Kobane wird belagert

Kurden in Syrien stehen mit dem Rücken zur Wand

Außenpolitik
26.01.2026 11:49

Seit Wochen bekämpft die syrische Übergangsregierung kurdische Milizen und verdrängt sie aus Gebieten, in denen die Minderheit bisher Autonomie genoss. Jetzt wird die Grenzstadt Kobane belagert, es droht eine humanitäre Katastrophe. International gibt es Solidaritätsbekundungen – auch aus Wien.

Seit mehr als einer Woche wird Kobane von Kämpfern, die mit der Regierung in Damaskus verbündet sind, belagert. Das berichten kurdische Aktivisten sowie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in London. Die Lieferung von Lebensmitteln und Dingen des täglichen Bedarfs sei fast komplett gestoppt worden, die Zustände seien „katastrophal“.

Familien flüchten vor Regierungstruppen
In Kobane haben sich viele Familien versammelt, die durch Kämpfe im Nordosten Syriens vertrieben wurden. Seit Wochen verdrängen syrische Regierungstruppen die kurdisch angeführten Milizen der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) aus diesem Gebiet, das von den Kurden Rojava genannt wird, und bringen es unter die Kontrolle von Damaskus.

Die Übergangsregierung äußert sich nicht zu den Vorwürfen, dass sich die humanitäre Lage in Kobane verschlechtert. Laut Staatsfernsehen startete allerdings am Samstag ein Konvoi mit Lebensmitteln und Medikamenten aus Aleppo in Richtung der Stadt. Organisiert wurde dieser 24 Lkw zählende Konvoi demnach von den Behörden in Aleppo und UNO-Hilfsorganisationen.

Am Wiener Heldenplatz wurde die Solidarität mit den Kurden in Syrien bekundet.
Am Wiener Heldenplatz wurde die Solidarität mit den Kurden in Syrien bekundet.(Bild: The Poeple‘s Caravan)
SDF-Kämpfer in Kobane
SDF-Kämpfer in Kobane(Bild: AFP)

Zwischen syrischer Regierung und den SDF gilt aktuell eine Waffenruhe, die am Samstag auslief, nach Angaben beider Seiten nach internationaler Vermittlung aber um 15 Tage verlängert wurde. Am Sonntag schien die Feuerpause zunächst zu halten. Die Lage war trotz vereinzelter Kämpfe insgesamt ruhig.

Kurdische Autonomie vor dem Aus
Die SDF sollen nun einen Plan vorlegen, wie die Institutionen in der kurdischen Selbstverwaltung in die staatliche Ordnung übergehen. Damit dürfte das Ende der de facto autonomen Region Rojava besiegelt sein. Nachdem die USA die Kurden in Syrien – ihre langjährigen Verbündeten im Kampf gegen die Terrormiliz IS – fallenließen und dem syrischen Übergangspräsidenten den Rücken stärken, ist von dieser Seite keine Hilfe für die Autonomie der Kurden zu erwarten.

Während der Waffenruhe sollen auch inhaftierte IS-Kämpfer aus Gefängnissen in den benachbarten Irak verlegt werden. Die Regierungstruppen haben die Kontrolle einiger der Gefängnisse und auch Lager übernommen, in denen Angehörige von IS-Kämpfern untergebracht sind. Wegen der Kämpfe gibt es Sorge, dass der IS das Chaos nutzen und seine Kämpfer und deren Angehörige befreien könnte. Einige Inhaftierte sollen bereits entkommen sein.

Vorwurf an Europa: Tödliches Schweigen
Unterdessen erreichte die internationale Solidaritätskarawane für Rojava Wien. Gemeinsam mit lokalen Unterstützern wurde am Sonntag am Heldenplatz gegen die Belagerung Kobanes durch islamistische Milizen unter türkischer Kontrolle protestiert und Europa tödliches Schweigen vorgeworfen. Ziel der „Karawane zur Verteidigung der Menschlichkeit“, welche mehr als hundert Aktivisten und Aktivistinnen aus Europa und Lateinamerika vereint, ist die Erreichung Kobanes.

In den kommenden Tagen setzt der Konvoi seine Reise über Serbien, Griechenland und die Türkei fort – mit dem Ziel, die syrisch-türkische Grenze zu erreichen und die Aufmerksamkeit auf die Eskalation in der Region weiter zu erhöhen.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Kostenlose Spiele
Vorteilswelt