Olympia-Zensur

Twitter-Konto von Journalist Adams wieder entsperrt

Web
31.07.2012 23:04
Die Übertragungspolitik des US-Fernsehsenders NBC bei Olympia und die Kritik daran bringt Twitter in die Bredouille. Schuld ist der Umgang des Kurznachrichtendienstes mit dem "Independent"-Journalisten Guy Adams, der nach einem NBC-kritischen Tweet von der Plattform geworfen wurde. Zwar wurde das Konto des Journalisten am Dienstagabend wieder entsperrt, ein fahler Nachgeschmack bleibt aber. NBC und Twitter kooperieren während der Olympischen Spiele.

Hintergrund des Konflikts, der inzwischen Zigtausende wütende Twitter-Botschaften ausgelöst hat, ist die umstrittene Übertragungspolitik des US-Senders bei Olympia.

NBC hatte sich die US-Übertragungsrechte für eine Milliardensumme gesichert. Um die Quoten und Werbeeinnahmen zu steigern, hat der Sender in den vergangenen Tagen Live-Material aus London um mehrere Stunden zeitversetzt erst in der US-Prime-Time übertragen und mit Online-News zu den zurückgehaltenen Sportereignissen gegeizt. So wurden etwa Live-Bilder von der Eröffnung am Freitag, dem Schwimm-Duell zwischen Ryan Lochte und Michael Phelps am Samstag oder die ersten Auftritte des US-Baketball-Dreamteams dem US-Publikum mit mehreren Stunden Verzögerung präsentiert.

In Internet formieren sich Kritiker dieser Vorgangsweise unter dem Hashtag #NBCFail, darunter Guy Adams, Los-Angeles-Korrespondent des britischen "Independent". Er fasste die Social-Media-Kritik zusammen und riet der Twitter-Community, Beschwerde-Mails an den bei NBC für Olympia zuständigen Gary Zenkel zu schicken. Das wurde Adams zum Verhängnis.

Zensur auf NBC-Anweisung hin?
In der Veröffentlichung der geschäftlichen Mail-Adresse Zenkels sah man bei Twitter einen Verstoß gegen Nutzungsbestimmungen des Netzwerks. Persönliche Informationen wie Adressen oder Telefonnummern dürften nicht weitergegeben werden, hieß es. Gerüchten zufolge soll Twitter allerdings erst auf NBC-Beschwerde hin reagiert haben. Adams Twitter-Konto wurde gesperrt. Dieser hielt den Twitter-Verantwortlichen entgegen, dass aufgrund der NBC-Mail-Vergabe ohnehin jeder Zenkels E-Mail-Adresse nachvollziehen könne. Er habe keine private E-Mail-Adresse getwittert, sondern eine bekannte Firmen-Mail-Adresse.

Massenhaft Kritik am "bedrohlichen Präzedenzfall"
"Ich dachte, das Internetzeitalter hätte diese Form der Zensur beendet", erklärte Adams auf der Internet-Seite des "Independent". Unterstützung bekam Adams neben Tausenden Twitter-Usern auch von CNN-Moderator Piers Morgan, dem BBC-Journalisten Jeremy Vine oder dem britischen Schriftsteller und "Trainspotting"-Autor Irvine Welsh. Adams sprach von einem "bedrohlichen Präzedenzfall" und forderte die Rücknahme seiner Twitter-Sperre.

Kritik kam auch vom Digitale-Medien-Experten Dan Gillmor, der von einem "entscheidenden Moment" für Twitter sprach. Was die Causa zu einem "ernsten Problem" mache, sei der Umstand, dass Twitter während Olympia mit NBC kooperiert, schrieb der Direktor des Knight Center for Digital Media Entrepreneurship an der Walter Cronkite School of Journalism and Mass Communication Arizona im "Guardian". Wenn sich herausstellen sollte, dass Twitter von seinem Geschäftspartner zu der Vorgangsweise gedrängt worden sei, würde das Glaubwürdigkeit und Image des Netzwerks beschädigen, so Gillmor. Twitter sollte sich deshalb rasch entschuldigen und Adams Konto wieder freischalten.

Twitter verteidigt sein Vorgehen
Dies ist am Dienstagabend auch passiert: Adams' Konto wurde wieder entsperrt, allerdings verteidigte Twitter in einem Blogeintrag grundsätzlich das Vorgehen: Es spiele keine Rolle, dass Adams keine private, sondern eine auch öffentlich zugängliche berufliche Mail-Adresse des NBC-Managers genannt habe. Dennoch gestand der Dienst einen Fehler ein. Es waren Twitter-Mitarbeiter, die im Zuge der Medienpartnerschaft auf den Tweet mit der E-Mail-Adresse stießen und NBC erst darauf aufmerksam machten. Dabei behauptet Twitter, die Mitteilungen nicht aktiv zu überwachen, sondern nur auf Beschwerden Betroffener zu reagieren.

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