Der Verlegerverband befasse sich seit mehr als fünf Jahren mit dem Thema. "Dazu haben einige Mitgliedsmedien bereits in den vergangenen Jahren Initiativen gesetzt", erklärte Kralinger. "Daraus haben sie sehr unterschiedliche Schlüsse und Ergebnisse gezogen." Entsprechend könne es nicht die eine gültige Lösung für diese Problematik geben. Allerdings konstatierte Kralinger durchaus Umgangsformen in manchen Foren, die "für viele untragbar werden".
Der VÖZ-Präsident unterstrich, dass etliche Shitstorms der vergangenen Zeit nicht über Medienplattformen lanciert worden seien, sondern ihren Ausgangspunkt in sozialen Netzwerken hatten. "Sinnvoll wäre es, jene kleine Minderheit von Medienplattformen fernzuhalten, die unter Berufung auf das Recht der Meinungsfreiheit andere Menschen in der Öffentlichkeit kränkt, beleidigt, schmäht, manchmal sogar an den Rand der Existenz bringt - und all dies unter dem Schutz der Anonymität."
Das könne man nicht mit "vagen Selbstverpflichtungen, sondern ausschließlich durch eine konsequente Moderation der Foren verbunden mit einer gesetzlichen Lösung" erreichen. Dem müssten sich aber alle Marktteilnehmer, nicht nur Medienunternehmen, unterwerfen. "Schließlich würden aufwendigere Zugangsbarrieren, die ein Verbot der anonymen Postings notwendig machen, die große Masse der Nutzer, die sich vernünftig und sachlich in Online-Foren austauscht, treffen", resümierte Kralinger.
Registrierung über GIS-Mitgliedsnummer
Beispielgebend könnte hier der ORF agieren, etwa mit einer Registrierung über die GIS-Mitgliedsnummer, wie Kralinger vorschlug. "Dies hätte eine enorme Vorbildwirkung für die Branche. Sollte der Gesetzgeber aktiv werden, braucht es eine Lösung, deren Gewinner am Ende des Tages nicht die globalen Konzerne wie Google und Facebook seien. Denn damit wäre dem heimischen Medienstandort nicht geholfen." Abseits des Bekenntnisses zu Klarnamen bräuchte es aus der Sicht des VÖZ aber auch jenes "zu den ethischen Grundwerten unserer Gesellschaft im digitalen Raum". Dies betreffe auch journalistische Angebote selbst.
Rosam fordert Mut zur Deklaration
Mitte vergangener Woche hatte Rosam in einer Presseaussendung ein Ende für "Shitstorms in anonymen Postings" gefordert und sich für eine "Deklarationspflicht im Web" ausgesprochen: "Die freie Meinungsäußerung ist ein demokratiepolitisches Must. Aber wir brauchen auch Zivilcourage. Menschen, die bereit sind, ihre Meinung nicht nur zu äußern, sondern zu dieser auch zu stehen. Und dazu muss man den Mut haben, sich zu deklarieren. Mir ist vollkommen bewusst, dass, wenn es zu einer Deklarationspflicht im Web kommt, sich viele von der derzeitigen Poster-Community verabschieden würden. Aber, was ist eine Meinung wert, zu der man nicht den Mut hat zu stehen?"
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