag gestartet. Sie sollten innerhalb einer Woche abgeschlossen werden.

Hunderte bis Tausende Menschen konnten fliehen
Die syrische Übergangsregierung hatte Anfang des Jahres eine Offensive im Norden und Nordosten des Landes gestartet, um auch die davor kurdisch geführten Gebiete Syriens zu kontrollieren. Davor stand Al-Hol, das größte Lager für Angehörige von IS-Mitgliedern, unter kurdischer Kontrolle. Das Lager ist offiziell kein Gefängnis, wird von Bewohnern aber oft als ein solches beschrieben. Freiwillige Ausreisen waren nicht möglich.

Auch eine junge Salzburgerin, die sich mutmaßlich dem IS angeschlossen hatte, lebte jahrelang mit ihren beiden Kindern in dem Lager. Sie wurde im Frühjahr 2025 nach Österreich zurückgeholt. 

In Al-Hol waren hauptsächlich Familienangehörige von IS-Kämpfern interniert. Auch eine ...
In Al-Hol waren hauptsächlich Familienangehörige von IS-Kämpfern interniert. Auch eine Österreicherin lebte jahrelang in dem Camp.(Bild: AFP/OMAR HAJ KADOUR)
(Bild: AFP/OMAR HAJ KADOUR)
(Bild: AFP/OMAR HAJ KADOUR)
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(Bild: AFP/OMAR HAJ KADOUR)

  Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte konnten im Zuge der Übernahme des Lagers durch Kräfte der Übergangsregierung Tausende Menschen fliehen. Einige seien auf eigene Faust entkommen, anderen seien von mit der Regierung verbündeten Milizen bei der Flucht unterstützt worden, sagte Direktor Rami Abdel-Rahman der Deutschen Presse-Agentur. In den vergangenen Wochen sollen zudem Angehörige der Bewohner und Schmuggler den Menschen bei der Flucht geholfen haben. Auch die Beobachtungsstelle bestätigte, dass das Lager geschlossen werden soll.

Aus Regierungskreisen hieß es, Hunderte Familien hätten das Lager „verlassen“, nachdem die kurdisch angeführten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) sich von dort „ohne Koordination“ zurückgezogen hätten. Dadurch sei ein Sicherheitsvakuum entstanden. Nach UN-Angaben wurde in den vergangenen Wochen ein deutlicher Rückgang der Bewohnerzahlen im Lager festgestellt.

Lager galt als hochriskant
Nach dem militärischen Sieg über den IS im Jahr 2019 wurden Angehörige von IS-Kämpfern aus Sicherheitsgründen in den Lagern wie Al-Hol isoliert. Auch Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit waren dort untergebracht.

Al-Hol gilt seit Jahren als hochriskant. Das Lager galt durch seine Isolation als ein Nährboden für die Ideologie des Islamischen Staats. Bewohner lebten nach eigenen Aussagen in einer Art rechtsfreiem Raum. Der IS soll weiterhin starken Einfluss auf die Bewohner ausgeübt haben.

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