Der Besuch im Internet hinterlässt Spuren. Der bekannte digitale Fußabdruck, der auf sozialen Medien oder Einkaufsportalen entsteht, ist bei Datenschützern seit langem ein Thema. Weitaus seltener im medialen Rampenlicht stand bisher hingegen eine zweite Hinterlassenschaft, der sogenannte digitale oder virtuelle CO2-Fußabdruck.
Der Konsum von Videos per Streaming ist dabei nur ein Beispiel für den virtuellen CO2-Abdruck. Auf dem Online-Portal digitalcarbonfootprint.eu lassen sich die Treibhausgas-Äquivalente von Musik-Streaming, Videokonferenzen, Spielkonsole oder Tablet berechnen. Ein halbwegs gut ausgestatteter Haushalt übersteigt hier 590 Kilogramm CO2 pro Jahr relativ locker, das TV-Gerät ist mit 243 Kilogramm dabei der Hauptproduzent.
590 Kilogramm würden für Österreich und den rund laut Statistik Austria etwas über vier Millionen Haushalten in Summe 2,36 Millionen Tonnen CO2 jährlich ergeben. Zum Vergleich: die Treibhausgasbilanz für 2019 ergab für Österreich insgesamt 79,8 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente, der virtuelle CO2-Fußabdruck würde bei dieser Berechnung also etwa einem Zehntel jenem des Verkehrs entsprechen, der damals bei 24 Millionen Tonnen lag.
Was den Stromverbrauch von Amazon Prime, Netflix & Co beeinflusst, sind einmal die eigenen dafür notwendigen Geräte, und es macht dabei einen großen Unterschied, ob das bewegte Bild daheim über moderne Glasfaser oder unterwegs über den in die Jahre gekommenen 3G-Standard empfangen wird. Wer sich bei seinem Streaming-Anbieter für den neuesten Teil der Serie seiner Wahl entschieden hat, sorgt infolge dann aber auch dafür, dass die Daten irgendwo auf der Welt von einem Server abgerufen werden - der ebenfalls Strom benötigt.
Bereits 2016, zwei Jahre nach dem Start des US-Unternehmens Netflix, versuchten Forschende der Queen Mary University of London die Servernamen der Firma aufzuspüren und sie fanden 4669 Netflix-Server an 243 Standorten auf der ganzen Welt. Inzwischen hat sich die Zahl der Abonnenten mehr als verdreifacht, Ende 2022 gab der Konzern bekannt, dass er mit 223 Millionen zahlenden Mitgliedern in mehr als 190 Ländern „der größte Streaming-Entertainment-Dienst weltweit“ sei.
5G deutlich „grüner“
Das deutsche Umweltbundesamt wies 2020 unter Hinweis auf erste Forschungsergebnisse am Beispiel „Video-Streaming in HD-Qualität“ auf die Übertragungstechnik als die hauptverantwortliche Komponente für die Höhe der Treibhausgasemissionen hin: Während ein HD-Video bei Konsum über UMTS (3G) 90 Gramm CO2 je Stunde verursache, wurden bei 5G nur noch 5 Gramm CO2 je Stunde errechnet. Datenverarbeitung im Rechenzentrum würden dabei mit jeweils 1,5 Gramm CO2 pro Stunde relativ geringe Beiträge liefern.
„Entscheidend für die Klimaverträglichkeit von Cloud-Diensten wie Video-Streaming ist hingegen, mit welcher Technik die Daten von dort zu den Nutzerinnen und Nutzern übertragen werden“, hieß es. Jedoch wurde darauf hingewiesen, dass der Stromverbrauch des Endgeräts nicht miteinberechnet wurde.
Im Oktober 2019 ließ der französische Think Tank „The Shift Project“ aufhorchen, denn seine Berechnungen hätten ergeben, dass eine halbe Stunde Streaming Emissionen in der Höhe von 1,6 Kilogramm CO2-Äquivalenten erzeugen würde - die Menge einer Autofahrt rund 6,3 Kilometern. 2018 sei Streaming demnach für einen Treibhausgas-Ausstoß verantwortlich gewesen, der jenem von Spanien entsprechen würde (rund 260 Millionen Tonnen CO2).
Diese medial oftmals zitierte Berechnung sollte sich jedoch als fehlerhaft erweisen, denn laut internationaler Energieagentur IEA gab es im Juni 2020 einen Folgeartikel von „The Shift Project“, um einen Bit/Byte-Umrechnungsfehler zu korrigieren - und aus den „1,6 Kilogramm pro halbe Stunde“ wurden somit 0,2.
„Schmutziges“ Digital-Geld
Und auch, wer gerne mit virtuellen Währungen bezahlt, leistet seinen Beitrag zum Klimawandel. So berichtete der „New Scientist“ vergangenen September, allein Bitcoin soll seit seiner Einführung im Jahr 2009 rund 200 Millionen Tonnen CO2 verursacht haben - Österreich emittiert aktuell rund 80 Mio. Tonnen CO2-Äquivalente jährlich. Der Strombedarf von Bitcoin habe zu enormen Kohlenstoffemissionen geführt, aber ein Preisverfall der Kryptowährung und steigende Energiekosten haben den Energieverbrauch zumindest vorübergehend gebremst.
Jedoch waren die globalen Mining-Aktivitäten äußerst energieaufwendig: Laut Forschenden der University of New Mexico in Albuquerque in den USA belief sich der Stromverbrauch im Jahr 2020 auf 75,4 Terawattstunden, mehr Energie als Österreich (69,9 TWh) im selben Jahr genutzt habe. Und Schätzungen der Universität Cambridge zufolge stammen etwa 61 Prozent des Stroms, der für das Schürfen von Kryptowährungen wie Bitcoin genutzt wird, aus nicht-erneuerbaren Energiequellen wie Kohle und Erdgas.
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