Es ist ein seltener Aufstand im Kreml: Neben der Bloggerin Viktorija Bonja äußern sich auch immer mehr andere Social-Media-Persönlichkeiten kritisch zu Putin. Mit ihren Online-Kanälen erreichen die Blogger mehrere Millionen Menschen.
In einer emotionalen Videobotschaft hatte sich die Lifestyle- und Modebloggerin Viktorija Bonja zuletzt über Putins Politik geäußert. „Das Volk hat Angst vor Ihnen, Blogger, Künstler haben Angst, Gouverneure haben Angst vor Ihnen. Und Sie sind der Präsident unseres Landes.“, sagte sie in einem Video, das sie auf ihrem Instagram-Account veröffentlichte.
Ungewöhnliche Reaktion auf Influencer-Video
Der Kreml reagierte ungewöhnlich schnell auf Bonjas Kritik. Sprecher Dmitri Peskow erklärte öffentlich, man habe das Video gesehen, vieles davon sei aufgegriffen worden, und an den angesprochenen Problemen werde gearbeitet. Doch sie ist nicht die Einzige, die Putin öffentlich kritisierte – auch andere Blogger und Social-Media-User äußerten ihren Unmut zur Kreml-Politik.
Internetabschaltungen und Eingriffe in den Online-Raum
Den Anstoß zu der Welle an Putin-kritischen Videos gaben unter anderem die wiederholten Internetausfälle durch Abschaltungen in Russland, wie „El País“ berichtete. Außerdem hat der Kreml den Zugriff auf soziale Netzwerke stark eingeschränkt. Plattformen wie Instagram sind nur noch über bestimmte VPNs erreichbar.
„Kann so nicht weitermachen“
Am 26. März veröffentlichte Liza Moka, eine russische Lifestyle- und Elternbloggerin, eine tränenreiche Videobotschaft an ihre 900.000 Instagram-Follower. „Ich kann so nicht weitermachen“, sagte sie. „Ich kann nicht mehr ertragen, was diese realitätsfernen Tyrannen uns antun.“ Sie lebe abgelegen auf dem Land und die einzige Möglichkeit für sie, zu arbeiten oder ihren Kindern eine Ausbildung zu ermöglichen, führe über das Internet.
„Wenn ich meinen Kindern, die ich zu Patriotismus erzogen habe, sage: ‘Kinder, ich muss ein spezielles VPN aktivieren, um das zu umgehen, was sich die ausgedacht haben, die eigentlich auf euch aufpassen sollten, damit ihr verdammt nochmal zur Schule gehen könnt‘, dann ist das doch Schwachsinn“, sagt sie. Das Video erreichte zwei Millionen Aufrufe.
„Wo bleibt die Freiheit?“
Auch ein Instagram-User kritisierte die russische Politik offen. In einem Video sagte der 19-Jährige mit dem User-Namen „Tyomshi“: „Ich hoffe, ich komme wegen dieses Videos nicht ins Gefängnis.“ In einem Video, das hunderttausende Aufrufe erzielte, zeigte er sich schockiert darüber, dass Russland nicht nur soziale Netzwerke blockiert, sondern nun auch die Verwendung englischer Wörter in der Werbung verbietet. „Wo bleibt die Freiheit? Ich verstehe die Leute nicht, die sich immer noch als frei bezeichnen. Es gibt immer weniger Möglichkeiten“, sagte er.
Putins Zustimmungswerte auf einem Tiefpunkt
Nach Angaben des russischen Mediums „Meduza“ verzeichnete das staatliche Meinungsforschungsinstitut WZIOM zuletzt die sechste Woche in Folge sinkende Zustimmungswerte für Putin. Für die Woche vom 6. bis 12. April wurde eine Zustimmungsrate von 66,7 Prozent gemeldet. Auch das Vertrauen in Putin sank demnach auf 72 Prozent.
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