Freies Kopieren

Gratis-Downloads für alle – so soll es laut Piraten gehen

Web
13.08.2012 10:19
"Wir sind der Überzeugung, dass die nichtkommerzielle Vervielfältigung und Nutzung von Werken als natürlich betrachtet werden sollte", schreibt die deutsche Piratenpartei in ihrem Parteiprogramm und propagiert damit das Recht auf das freie Kopieren – sehr zum Missfallen zahlreicher Schriftsteller, Künstler und Musiker, die um ihr geistiges Eigentum und entsprechende Einnahmen fürchten. Völlig grundlos, meinen die Piraten: In einem Entwurf zeigen sie, wie neue Geschäftsmodelle im Internet den Kreativen ein Einkommen sichern sollen.

Das schrankenlose Internet mit einer weitgehend kostenlosen Verfügbarkeit der Inhalte zählt zu den Gründungsideen der Piraten. Aus Sicht der Partei ist das derzeitige Urheberrecht ein Haupthindernis für den freien Zugang zu Wissen und Kultur. Vor allem Künstler fürchten aber um ihre Existenzgrundlage, wenn ihre Lieder, Filme oder Texte kostenlos heruntergeladen werden können.

Die deutsche Piratenpartei sieht diese Gefahr nicht. In einem der Nachrichtenagentur Reuters vorliegenden Entwurf listet sie alternative Einnahmequellen auf, die ihrer Ansicht nach die gebührenpflichtige Nutzung geistigen Eigentums ersetzen könnten, wenn das nichtkommerzielle Kopieren von Dateien im Internet erlaubt wäre.

"Social Payment", "Crowdfunding" und "Idol-Marketing"
Die Instrumente, mit denen die Piraten Musikern, Filmemachern und Autoren das kostenlose Herunterladen von Songs, Filmen und Texten über das Internet schmackhaft machen möchten, heißen "Social Payment", "Crowdfunding" oder etwa "Idol-Marketing". Gemäß letzterem wird der Künstler durch die kostenlose Verbreitung seiner Werke im Internet bekannt. Durch die so gewonnene Popularität kann er nach Auffassung der Piraten bei Konzerten oder Lesungen entsprechende Eintrittspreise verlangen – und sich so finanziell über Wasser halten. 

Beim "Social Payment" bleibt es dem Nutzer hingegen selbst überlassen, freiwillig etwas zu zahlen. Diverse Bands haben bereits probiert, ihre neuen Alben auf diese Art zu vertreiben - mit teils nur mäßigem Erfolg. Als beispielsweise die britischen Radiohead 2007 ihre Fans über den Preis des neuen Albums "In Rainbows" bestimmen ließen, zahlte ein Drittel der Kunden nicht.

Nutzer sollen Projekte finanzieren
Beim "Crowdfunding" sollen sich die Urheber ihr Werk deshalb vorfinanzieren lassen. Dass das durchaus funktionieren kann, zeigt derzeit die alternative Spielkonsole Ouya: Statt der für ihre Entwicklung nötigen 950.000 US-Dollar wurden im Rahmen einer Online-Spendenaktion über 8,5 Millionen US-Dollar von Nutzern gesammelt (siehe Infobox). Inwiefern sich derart auch Hollywood-Blockbuster finanzieren lassen, ist jedoch fraglich. Eine Möglichkeit wäre das sogenannte "Crowdinvestment" – eine Variante des "Crowdfunding", bei der die Förderer am finanziellen Erfolg des Projektes beteiligt werden.

Werbefreie Premium-Angebote
Zu den aus Piraten-Sicht denkbaren Geschäftsmodellen zählt auch das Anbieten von Gratis-Software, zu der beispielsweise ein kostenpflichtiger Kundendienst angeboten wird. Bereits etabliert hat sich die Finanzierung von Gratisinhalten durch Werbung. Bekanntestes Beispiel dafür ist nach Ansicht der Piraten die Suchmaschine Google. Unter dem Schlagwort "Freemium" verstehen die politischen Emporkömmlinge eine Variante, bei der die Werbefreiheit gegen eine Gebühr erkauft werden kann – wie es heute etwa schon bei vielen Anwendungen für das Smartphone üblich ist.

Förderung ja, aber nicht für den Mainstream
Verwertungsgesellschaften wie die deutsche Gema – das Pendant zur heimischen AKM - wollen die Piraten übrigens bestehen lassen. Allerdings müssen diese dem Entwurf nach so reformiert werden, dass vor allem den Urhebern die Einnahmen zufließen. Schließlich setzen die Piraten auch auf öffentliche Förderung. "Zur freien Entfaltung einzelner aufstrebender Künstler, insbesondere in Bereichen, die nicht im Mainstream der bisherigen Verwertung liegen, besteht die Möglichkeit und die Verantwortung zur Förderung", heißt es in dem Papier, aus dem eine Broschüre zum Urheberrecht werden soll.

"Kein Schaden durch Tauschbörsen"
Für die Newcomer, die mittlerweile in vier deutschen Landtagen vertreten sind und gute Chancen haben, kommendes Jahr in den Bundestag einzuziehen, ist eine Urheberrechtsreform eine "zutiefst humanistische Forderung". Dazu gehören nichtkommerzielle Tauschbörsen, der Wegfall von Kopierschutz, die Verkürzung der Dauer des Urheberrechtsschutzes und eine Stärkung der Rechte der Kreativen gegenüber den Rechteverwertern.

Dass Künstlerexistenzen etwa durch die Legalisierung von Tauschbörsen gefährdet wären, glauben die Piraten unter Berufung auf entsprechende Studien nicht. Die Verbreitung von Tauschbörsen sei bereits jetzt so hoch, "dass ein solcher Einbruch schon hätte stattfinden müssen, was jedoch ausgeblieben ist", schreiben die Autoren in ihrem Urheberrechtskonzept.

Urheber auf den Barrikaden
Viele Künstler sehen das erwartungsgemäß anders. Seit Monaten protestieren sie öffentlich gegen die Pläne der Piraten (siehe Infobox). Vielbeachtet war ein Wutausbruch des Schriftstellers und Musikers Sven Regener ("Element of Crime"), der in einem Interview sagte: "Das Rumgetrampel darauf, dass wir uncool seien, wenn wir darauf beharren, dass wir diese Werke geschaffen haben, ist im Grunde genommen nichts anderes, als dass man uns ins Gesicht pinkelt. Und sagt: 'Euer Kram ist nichts wert. Wir wollen das umsonst haben. Und wir scheißen drauf, was du willst.'"

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Web
13.08.2012 10:19
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung