Menschen, die unter einer Essstörung leiden, egal ob nun unter Mager-, Fresssucht oder Ess/Brechsucht, zeigen meist Mangelerscheinungen, auch wenn ihr Körpergewicht im oder gar über dem Durchschnitt liegt.
Es ist nicht leicht, Essstörungen zu erkennen. Bestimmte Mangelerscheinungen des Körpers weisen aber auf krankhaftes Essverhalten hin: Herabgesetzter Herzschlag und niedere Körpertemperatur, Rückgang des Kaloriengrundumsatzes. Dazu kommen bei betroffenen Mädchen noch unregelmäßige oder ausbleibende Menstruation, Haarausfall, trockene und blasse Haut.
Zusätzlich können Betroffene an Kreislaufschwäche und damit zusammenhängenden Schwellungen leiden. Taubheit an Händen und Füßen können ebenfalls durch unzureichende Nahrungsaufnahme verursacht werden.
Die Sterblichkeitsrate bei Essstörungen liegt in einem Bereich von 5%-20%! Das größte Risiko besteht, wenn selbstherbeigeführtes Erbrechen, Missbrauch von Medikamenten und extreme sportliche Betätigung zusammen auftreten. Diese Kombination von Maßnahmen zur Gewichtskontrolle erhöht das Risiko von Herzproblemen durch Muskelschwund, aber auch durch Störungen im Elektrolythaushalt. Außerdem wird das Magen-Darm-System in Mitleidenschaft gezogen, was sich durch Anschwellen und Schmerzen ausdrücken kann. Für die Essgestörten führt das dann dazu, dass sie sich vollgegessen fühlen und noch weniger essen. Ein gefährlicher Teufelskreis entsteht! Experten raten zu psychotherapeutischen Maßnahmen.
Gefährliche "Fressanfälle"
Ebenso wie extrem untergewichtige Menschen mit Essstörungen sollten nach Expertenmeinung auch einige stark übergewichtige eine Psychotherapie erhalten. Patienten mit einer so genannten Binge-Eating-Störung (Fressanfälle), die häufig und meist heimlich immense Mengen an Essen in sich hineinstopften und dadurch stark zunähmen, müssten vielfach ähnlich wie Magersüchtige oder Ess- Brech-Süchtige psychologisch behandelt werden. Das betonten Experten im Vorfeld einer Tagung zu Essstörungen am Freitag in Münster.
Diese spezielle Essstörung finde jedoch erst seit einigen Jahren stärkere Beachtung. "In den USA wird "Binge-Eating" auch erst seit rund 15 Jahren thematisiert", sagte Tagungsleiterin und Psychotherapeutin Anette Kersting. Anders als Magersucht- oder Ess- Brech-Sucht, die meist unter jungen Frauen auftrete, seien von den krankhaften Fressanfällen eher über 30-Jährige betroffen - ein Drittel seien Männer.
Die Patientengruppe gehört zu den von Fettleibigkeit (Adipositas) betroffen Menschen. Im Gegensatz zu anderen Adipositas-Ursachen - etwa genetische Defekte, Stoffwechselerkrankungen oder Folgen von Medikamenten-Einnahme - seien bei "Binge-Eating"-Patienten psychische Schwierigkeiten Auslöser der Fressanfälle. Dazu zählten Lebenskonflikte oder Beziehungsprobleme, die die Patienten mit einer extrem übertrieben Nahrungsaufnahme zu kompensieren versuchten. "Diese Menschen leiden erheblich unter der Störung, fühlen sich oft schuldig, hässlich und ziehen sich mehr und mehr aus dem Sozialleben zurück", sagte Kersting.
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.