„Starte durch - 5000 Euro passives Einkommen pro Monat.“ Mit solchen Slogans bewerben „Business Coaches“ und „Mentoren“ auf Plattformen wie YouTube, TikTok oder Instagram Online-Kurse, die mit wenig Aufwand zu Reichtum verhelfen sollen. Beim Europäischen Verbraucherzentrum (EVZ) liegen zahlreiche Beschwerden von geprellten Kunden auf. Im Fall eines Geschädigten hat der Verein für Konsumenteninformation jetzt eine Rückzahlung erwirkt.
ZDF-Satiriker Jan Böhmermann hatte sich erst unlängst Anbieter von Coaching-Programmen vorgeknöpft, die in Werbeanzeigen das große Geld versprechen und über soziale Netzwerke insbesondere junge Menschen in ihr System locken. Dieses werde in ganz Europa angewendet, verwies der EVZ in einer Mitteilung auf Hunderte Anfragen und Beschwerden, die die Europäischen Verbraucherzentren zu dubiosen Coaching-Anbietern erreichten.
Die vermeintlichen Fortbildungsthemen reichen von Dropshipping (Streckengeschäft) über passives Einkommen und Geldanlagen bis zum Handel mit Domains (Internetadressen). Allein zu dieser Masche meldeten Geschädigte dem Netzwerk der Europäischen Verbraucherzentren Verluste von mehr als 250.000 Euro. Dabei gingen die Abzocker laut EVZ immer ähnlich vor: „große Versprechungen machen, Druck aufbauen, überrumpeln“.
Tausende von Euros für minderwertige Fortbildungen
Konsumenten werden demnach „in fingierten Bewerbungsgesprächen zu Vertragsabschlüssen gedrängt, die über Reseller-Plattformen wie CopeCart oder Digistore24 abgeschlossen werden“. Die Kosten belaufen sich auf mehrere Tausend Euro. Ein vom VKI erwirkter Europäischer Zahlungsbefehl gegen CopeCart führte jetzt zu einer Rückzahlung von rund 3800 Euro für einen im Zusammenhang mit der „Masterclass“ eines „Selfmade-Millionärs“-Geschädigten.
Insgesamt verzeichnete das EVZ-Netzwerk seit Juli 2021 mehr als 700 Beschwerdefälle zu unseriösen Business-Coachings. Die geschätzte Schadenssumme liege im einstelligen Millionenbereich, berichtete EVZ-Leiter Reinhold Schranz.
Schranz rät, gegenüber hochtrabenden Versprechungen skeptisch zu sein und sich nicht darauf einzulassen. „Wer in die Coaching-Falle getappt ist und mit Rechnungen oder Mahnungen konfrontiert ist, sollte so rasch wie möglich rechtliche Unterstützung suchen.“ Das EVZ hilft, indem es Verträge prüft und bei Unternehmen interveniert, zudem gibt es online kostenlos einen Musterbrief zur Anfechtung von Coaching-Verträgen.
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