„Schande 2.0“?

Vor Österreich-Duell: Jetzt rechnen Algerier ab!

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Von krone Sport

Auch Algerien erinnert sich fast exakt 44 Jahre nach der „Schande von Gijon“ an ein unrühmliches Kapitel österreichischer Fußball-Geschichte. Am 25. Juni 1982 verlor Österreich bei der WM in Spanien gegen Deutschland 0:1, beide Teams schafften auf Kosten der algerischen Equipe den Aufstieg. Vor dem zweiten WM-Duell Österreichs mit Algerien am Sonntag (4.00 Uhr MESZ) erinnerten Kommentatoren und Medien an Algeriens damaligen Ärger – und eine Neuauflage im Zeichen der Revanche.

„Ich rate ihnen, sich gegen Österreich zu revanchieren. Sie haben sich damals mit Deutschland verschworen. Man muss dieses Spiel mit dem Geist der Revanche angehen und gewinnen“, sagte Lakhdar Belloumi schon vor Tagen dem TV-Sender „El Heddaf“. Belloumi war 1982 Torschütze bei jenem algerischen Team, das Deutschland zwar überraschend 2:1 schlug, danach aber dennoch den Aufstieg verpasste.

Lakhdar Belloumi (1982)
Lakhdar Belloumi (1982)(Bild: APA-Images / AFP / STAFF)

  Teamkollege Rabah Madjer, berühmt für sein Ferslertor für den FC Porto im Meistercup-Finale 1987 in Wien gegen Bayern München (2:1), erinnerte sich: „Auch wenn wir es irgendwie erwartet hatten, waren wir alle verärgert, empört und fassungslos.“ Viele Leute hätten sich später entschuldigt. „Es ist gut, wenn man den Schaden, den man angerichtet hat, eingesteht, aber für uns hat es nichts verändert.“

„Spiel der Schande 2.0“
Das französische Sportportal RMC Sport sinnierte bereits über ein „Spiel der Schande 2.0“ und meinte: „Warum das Spiel Algerien gegen Österreich zu einer Farce des Fußballs werden könnte.“ Die Rechnung sei einfach: Trennen sich die beiden Teams in Kansas City mit einem Unentschieden, stehen voraussichtlich beide im Sechzehntelfinale. Da dem Zweiten ein Duell mit Spanien blühen könnte, sei der dritte Platz mit vier Zählern womöglich eine aussichtsreichere Variante für den Turnierverlauf.

  In Algeriens Online-Tageszeitung „Tout sur l‘Algerie“ kamen diese Spekulationen nicht gut an. Ein solches Szenario sei „undenkbar“, schrieb ein Kolumnist. „Auch wenn Österreich 1982 in das ‘Spiel der Schande‘ verwickelt war, hat Algerien in seiner gesamten Geschichte niemals auf solche Praktiken zurückgegriffen“, hieß es. Die „Grünen“ würden jedes WM-Spiel mit dem Ziel angehen, dieses zu gewinnen. „Wenn man an einer Weltmeisterschaft teilnimmt, sucht man sich seine Gegner nicht aus und versucht nicht, die Stärksten zu meiden.“

Erinnerung an Scham der Kommentatoren
Die Zeitung „El Watan“ erinnerte ebenfalls an 1982. „Die schmutzige Absprache sprang ins Auge, war auf dem Spielfeld deutlich zu erkennen und führte schließlich zur gemeinsamen Qualifikation der beiden Cousins auf Kosten unseres Landes.“ Das Publikum im Stadion El Molinon habe die deutschen und österreichischen Spieler damals lautstark ausgebuht, mit Geldscheinen gewunken und während des gesamten Spiels „Algerien, Algerien“ skandiert. „Selbst die Fernsehkommentatoren der beiden betroffenen Länder drückten live ihre Scham aus“, schrieb das Blatt.

So forderte der damalige ORF-Kommentator Robert Seeger die Zuschauer auf, die TV-Geräte abzuschalten. Sein deutscher Kollege Eberhard Stanjek weigerte sich in der ARD, das Spiel weiter zu kommentieren. Ob sich die Gedanken jener Spieler, die nun in Kansas City aufeinandertreffen, mit Gijon beschäftigt haben, bezweifelte „El Watan“ jedoch ein wenig: „Sie haben vielleicht schon von diesem abgesprochenen Spiel gehört. Geboren waren sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht.“

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