Die Halbleiterbranche muss sich einer Prognose zufolge 2023 auf Umsatzeinbußen einstellen. „Da der wirtschaftliche Gegenwind anhält, wirkt sich die schwache Nachfrage von Endkunden nach Elektronik auf die Unternehmen aus“, sagte Branchenexperte Richard Gordon von der Beratungsfirma Gartner am Mittwoch. Verschärft werde die Entwicklung durch hohe Lagerbestände, die auf die Preise drücken.
Der weltweite Umsatz mit Computerchips schrumpfe heuer voraussichtlich um gut elf Prozent auf 532,2 Milliarden Dollar (rund 483 Milliarden Euro). Besonders hart treffe es die Speicherchip-Anbieter. Hier würden die Erlöse sowohl bei Arbeitsspeichern als auch bei sogenannten NAND-Chips für USB-Sticks oder Festplatten um jeweils rund ein Drittel auf 92,3 und 38,9 Milliarden Dollar zurückgehen.
Dank der anhaltenden Digitalisierung in der Industrie und dem Trend zur Elektromobilität sagen die Gartner-Experten hier dagegen Wachstum voraus. Allein der Markt für Automobil-Chips werde in diesem Jahr um knapp 14 Prozent auf 76,9 Milliarden Dollar wachsen.
Bosch will US-Chiphersteller TSI Semiconductors übernehmen
So kündigte der deutsche Automobilzulieferer Bosch am Mittwoch denn auch an, sein Geschäft mit Halbleitern auszuweiten und dafür Teile des US-Chipherstellers TSI Semiconductors zu übernehmen. Beide Firmen hätten eine entsprechende Vereinbarung getroffen, teilte das Unternehmen am Mittwoch in Stuttgart mit. Zu finanziellen Einzelheiten der Transaktion sei Stillschweigen vereinbart worden.
Die Übernahme muss noch genehmigt werden. Bosch rechnet damit, dass der Kauf noch heuer abgeschlossen werden kann.
Fokus auf Siliziumkarbid-Chips
TSI Semiconductors mit Sitz in Kalifornien hat 250 Beschäftigte. Das Unternehmen entwickelt und produziert bisher in hohem Volumen Chips aus Silizium, auch für die Autoindustrie. Bosch will die Fertigung künftig auf Siliziumkarbid-Halbleiter umrüsten - und dafür rund 1,4 Milliarden Euro investieren. Von 2026 an sollen dort die ersten Halbleiter aus dem innovativen Material produziert werden.
Insbesondere der Boom der Elektromobilität führe zu einem enormen Bedarf an den speziellen Chips. Sie seien eine Schlüsselkomponente, hieß es. Bei E-Autos ermöglichen diese Halbleiter demnach größere Reichweiten und effizientere Ladevorgänge, da durch sie deutlich weniger Energie verloren geht. Der Markt für Siliziumkarbid-Chips wächst Bosch zufolge im Jahresschnitt um mehr als 30 Prozent.
Die Übernahme ermögliche es, in noch größerem Maßstab Chips für die E-Mobilität zu fertigen, sagte Konzernchef Stefan Hartung. Bosch hat bislang zwei Halbleiter-Fabriken in Dresden und in Reutlingen. Aber nur in Letzterer werden auch Siliziumkarbid-Chips hergestellt. Bis 2027 soll das Produktionsvolumen des neuen US-Standorts laut einem Sprecher mit dem in Reutlingen vergleichbar sein.
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