Vertrauliche Daten von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft seien "das digitale Gold des 21. Jahrhunderts". Für einen wirklichen Schutz kämen Unternehmen nicht darum herum, ein abgeschottetes internes Datennetz ohne Verbindung zum Internet zu schaffen, so Maaßen.
In diesem Jahr kam es bereits zwei Mal zu einem massenhaften Diebstahl von E-Mail-Zugangsdaten, von denen viele Millionen Internetnutzer betroffen waren. Auch große Industrieeinrichtungen waren in den vergangenen Monaten von Attacken betroffen. Experten kritisierten, dass den Angreifern bei den Firmen zum Teil Tür und Tor geöffnet werde. Daten würden allzu oft leichtfertig irgendwo abgelegt, nur weil es kostenlos oder bequem sei.
Firewall allein reicht nicht
Holger Mey von Airbus Defence rief dazu auf, vom Denken wegzukommen, dass eine Firewall allein für Schutz sorgen könne. "Firewalls sind gut für Tagesdiebe, aber nicht für wirklich kompetente Gegner. Und mit denen haben wir es hier zu tun." Es müsse mehr Geld in die digitale Sicherheit investiert werden, "und nicht nur für Geschwindigkeit und Bequemlichkeit".
Seit langem warnen Beobachter davor, dass in Zukunft auch kritische Einrichtungen wie etwa die Infrastruktur im Energiesektor betroffen sein könnten. Verfassungsschutzpräsident Maaßen mahnte, dass im Cyberraum Daten in einem Umfang entwendet werden könnten, wie es früher selbst einem professionellen Agentenring nicht möglich gewesen sei. Wenn Daten bisher im Tresor aufbewahrt worden seien, müssten sie jetzt in einen gepanzerten IT-Raum ausgelagert werden, riet er Unternehmen.
Internet "systemkritische Infrastruktur"
Einig waren sich Experten aus Wissenschaft, Politik und Industrie darüber, dass die Gefahren mit der fortschreitenden Digitalisierung und Vernetzung von Produktionsabläufen zunehmen werden. Diese vierte industrielle Revolution erfordere ein ganzheitliches Sicherheitskonzept, das auch die klassischen Branchen umfasse, unterstrich der Präsident der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften, Henning Kagermann. "Dieses Internet wird die systemkritische Infrastruktur. Wenn es zusammenbricht, bricht nicht nur die Kommunikation zusammen."
Gefahr der Wirtschaftsspionage nicht gebannt
Maaßen warnte davor, im Zuge der Enthüllungen von Edward Snowden über die Abhörpraktiken der USA die Angriffe anderer Staaten aus dem Blick zu verlieren. Weiterhin hoch seien die Ausspähungen durch Russland und China, die durch Industriespionage ihre Volkswirtschaften stärken wollten. Beide Länder könnten zufrieden damit sein, dass über ihre Aktivitäten nach dem NSA-Skandal kaum noch jemand spreche.
Am Montag warfen die USA China erstmals formell einen Cyberangriff auf US-Unternehmen vor. Die Regierung Peking wies dies zurück (siehe Infobox).
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