Krebserkrankung

Was macht eigentlich eine „Cancer Nurse“?

Gesund Konkret
20.01.2023 09:00

Die Heilungschancen von Krebserkrankungen haben sich stetig verbessert. Experten gehen davon aus, dass diese zu chronischen Leiden werden. Entsprechend groß ist der Bedarf an Pflegepersonal. Daher gibt es seit Kurzem österreichweit sogenannte Cancer Nurses. Die „Krone“ hat eine davon über ihren Alltag befragt.

Cancer Nurses sind Gesundheits- und Krankenpfleger mit dem Schwerpunkt Krebs. Zur Ausübung des Berufs berechtigt eine Weiterbildung (bestehend aus Theorie und Praxis). Eine von ihnen ist Mag. Petra Klambauer, die am Ordensklinikum Linz Elisabethinen, OÖ, arbeitet. Warum wollte sie eine Cancer Nurse werden, und wie sieht ihr Alltag aus?, möchte die „Krone“ wissen.

„Ich bin bereits seit sieben Jahren auf der Onkologie-Station tätig. Alleine in dieser Zeit sind die Therapien viel komplexer geworden. Daher wollte ich mich mithilfe der Zusatzausbildung auf dem neuesten Stand halten. Außerdem möchte ich Erkrankten noch besser mit Rat und Tat zur Seite stehen“, berichtet die Oberösterreicherin.

Vielfältige Aufgaben und Herausforderungen
Die Aufgaben der diplomierten Gesundheits- und Krankenpflegerin, Absolventin der Pflegewissenschaft und bislang noch einzigen Cancer Nurse in diesem Spital sind vielfältig: „Im Moment bin ich einmal pro Woche - eine Ausweitung ist geplant - auf der hämato-onkologischen Tagesklinik zu finden. Dort bekommen die Krebspatienten etwa Chemotherapie verabreicht. Ich gehe gezielt auf sie zu und frage, wie es ihnen zuhause geht und ob sie Beschwerden haben. Natürlich können sie mir auch jede Frage stellen.“

Antworten auf häufige Fragen der Patienten
„Am meisten werde ich gefragt, was man gegen Appetit- und Geschmacksverlust sowie Fatigue (starke Müdigkeit) tun kann“, so Petra Klambauer. Wer keinen Hunger verspürt, dem rät sie viele kleine Portionen zu essen und aufbauende Zusatznahrung (reich an Eiweiß und Kalorien) als Zwischenmahlzeit zu sich zu nehmen.

Zitat Icon

Am häufigsten werde ich gefragt, was man gegen Appetit- und Geschmacksverlust sowie Fatigue tun kann.

Petra Klambauer, Cancer Nurse

Mundhygiene ist während der Therapie besonders wichtig
Bei fehlendem Geschmack empfiehlt sie, besonders auf gute Mundhygiene zu achten. Denn dafür kann u. a. eine belegte Zunge verantwortlich sein. Ansonsten hilft es, den Speichelfluss mit Kaugummikauen oder Lutschpastillen anzuregen. Außerdem solle man immer wieder verschiedene Geschmacksrichtungen ausprobieren, denn es käme oft vor, dass Betroffene plötzlich z. B. wieder Süßes schmecken.

Sehr gute Mundhygiene gilt auch als wichtig, weil Krebspatienten abwehrgeschwächt sind und sich deshalb leicht Wunden an der Mundschleimhaut bilden. Eine vorbeugende Maßnahme wäre beispielsweise das Spülen mit einer Kochsalzlösung.

Was kann man bei Fatigue tun?
Fatigue lässt sich wiederum am besten mit Bewegung an der frischen Luft bekämpfen. „Angehörige sollten jedoch den Betroffenen nicht überfordern“, so Klambauer. Nützlich ist auch ein Energietagebuch, in dem man genau notiert, wann Müdigkeit auftritt. Das ist eine gute Hilfe, um sich den Tagesablauf bewusster einzuteilen und somit die Lebensqualität zu verbessern. Extra-Tipp der Expertin: „Krebskranke sollten ihre Familie unbedingt bei der Hausarbeit um Hilfe ersuchen, damit neben den Behandlungen noch Zeit für sie selbst bleibt.“

Danke der Betroffenen: „Schön, dass Sie da sind“
Die meisten nehmen die Ratschläge der Cancer Nurse dankbar an und freuen sich über ihre Anwesenheit. „Schön, dass Sie da sind“, hört Klambauer des Öfteren. Ab Frühling 2023 treten zwei weitere Cancer Nurses ihren Dienst am Ordensklinikum, Standort Elisabethinen, an. Dann ist auch ein eigener Raum zur onkologischen Pflegeberatung geplant. Intime Fragen lassen sich dort besser beantworten als im Alltag der Tagesklinik.

Was hat Mag. Klambauer noch zu tun? „Ich bespreche mit den Patienten Formulare und Info-Blätter. Wenn erwünscht, vermittle ich sie zudem an andere Fachexperten wie z. B. unseren Reha-Coach oder die Sozialarbeiter im Haus weiter“, berichtet sie. Zu ihren weiteren Aufgaben zählen Schulungen für Mitarbeiter über etwaige Nebenwirkungen der Therapien, das Verfassen von Leitlinien (z. B. über Mundpflege) und dreimal jährliche interdisziplinäre Besprechungen mit Ärzten, Physiotherapeuten, Diätologen etc. Außerdem organisiert sie vierteljährliche Treffen für alle Kollegen mit onkologischer Ausbildung, bei denen diese über Neuigkeiten von Kongressen und mit Vortragenden diskutieren.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Gesund Konkret
20.01.2023 09:00
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung