Am Freitag findet in Wien wieder der freiheitliche „Akademikerball“ statt. Während in der Hofburg Korporierte und blaue Funktionäre das Tanzbein schwingen, wird es auf der Straße wieder zu Protesten kommen – die „Offensive gegen Rechts“ hat jetzt zu einem Demo-Zug aufgerufen.
Der Ball muss auch heuer ohne FPÖ-Obmann Herbert Kickl auskommen. Erwartet werden – wie schon in den Jahren davor – unter anderem Nationalratspräsident Walter Rosenkranz und Wiens FPÖ-Chef Dominik Nepp.
Rosenkranz wird Gast auf Ball
Rosenkranz, der bei früheren Ausgaben des Balls auch die Eröffnungsrede hielt, wird voraussichtlich auch heuer wieder Teil der Eröffnung sein, hieß es seitens der Veranstalter. Auch Wiens Landesparteichef Nepp wird wie im Vorjahr in der Hofburg erwartet. Die „akademische Rede“ soll wieder ein bisher nicht genannter Professor halten, sagte der Wiener FPÖ-Landtagsabgeordnete und Ballorganisator Udo Guggenbichler zur APA.
Demonstration der „Offensive gegen Rechts“
Ob es rund um den Veranstaltungsort wie üblich wieder ein sicherheitspolizeiliches Platzverbot geben wird, war zu Wochenbeginn seitens der Polizei noch nicht entschieden, ist aber wohl zu erwarten. Ziel dieser Platzsperren war es in der Vergangenheit, das Zusammenstoßen von Demonstranten und Ballbesuchern zu verhindern. Wie gewohnt ist wohl auch heuer mit Verkehrsbehinderungen rund um die Hofburg und in der gesamten Innenstadt zu rechnen.
„Gegen Burschis und Faschos“
Wie schon in den vergangenen Jahren hat die Plattform „Offensive gegen Rechts“ auch heuer wieder zu einer Demonstration gegen den Ball aufgerufen: „Auf die Straße gegen Burschis & Faschos“ lautet das Motto des Protestzuges, der sich um 17 Uhr vor der Hauptuni Wien sammelt und danach voraussichtlich wie in den vergangenen Jahren durch die Innenstadt ziehen wird.
Proteste seit vielen Jahren
Der Wiener Akademikerball findet seit 2013 unter seinem aktuellen Namen statt. Er gilt als offizieller Nachfolger des WKR-Balls, der davor seit 1952 von Farben tragenden und mehrheitlich schlagenden Hochschulkorporationen ausgerichtet worden war. Mehrheitlich von linker Seite dagegen demonstriert wird schon seit vielen Jahren, wobei es vor allem vor dem Veranstalterwechsel teilweise zu heftigen Protesten gekommen war. In den letzten Jahren wurde es hingegen spürbar ruhiger rund um den Veranstaltungsort, im Vorjahr waren die Proteste laut Exekutive „ohne nennenswerte Zwischenfälle“ verlaufen.
„Haben nichts gegen Demonstrationen“
In der Hofburg selbst gaben sich die Teilnehmenden zumeist betont gelassen und verurteilten die „gewalttätigen Ausschreitungen“ regelmäßig. Guggenbichler, der von einem „sehr guten Kartenverkauf“ sprach, betonte im Vorfeld des diesjährigen Balles, man habe nichts gegen Demonstrationen, sofern sie gewaltfrei verlaufen.
Kickl „kein Ballgeher“
Während zu WKR-Zeiten noch Uni-Rektoren die Festreden hielten, brachen danach neue Zeiten an: So sprach etwa 2018 der einstige FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache vor den versammelten Burschenschaftern und verurteilte dabei sogar Antisemitismus in den eigenen Reihen. Zweimal trat auch der damalige FPÖ-Volksanwalt und nunmehrige Nationalratspräsident Walter Rosenkranz auf, seit letztem Jahr wird die Rede wieder von einem Akademiker gehalten. Parteichef Kickl bleibt der Veranstaltung seit jeher fern, er sei kein Ballgeher, heißt es aus seinem Büro.
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