Fälle von häuslicher Gewalt sind an den heimischen Gerichten keine Seltenheit. Ein Prozess am Landesgericht Linz war aber doch ungewöhnlich, denn auf der Anklagebank saß eine 21-jährige Frau. Sie hatte ihren Mann jahrelang getreten, geschlagen und mit Dingen beworfen.
Ungewöhnlich war am Mittwoch am Landesgericht Linz nicht das Delikt – es ging um häusliche Gewalt –, sondern dass eine Frau auf der Anklagebank Platz nehmen musste. Von April 2024 bis März dieses Jahres hat die Linzerin ihren Ehemann (22) wiederholt angegriffen.
Angeklagte kam aus U-Haft
„Es war eine Gewaltbeziehung, die Gewalt ging von der Angeklagten aus. Sie hat ihren Mann geschlagen, getreten und mit Sachen beworfen“, so die Staatsanwältin. Zur Verhandlung wurde die 21-Jährige aus der Untersuchungshaft vorgeführt, wo sie seit 30. März einsitzt. „Wie geht’s Ihnen im Gefängnis?“, fragte der Richter. „Man kann es nicht in Worte fassen. Eine Inhaftierte hat Entzugserscheinungen, eine andere hat sich in die Hose gemacht“, gab sich die Angeklagte geläutert.
Geständig zu Vorwürfen
Zu den Gewaltvorwürfen zeigte sie sich grundsätzlich geständig. Abschließend meinte sie, dass es ihr leidtue. Und ihr Mann? „Den will ich nie wieder sehen.“ Der Richter verurteilte sie rechtskräftig zu 15 Monaten Haft, drei davon unbedingt. Dem Opfer wird ein Schmerzensgeld von 1000 Euro zugesprochen. Da die 21-Jährige einen Großteil der unbedingten Strafe schon in U-Haft abgesessen hat, wird sie bald entlassen. Vor dem Saal fiel sie ihrer Mutter um den Hals: „Nur noch sechs Tage.“
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